Kirchweih im kleinsten Stadtteil Babenhausens

Harpertshausen: Kerbvadder versagt die Stimme

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Der Kerbburschenwagen mit dem Komitee (von links) Lena Schnur, Kolja Pruchniewicz und Kerbvadder Felix Schnur.

Harpertshausen - Vier Tage lang feiern die Harpertshäuser traditionell ihre Kerb. Hauptaustragungsorte des fröhlichen Festes waren das Feuerwehrhaus und das DRK-Heim, wo auch ein Vergnügungspark mit Schiffschaukel und Co. aufgebaut war. Von Petra Grimm 

Zwei Schläge mit seinem goldenen Hammer aufs Fass, und Ortsvorsteher Kurt Kratz brachte bei den Brandschützern das Bier zum Fließen. Damit begann das Kerbspektakel im kleinsten Stadtteil. Der Gerstensaft, der bis zur Kerbverbrennung heute Abend zum Grundnahrungsmittel im Dorf gehört, floss reichlich. Die fleißigen Helfer des DRK stemmten die Party am Samstagabend, den Sonntag und sorgten gestern für den beliebten Frühschoppen.

Für ausgelassene Stimmung waren in diesem Jahr 17 Kerbburschen und Mädchen verschiedener Jahrgänge im Einsatz. Einige waren routinierte Mehrfachtäter. „So eine große Gruppe hatten wir schon lang nicht mehr“, hieß es aus der ausgelassenen Truppe, die von Kerbvadder Felix Schnur, der zum ersten Mal in diese verantwortungsvolle Rolle schlüpfte, angeführt wurde. Ihm zur Seite standen als Komitee seine Cousine Lena Schnur, die die große Glocke schwang, und Kolja Pruchniewicz, der mit dem Metermaß unterwegs war. Die beiden halfen dem Kerbvadder, der am Sonntag, dem Höhepunkt der Kirchweih, unter starker Heiserkeit litt. Er hatte sich an den ersten beiden Festabenden bei den Kerbgesängen wohl übernommen. „Ich glaube, ich kann heute den Kerbspruch nicht halten“, flüsterte er vor dem Umzug. Also sprangen Lena und Kolja ein und berichteten von den Pleiten, Pech und Pannen im zurückliegenden Jahr.

Bevor es dazu kam, startete die bunte Parade durch den Ort. Auch hier gab Kurt Kratz wie üblich das Startsignal. Drei ohrenbetäubende Schüsse aus seiner Knallpistole und der Zug setzte sich – angeführt vom Komitee und dem Kerbburschenwagen mit dem Strauß – in Bewegung. Die Jugendfeuerwehr beteiligte sich, ebenso wie das DRK, das mit mehreren Gruppen mitlief. Neben der aktuellen Nachwuchsgruppe marschierten auch die Falken mit, eine vor 40 Jahren ins Leben gerufene DRK-Jugendgruppe, die sich trotz einiger grauer Haare topfit präsentierte. Das Männerballett „Die Glorreichen 8“ war dabei und die „Holzhackerleut"“. Das Musikcorps aus Habitzheim sorgte für fröhliche Klänge. Schnäpse und Süßigkeiten wurden unters am Straßenrand feiernde Volk gebracht. Die Häuser im Ort – auch das eine schöne Tradition – waren im Vorfeld von den Kerbburschen mit Birkenbäumchen geschmückt worden.

Bilder: Kerb in Eppertshausen

Beim anschließenden Kerbspruch, der am Fenster des DRK-Heims gehalten wurde, bekam dann mancher sein Fett ab. So der Tierfreund, dessen Schildkröte ausgebüchst war. Weder die Verfolgung des bekanntlich schnellen Tieres mit dem Fahrrad noch das Aussetzen eines Finderlohnes, was zur Bildung von Suchtrupps im Dorf führte, brachten das Tier zurück. Eine Nachbarin fand es schließlich zwischen ihren angeknabberten Kohlköpfen. Schaum vorm Mund hatte eine Frau. Nicht weil sie in der Rede vorkam, sondern schon vorher. Denn sie hatte Badepillen mit Pralinen verwechselt und zerkaut. Damit hatte sie sich einen Platz im Kerbspruch verdient.

Quelle: op-online.de

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