Es geht ums Essen und um Kontakt

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Das Projekt „Gesegnete Mahlzeit“ der Kirchen trifft auf dankbare Gäste. 30 bis 40 Bedürftige kommen regelmäßig. Susan Theodoropoulos, Marianne Murmann, Tatjana Herbst und Friedl-Ulrike Kotzbauer (v.l.) vom Küchenteam.

Babenhausen - Auf dem Rollwagen stehen zwei riesige Schüsseln: In einer türmen sich fast 100 Frikadellen, in der anderen befindet sich ein Berg Kartoffelsalat mit Speck. Mit dem Gurkensalat reicht die Menge für drei bis vier Dutzend Personen. Von Michael Just 

„Für die Frikadellen haben wir acht Kilo Hackfleisch verarbeitet“, erzählt Friedl-Ulrike Kotzbauer, die die Portionierung nach den Wünschen der anstehenden Gäste vornimmt. Die Essensgemeinschaft im Saal des katholischen Gemeindehauses ist ungewöhnlich: Es sind Bedürftige aus Babenhausen, die am Rand der Gesellschaft stehen und meist nur über das Notwendigste zum Leben verfügen. Seit dem Herbst letzten Jahres gibt es sechs Mal im Jahr eine kostenlose Mittagstafel. Die Idee dazu wurde in der evangelischen Kirchengemeinde geboren. Mit Pfarrer Ferdinand Winter, beziehungsweise der katholischen Pfarrei, wurde schnell ein Mitstreiter gefunden, um die Sache auf größere Beine zu stellen. In der Regel kommen 30 bis 40 Personen. Während die evangelische Kirche die Zutaten fürs Essen bezahlt, stellt St. Josef die Räumlichkeiten inklusive der Küche, in der gekocht wird.

„Mit dieser Aktion erreichen wir vor allem jene, die nicht an der Tür des Pfarrhauses klingeln und um Unterstützung bitten“, erzählt Pfarrer Frank Fuchs. Mit seinem katholischen Kollegen ist er bei jedem Essen dabei. „Wir wollen Kontakt halten“, sagen sie. Nahezu jeder, der mit ihnen an der Mittagstafel Platz nimmt, ist Kunde beim LebensMittelPunkt. Dort liegen auch die Ankündigungen für die nächsten Termin aus. „Vielen geht es nicht nur ums Essen. Die Gemeinschaft, die sich hier erfahren lässt, ist nicht minder wichtig“, ergänzt Fuchs und verweist auf jene älteren Frauen, die eine kleine Rente haben und zudem einsam sind. Zum Küchenteam aus evangelischen und katholischen Helfern gehören Tatjana Herbst, Theresa Schikowski, Marianne Murmann, Susan Theodoropoulos und Friedl-Ulrike Kotzbauer. Letztere sucht die Gerichte aus. Darunter waren schon Gulasch, Schweinebraten oder Pichelsteiner Eintopf. Die Würste zum Eintopf bestellte Kotzbauer extra aus ihrer fränkischen Heimat. „Wir kalkulieren pro Gericht mit 1,80 bis 2,50 Euro“, sagt sie. Ganz wichtig: Alles wird frisch zubereitet, nichts Fertiges gekauft. Ein Nachtisch gehört ebenfalls dazu. Als Getränk wird Sprudel gereicht. In der Regel beginnt das Helferteam um 9 Uhr mit den Vorbereitungen.

Mit seiner Freundin lässt sich der 44-Jährige Ronald (Name von der Redaktion geändert) die Einladung nur selten entgehen. „Wir sind ohne Arbeit, dazu obdachlos“, sagt er. Derzeit warten sie auf eine Notunterkunft vom Sozialamt. Meistens schläft das Paar bei Ronalds Mutter. „Das Essen ist eine tolle Sache“, lobt Ronald, der als junger Mann seine Lehre als Metallbauer abbrach und danach öfters mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Mit dem Leben auf der Straße sind regelmäßige Mahlzeiten für ihn und seine frühverrentete Freundin schwierig. Oft reicht es nur für Kaffeestückchen, bei einem lokalen Metzger teilen sie sich regelmäßig Kartoffeln mit Soße für zwei Euro.

Nach dem Essen gibt es für alle Bedürftige noch einen Einkaufsgutschein im Wert von zehn Euro. Die Kirchen trafen mit zwei Discountern in der Stadt die Abmachung, dass Ware (ausgenommen Alkohol und Zigaretten) mit dem Vorzeigen des Gutscheins herausgeben wird und alles auf eine Gesamtrechnung wandert. „Zusammen haben wir 20 Euro. Damit gehen wir heute noch einkaufen“, kündigt Ronald an, während seine Freundin den eigenen und Ronalds Quarkpudding verspeist. Derzeit wird die Mittagstafel sechs Mal im Jahr angeboten. Zu Weihnachten erlebten die Organisatoren den bisher größten Zuspruch. Von April bis Oktober steht eine Sommerpause an. Ein Umstand, der unter den Empfängern Bedauern hervorruft. Die Frage an die beiden Pfarrer, ob das Angebot – und damit der unausgesprochene Begriff der Armenspeisung –in Zukunft ausgeweitet werden muss, macht sie nachdenklich. „Derzeit können wir 30 bis 40 Personen bewältigen“, sagt Pfarrer Fuchs und unterstreicht: „Das sind schon gesteuerte Zahlen. Würden wir das nicht tun, wären es sicherlich noch mehr.“

Quelle: op-online.de

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