Deutscher Mühlentag

Langfeldsmühle: Beständig dreht sich das Rad

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Beim Mühlentag in der Langfeldsmühle gab es neben geselligem Beisammensein auch Geschichten aus alten Zeiten.

Hergershausen - Das Leben auf der Langfeldsmühle war nicht immer so unbeschwert wie heute: Beim Mühlentag gab Besitzer Thomas Winter einen Einblick in die Geschichte und das teils schwere Los der Müller. Von Petra Grimm 

„Wir feiern hier, aber 300 Jahre lang ist an diesem Ort richtig gebuckelt worden“, sagte Thomas Winter, der seinen Gästen beim Rundgang durch die 1692 gebaute Langfeldsmühle das schwere Leben und Arbeiten der Müller in früheren Jahrhunderten gekonnt und anekdotenreich vor Augen führte. Zum sechsten Mal beteiligte sich das malerische Gehöft am Ortsrand von Hergershausen, das kürzlich auch die Kulisse für einen ZDF-Krimi bot, am Deutschen Mühlentag. Pfingstmontag war das historische Anwesen, dessen Mühlenbetrieb erst in den 1970er Jahren eingestellt wurde, wieder Publikumsmagnet. Auch aus der weiteren Umgebung reisten Scharen von Besuchern an. Das Interesse an diesem speziellen Kapitel deutscher Kulturgeschichte ist offensichtlich groß.

Winter würzte seine Führungen mit interessanten Details. So erfuhren die Teilnehmer beispielsweise, dass der übliche Mahlstein in der Region ein Sandstein war, der zwei Nachteile hatte. „Zum einen war er relativ weich, so dass er oft nachbearbeitet werden musste, und außerdem gab es viel Abrieb. Das heißt, es war viel Sand im Mehl damals. Dadurch wurden die Zähne der Menschen schneller abgenutzt“, sagte Winter, dem die Mühle seit acht Jahren gehört und der nach zweijähriger Umbauzeit im Mai 2013 im ehemaligen Kuhstall einen Gasthof mit angrenzendem Biergarten eröffnet hat.

Direkt neben dem großen Eingangstor bestaunten und befühlten die Rundgangsteilnehmer den an der Wand befestigten letzten 2,2 Tonnen schweren Ölstein – die an die Mahlmühle angegliederte Ölmühle war bis 1960 in Betrieb. Neben rund 110 Tonnen Getreide im Jahr wurden in früheren Zeiten hier auch 50 Tonnen Öl produziert. Möglich war auch ein Blick in das Turbinenhäuschen, in dem die 1962 in Betrieb genommene Wasserturbine noch immer im Einsatz ist. „Ungefähr 3 000 Liter Wasser pro Sekunde durchlaufen die Turbinen“, erklärte der Mühlenbesitzer, der maximal 30 Kilowatt Strom pro Stunde produzieren kann und einen Teil ins Netz einspeist. „Das heißt aber nicht, dass ich zu bestimmten Zeiten nicht auch selbst Strom zukaufen muss“, erzählte er.

Neben Geschichte zum Zuhören und Anfassen unterhielten die Musik des TVH-Blasorchesters, ein Rosenverkauf und die Ausstellung einiger Traktor-Oldtimer. Die kleinen Gäste drehten auf den Rücken der Ponys einige Runden oder tobten in der Hüpfburg. Nicht zum ersten Mal hatte der Dieburger Cartoonist und „Schäfchenmaler“ Hans Peter Murmann seine Staffelei beim Mühlentag in Hergershausen aufgebaut. Ihm konnte man beim Zeichnen über die Schulter sehen. Eine häufig an ihn gestellte Frage – auch an diesem Tag – ist: „Warum malen sie ausgerechnet Schafe?“ Beantworten könne er sie nicht wirklich, wie er sagte: „Am Anfang habe ich nur Texte für den hr geschrieben.“ Dann sollten es irgendwann Cartoons sein und da habe er ein möglichst einfach zu malendes Tier als Sprechblasenträger gesucht. So kam er zu den Schafen und ist mit viel Erfolg dabei geblieben – obwohl er findet, dass er eigentlich gar nicht gut malen kann. Beim Mühlentag machte er zum dritten Mal aus alter Freundschaft zu Thomas Winter mit. „Wir kennen uns noch vom Sport. Aber das ist schon sehr lange her“, sagte er schmunzelnd. Geöffnet ist der Landgasthof Langfeldsmühle jeden Freitag und Samstag ab 15 Uhr, sonntags ab 11 Uhr.

Quelle: op-online.de

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