Hergershausen als Drehort für einen Spielfilm

Hippies in der Provinz

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Wildes Handgemenge zwischen Polizisten und Hippies vor der Langfeldsmühle – eine Szene für den Film mit dem Arbeitstitel „Ursula Mayer gegen den Rest der Welt“. Für insgesamt sieben Tag wird in Hergershausen gedreht.

Babenhausen - Filmteams und Schauspieler geben sich in Babenhausen fast die Klinke in der Hand. Erst vor Kurzem sind auf dem Kasernengelände Szenen für einen Tatort gedreht worden, 2014 war die Langfeldsmühle in Hergershausen Kulisse für eine Nele-Neuhaus-Verfilmung. Von Norman Körtge

Genau dort heißt es nun wieder: „Kamera läuft!“ Es ist ein wildes Handgemenge, das sich gestern Mittag auf dem Feld vor der Langfeldsmühle in Hergershausen abspielt. Eine Gruppe von Hippies geht auf zwei vermeintliche Polizisten los. Diese tragen zwar grüne Sakkos und Mützen der Staatsdiener, doch die Polizistin hat einen karierten Rock an und ihr Kollege eine Jeans. Sie sollen nämlich nur „Bullen“ mimen, damit ihre linksalternativen Freunde ihren geplanten gewaltfreien Protest möglichst echt üben können – willkommen in den frühen achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Denn in dieser Zeit spielen große Teile des Films mit dem Arbeitstitel „Ursula Mayer gegen den Rest der Welt“. Lange hätten sie nach einer „zeitgenössischen Kulisse“ gesucht, berichtet Produzentin Meike Kordes. Ein Location-Scout habe schließlich die Hofreite mit viel Fachwerk am Ortsausgang von Hergershausen vorgeschlagen. Sieben Tage lang wird dort ingesamt gedreht, zuvor war die bis zu 40 Köpfe zählende Crew – unter anderem Schauspieler, Komparsen, Kamerateam, Techniker – auch für ein paar Tage im benachbarten Harpertshausen zugange. Dort wurde in und vor einem Wohnhaus gedreht.

Und darum geht es in der Komödie, die nach Meinung von Kordes auf einem „tiefsinnigen und subtilen Humor“ basiert: Westdeutschland in den 1980er Jahren. Die 68er und ihre Ideale sind endlich auch in der Provinz angekommen und stecken viele mit ihrer Sehnsucht nach Aufbruch und Freiheit an. So auch die 17-jährige Ursula (Anna Florkowski), die mit ihren konservativen Eltern Inge (Christina Große) und Helmut Mayer (Thorsten Merten), ihrem Großvater (Hermann Beyer) sowie ihrem jüngeren Bruder Justus (Leander Menzel) in einem kleinen Ort lebt.

Ursulas einsames Teenie-Leben steht Kopf, als der linksalternative Lehrer Siegfried Grimm (Florian Stetter) auf der Bildfläche erscheint: Auf einem Bio-Bauernhof organisiert Grimm mit Freunden (Britta Hammelstein, Leon Ulrich) Selbstbefreiungskurse und gewaltfreie Proteste gegen Atomenergie und Aufrüstung. Endlich wird Ursulas Welt aus den Angeln gehoben, das politische Engagement begeistert sie und natürlich verliebt sie sich sofort in den charismatischen Grimm.

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Nur erlebt leider nicht nur Ursula ihren ganz eigenen „Summer of Love“ – als Grimm sämtliche Frauen im Ort verführt und seine Predigten sich als leere Worte entpuppen, beschließt Ursula, sich an ihm zu rächen. Wie diese Rache aussehen wird, mag Produzentin Meike Kordes allerdings noch nicht verraten. Nur soviel: Rachepläne sind schnell aufgestellt, deren Umsetzung ist aber eine andere.

Eine ganz besondere Produktion ist „Ursula Mayer gegen den Rest der Welt“ für Petra Lüschow. Sie hat nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern feiert auch ihr Debüt als Spielfilm-Regisseurin. Der Film sei zwar nicht autobiografisch, aber sie ist in einer ländlichen Region Niedersachsens aufgewachsen. Auf einem großen landwirtschaftlichen Betrieb. Beim Anblick der Langfeldsmühle kämen allerdings ein paar Erinnerungen in ihr hoch.

Bis Mitte Dezember sollen die insgesamt 30 Tage dauernden Dreharbeiten – unter anderem auch in Crumstadt, Griesheim, Darmstadt und Frankfurt – abgeschlossen sein. Wahrscheinlich wird der Film in der zweiten Jahreshälfte 2017 zunächst auf Festivals gezeigt werden, so Kordes.

„Ursula Mayer gegen den Rest der Welt“ – so der Arbeitstitel – ist eine „Kordes & Kordes“-Filmproduktion in Koproduktion mit dem WDR, SWR und Arte. Produzentinnen sind Alexandra Kordes und Meike Kordes, die Redaktion lag bei Andrea Hanke (WDR), Stefanie Groß (SWR) und Andreas Schreitmüller (Arte). Regisseurin Petra Lüschow („Der kleine Nazi“, „Tannöd“) hat ebenso das Drehbuch verfasst, die Kamera führt Jutta Pohlmann („Tatort – Taxi nach Leipzig“, „Was nützt die Liebe in Gedanken“). Gefördert wurde der Film von „HessenFilm und Medien“ sowie den Deutschen Filmförderfonds. Mit dabei außerdem die MBF Filmtechnik, The Post Republic und Herold Studios. 

Quelle: op-online.de

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