In Kleingartenanlage hinter dem Schloss

Wasserverbrauch verdoppelt: Kräftiger Schluck fürs Gemüse

+
Reinhold Kruschina betrachtet den Paprika in einem Beet. Der Frucht links hat die Wetterlage arg zugesetzt.

Babenhausen - Sonne und Hitze sorgen für durstige Pflanzen. Wer etwas Ordentliches ernten will, muss Melone, Kürbis, Paprika und Co. fleißig wässern. Von Stefan Scharkopf 

Alles geht seinen gemächlichen Gang an diesem Morgen. Noch brennt die Sonne nicht derart vom Himmel, dass jede Aktivität im Freien gleich zur Last wird. Wer durch das Kleingartengelände hinter dem Schloss schlendert, sieht hier und da Pächter, die am Rechen oder Hacken sind. Normales Business auf dem zweieinhalb Hektar großen Areal. Nur eins ist in diesem Sommer anders: Es fließt mehr Wasser auf die Beete.

„Im Schnitt verbrauchen Leute, die ihre Parzelle gut bewirtschaften so um die neun bis zehn Kubikmeter pro Jahr“, sagt Reinhold Kruschina, der Vorsitzende des Kleingartenvereins, „in diesem Jahr dürfte es etwa das Doppelte sein. Wir haben sogar einige, die üblicherweise bis zu 45 Kubik verbrauchen, die haben jetzt eben einen noch höheren Einsatz.“ Sonne und Hitze setzen den Pflanzen freilich unterschiedlich zu. Die Tomate beispielsweise ist recht genügsam. „Die braucht gar nicht so viel Flüssigkeit“, sagt Kruschina, „zweimal pro Woche ordentlich gießen, das reicht schon. Kriegt sie aber nicht das, was sie braucht, geht natürlich auch sie kaputt.“ Bei der Aubergine bietet sich ein anderer Rhythmus an, wie der Experte weiß: „Gießen und am nächsten Tag den Boden aufhacken.“

Auch Obstbäume können unter der Sonne leiden. Nicht verwechselt werden dürfen braune Blätter aber mit dem Feuerbrand. Dabei handelt es sich um eine gefährliche Krankheit, verursacht durch das Bakterium Erwinia amylovora. Der Erreger kann sich in einem Baum sehr rasch vermehren und ausbreiten. „Die Quitte reagiert am empfindlichsten“, sagt Kruschina, das Bakterium macht sich gerne an Blüten und Jungtrieben zu schaffen, die müssen konsequent weggeschnitten und sicher entsorgt werden.

Folgen der Hitze: Ernteausfälle befürchtet

Seit Juni hat es, abgesehen vom einen oder anderen Gewitter, nicht mehr ordentlich geregnet. Es muss weit öfter zu Schlauch und Gießkanne gegriffen werden als etwa im vergangenen Jahr. Dabei kommt den Kleingärtnern zugute, dass das Leitungssystem vor fünf Jahren komplett erneuert wurde. Unter dem zentralen Weg in der Anlage verläuft der Hauptstrang der Wasserleitung und verzweigt sich dann in die Parzellen. Zwei Gärten teilen sich einen Anschluss, jeder verfügt über eine eigene Wasseruhr.

Sattes Grün zeigt sich dem Besucher in der Kleingartenanlage, nur hier und da ist der Rasen verdorrt oder eine Frucht von der Sonne verbrannt. Das Problem: „Jetzt in der Urlaubszeit fahren natürlich viele weg manche sogar über mehrere Monate. Wer da niemanden kennt, der für ihn gießt, hat ein Problem“, sagt Kruschina.

Ist Schwitzen uncool? Das sollten Sie wissen

Abhilfe schaffen da Absprachen zwischen Gartennachbarn. „Auch aus diesem Grund hat sich das neue Wasserleitungssystem gelohnt“, meint der Kleingartenchef, der an das große Ganze im Geviert denkt. „Früher mussten wir teilweise lange suchen, bis wir den Wasseranschluss in Nachbargärten gefunden hatten, das ist jetzt nicht mehr nötig.“

Der Kleingartenverein hat das Gelände vom Land Hessen gepachtet und gibt Teilgrundstücke wiederum auf eigene Faust an die Vereinsmitglieder weiter. 13 Cent pro Quadratmeter und Jahr werden fällig. „Zu 80 Prozent sind es Babenhäuser, die Gärten bei uns haben. Meist leben sie in Mietwohnungen und haben keine Grünfläche vor der Haustür“, so Kruschina. Es wird gesät, geerntet, gegrillt und auch mal gefeiert – und wer saftiges, schmackhaftes Obst und Gemüse haben will, den wird auch der Blick auf die Wasseruhr nicht allzu sehr stören.

Quelle: op-online.de

Kommentare