Kunst wird aus Rathaus verbannt

Ist dieses Bild „potenziell frauenfeindlich“?

+
„Mysterium Weib“ heißt dieses Kunstwerk von Lothar Bergmann, das im Rathaus für Diskussionen sorgte.

Babenhausen - „Nur was ihm Spaß macht, malt Bergmann. Er will mit den Bildern den Betrachter berühren, erheitern und auch hin und wieder schockieren“, hieß es in der Pressemitteilung der Stadt Babenhausen zur geplanten Ausstellung des Künstlers Lothar Bergmann im Rathaus. Von Norman Körtge 

Vor allem letzteres scheint zutreffend zu sein. Denn noch bevor die Bilder offiziell in dem Verwaltungsgebäude zu sehen waren, hat es einen kleinen Eklat gegeben – mit der Folge, dass Bergmann seine Werke nicht im Rathaus zeigt.

Wie Bergmann auf Nachfrage berichtet, hatte er bereits einen ersten Schwung an Bildern aufgehängt, war wieder in sein Atelier gefahren, um weitere Werke zu holen, als er bei der Rückkehr auf diskutierende Rathaus-Mitarbeiter traf. „Ein Bild war bereits abgehängt und mit der Motivseite nach unten auf einen Tisch gelegt worden“, berichtet Bergmann verärgert. Der Vorwurf: Einige Bilder seien als „potenziell frauenfeindlich“ eingestuft worden, wie die Babenhäuser Atelierinhaberin Gudrun Gottstein in einer Mitteilung berichtet und damit die „Zensur der Stadtverwaltung“ öffentlich macht. Eine Farce, wie es Bergmann selber formuliert. Auf der städtischen Homepage sei unter seinen Künstlerinformationen auch das Werk „Mysterium Weib“ abgebildet. Außerdem sind die umstrittenen Bilder auch schon bei den Babenhäuser Kunst- und Kulturtagen ausgestellt gewesen.

Bürgermeister Joachim Knoke bestätigt auf Anfrage, dass in seiner Abwesenheit beim Aufhängen der Bilder eine Diskussion zwischen Mitarbeitern und dem Künstler derart eskaliert sei, dass selbst sein Stellvertreter und der Hauptamtsleiter die Wogen nicht mehr hätten glätten können. Knoke stellt klar, dass es ein Unding gewesen sei, ein Kunstwerk abzuhängen und mit der bemalten Seite auf einen Tisch zu legen. „So was macht man nicht“, entschuldigt sich der Rathaus-Chef. Allerdings bedauert er , dass man mit Bergmann über die Positionierung einzelner Bilder nicht mehr in aller Ruhe habe diskutieren können. Das Rathaus sei eben keine Kunstgalerie, in die Besucher freiwillig gehen, so Knoke. Deshalb müsse auf Menschen Rücksicht genommen werden, die sich durch provokante Kunst in einem öffentlichen Gebäude in ihren Gefühlen verletzt sehen könnten. Knoke selber schätzt die Kunst von Bergmann und den darin thematisierten Umgang mit gesellschaftlichen Themen – wie zum Beispiel Sexismus.

Bilder: Nackte Brüste gegen Sexismus

Wer sich selber ein Bild von Bergmanns Kunstwerken machen will, den lädt Gottstein vom 26. bis 28. November in ihr Atelier, Spessartstraße 8, ein. Eröffnet wird die Ausstellung „Unzensiert“ am Samstag, 26. November, um 15 Uhr. Am 27. ist das Atelier von 11 bis 18 Uhr geöffnet, am 28. von 14 bis 18 Uhr. Die Ausstellung sei ein guter Anlass, um über Kunstfreiheit zu diskutieren, so Gottstein.

Vor einigen Jahren hatte der sogenannte „Bilderstreit“ in Dreieich für überregionale Schlagzeilen gesorgt. Damals war auf einem Kunstwerk PKK-Führer Öcalan zu sehen gewesen, nach Beschwerden hatte der Bürgermeister das Bild abhängen lassen.

Femen-Protest bei Prozess gegen Strauss-Kahn

Quelle: op-online.de

Kommentare