Kunsttage nur noch alle zwei Jahre?

Sparzwang trifft auch die Kultur

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Bei einer Performance der TVB-Gruppe Akzeptanz wurden auch Zuschauer mit eingebunden.

Babenhausen - Kreative Vielfalt in Form von Präsentationen, aber auch von Mitmach-Aktionen unterhielt die zahlreichen Besucher der 6. Kunst- und Kulturtage in der Babenhäuser Stadthalle am Wochenende. Von Petra Grimm

Obwohl das Festival der lokalen Kulturtreibenden Erfolgsgeschichte schreibt – immerhin kamen seit der Premiere im Jahr 2010 pro Jahr durchschnittlich 1400 Besucher zu der städtischen Veranstaltung – wird auch hier der Rotstift angesetzt. Ob der unbestrittene Sparzwang der Stadt das Aus für die Kulturtage in ihrer bisherigen Form bedeutet, bleibt abzuwarten. Derzeit ist geplant, sie nur noch alle zwei Jahre durchzuführen. „Für die beteiligten Künstler war es ein Schock, als wir bei einem der vielen Planungstreffen im März dieses Jahres erfuhren, dass alles auf der Kippe steht“, sagte die Schauspielerin und Moderatorin Franziska Bareins bei der Eröffnung. Gemeinsam mit Sylvia Kloetzel, die bei der Stadt für die Wirtschafts- und Kulturförderung zuständig ist, managt sie von Anfang an diese zweitägige Großveranstaltung. Dieser Dämpfer sei für die beteiligten Künstler, die ja alle ehrenamtlich im Einsatz sind, frustrierend und demotivierend gewesen.

„Aber wie Wasser suchen sich Kunst und Kreativität ihren Weg und lassen sich nicht stoppen“, sagte Bareins, die als einzige ein Honorar für ihre Arbeit erhält. Sie wünsche sich eine Welt, in der die Finanzierung von Kultur keine „freiwillige Leistung“ sei und Künstler nicht um Gelder betteln müssten. Bürgermeister Joachim Knoke sagte, er hoffe, dass sich der Sparwille, der zu einer Beschränkung des Kulturetats geführt habe, auch an anderer Stelle zeigen werde. „Denn Kunst und Kultur lassen sich ja so leicht wegwischen.“ Er hoffe, dass durch die über die vergangenen Jahre entstandene Vernetzung der Künstler die Veranstaltung weiterlebt. Auch wenn sie nur noch alle zwei Jahre stattfindet. „Die Kunst- und Kulturtage sind ein Muss“, sagte der Bürgermeister und dankte den Künstlern „für dieses Geschenk“.

7000 Euro weniger sind jetzt im städtischen Haushalt für Kultur eingeplant, sagte Knoke auf Nachfrage. 15.000 Euro haben die Kunst- und Kulturtage, inklusive Vorbereitung, bisher immer gekostet. Und jedes Jahr gehen die Organisatoren Klinken putzen, um bei örtlichen Firmen Unterstützung einzutreiben. „In diesem Jahr haben wir 3500 Euro über Sponsoring eingenommen“, sagte Sylvia Kloetzel, der es immer wichtig war, dass keine Eintrittsgelder von den Bürger kassiert werden. „Denn die Veranstaltung soll für jeden zugänglich sein und nicht nur für eine bestimmte Schicht, die sich das leisten kann.“

Bilder: Kunst- und Kulturtage in der Stadthalle

Diesem für alle offenen Konzept entspricht auch die Auswahl der Kunst, die präsentiert wird. Denn sie ist weit gefasst und zielt auf Integration. Um die „Größe“ dieser Bühne zu illustrieren, sei ein Abriss des Programms erlaubt: So fand sich auch in diesem Jahr wieder klassische Musik neben rockigen Klängen und anspruchsvolle bildende Kunst neben zauberhaften Kunstwerken von Kindern. Unterschiedliche Tanzvorführungen wurden beklatscht: von klassischem Flamenco der Gruppe „Estrella“, über türkischen Volkstanz von Kindern bis zu einer modernen Performance der Akzeptanz, in die die Zuschauer eingebunden wurden. Der Tattookünstler FJ beteiligte sich, ebenso wie der Märchenerzähler und Gedichterezitator Uwe Friedrich und der Klangkünstler Harald Schneider. Das Territorialmuseum präsentierte neue Exponate und die Stadtbücherei zeigte den Zugang zur „Onleihe“.

„Die Leute haben immer Spaß daran mitzumachen“, sagte Kloetzel. Dazu gab es vielfältige Gelegenheit, beispielsweise beim Klangworkshop von Karin-Gabriele Hoffer, am Stand der Maler Ine Reichart und Dieter Hartmann, wo die Besucher selbst zu Pinsel und Farbe griffen, oder auch beim Klingenden Mobil der Stadt Hanau und dem Babenhäuser Blasorchester, das zum Ausprobieren von Instrumenten einlud. Das Sickenhöfer Laientheater band die Gäste in Sketche ein. Zum krönenden Abschluss am Sonntagabend öffnete die Stadtkirche ihre Pforten für das Langstädter Gitarrentalent Julia Lange, die solo und im Trio mit Freunden, musizierte, begleitet von Gedichtvorträgen durch Uwe Friedrich.

Kunst- und Kulturtage 2014 

Quelle: op-online.de

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