Kunst-Workshop der Offenen Schule

Sprühfarbe auf weißen Wänden

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Sprung in die Luft zum Korb: Veronica Schmitt verkörpert mit ihrem Graffiti den Basketballsport.

Babenhausen - Graffiti an fremden Hauswänden ist Vandalismus, an der Sporthalle der Offenen Schule hingegen Kunst: Bei der Projektwoche greifen kreative Schüler selbst zur Sprühdose. Von Corinna Hiss

„Ich spiele kein Basketball, aber das Bild ist einfach total cool“, sagte Veronica Schmitt, nachdem sie sich den weißen Mundschutz vom Gesicht gezogen hatte. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn. In dem mit Kunststoffglas überdachten Gang zwischen den beiden Sporthallen an der Offenen Schule Babenhausen war es drückend heiß. Die Dämpfe, die aus den Sprühdosen kamen und durch die Überdachung nicht richtig abziehen konnten, taten ihr Übriges zu den sowieso schon hochsommerlichen Temperaturen in den letzten Tagen vor den Ferien.

Für die Projektwoche hatte sich die die Schule in Kooperation mit der Kinder- und Jugendförderung der Stadt Babenhausen etwas Besonderes überlegt: Insgesamt 15 Jugendliche, darunter auch ehemalige Schüler, waren am Kunst-Workshop beteiligt, in dem der Mittelgang der beiden Schulsporthallen verschönert werden sollte. Die alten Schmierereien waren mit weißer Farbe übermalt worden, entstehen sollten verschiedene Bilder zum Thema Sport, die schlussendlich zu einem Ensemble verbunden werden. „Eigentlich steht uns mit einer Höhe von rund 1,60 Metern nur wenig Malfläche zur Verfügung“, sagte Wolfgang Seidl. Der Kunst- und Deutschlehrer hatte sich als studierter Maler dem Projekt angenommen und stand den Jugendlichen hilfsbereit zur Seite. Aufgrund des niedrigen Gangs war die Idee von einzelnen Feldern entstanden, in denen sich die Schüler kreativ austoben konnten und die später über Linien miteinander verbunden werden sollen. Einzige Auflage: Das Gemalte trifft im weitesten Sinn das Thema Sport.

Für Veronica war der Umgang mit der Sprühdose kein neuer. Die Achtklässlerin, die schon früh ihre Liebe zum Malen entdeckt hatte, ist begeistert von der Graffitikunst. „Ich hab’ sogar mal einen Spraykurs mitgemacht“, erzählte sie. Die Idee ihres Bildes ist aus dem Internet entstanden: Dort konnten sich die Jugendlichen von Vorlagen inspirieren lassen. Veronica entschied sich schließlich für den springenden Basketballspieler, neben dem in fetten Buchstaben das Wort „air“ steht. „Der Basketballspieler springt in die Luft, um den Korb zu treffen“, mutmaßte sie über die Bedeutung. Bereits nach zwei Tagen Workshop konnte sich die Arbeit der Schüler sehen lassen. „Manche haben schon Spray-Erfahrungen, andere gar keine“, sagte Seidl. Interesse am Malen sei aber Voraussetzung fürs Projekt gewesen – schließlich soll das Ergebnis gut aussehen. Seidl selbst eignete sich das Sprayen schnell an. „Ob ich einen Pinsel oder eine Dose in der Hand halte, spielt für mich keine Rolle. Letztendlich ist es nur ein anderes Medium“, sagte er.

Fest der Joachim-Schumann-Schule

Neben Basketball und Fußball sind auch Randsportarten auf den Wänden zu finden. Eindrucksvoll schwingt ein Balletttänzer eine Pirouette und ein Foot- und ein Baseball blicken sich angriffslustig in die Augen. „Was jetzt zu sehen ist, ist einzig das Werk der Schüler. Ich habe nur hier und da Umrisse gezeichnet oder Tipps gegeben“, lobte der Kunstlehrer die Kreativität seiner Schützlinge. Damit deren Gesundheit durch die strengen Dämpfe nicht gefährdet wird, durften nicht alle 15 Teilnehmer gleichzeitig loslegen, sondern es wurde sich aufgeteilt. Das Tragen des Mundschutzes war ebenfalls Pflicht. Damit alles glatt läuft, war die Kinder- und Jugendförderung mit ins Boot geholt worden, die für Mittagessen sorgte und Sprühdosen aus dem eigenen Fundus stiftete – denn auch im Jugendzentrum waren die Wände bereits mit Graffiti verschönert worden. Tom Hottner war am Juz beteiligt und sprühte jetzt mit Begeisterung an der Schulsporthalle. „Hoffentlich sieht nach den Ferien noch alles so aus“, meinte der Zehntklässler, der wusste: Sprayer markieren gerne ihr Revier und scheuen sich nicht davor, die Kunstwerke anderer schamlos zu übermalen.

Quelle: op-online.de

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