Gerhard Weber und Frank Stoiber aus Langstadt

Tour des Glücks, nicht der Qualen

+
Gerhard Weber (links) und Frank Stoiber radelten über die Pyrenäen ins Baskenland.

Langstadt - In der Komfort-Zone fühlen sich die Langstädter Gerhard Weber (58) und Frank Stoiber (48) nicht wohl: Für sie ist es das Paradies, wenn es auf dem Rad durch abwechslungsreiche Landschaften geht. Die jüngste Tour führte 13 Tage lang ins spanische Logrono in der Nähe von Pamplona. Von Michael Just 

Eigentlich klingen die Zahlen nach einer Tour der Leiden: 1 900 Kilometer, 23.000 Höhenmeter und 80 Stunden auf einem kleinen, harten Rennradsattel. Für das Gesamtfazit spielen diese Daten aber keine Rolle: „Die Erlebnisse werden wir nie vergessen“, sagen Weber und Stoiber unisono. Die Organisation lag in den Händen der Triathlonabteilung der SG Arheiligen. Die nahm die beiden Langstädter ins Team hinzu, denn Gastfahrer sind gerne willkommen die Reihen aufzulockern. Insgesamt machten sich 40 Fahrer, unterteilt in vier Leistungsgruppen, in die Darmstädter Partnerstadt auf.

Knackig wurde es immer in den Bergen und auf den Pässen, wie etwa den Vogesen, dem Zentralmassiv oder den Pyrenäen. Hier strampelte man nicht nur einmal auf den Spuren der Tour de France. Der Tourmalet (2 115 Meter) gilt als Inbegriff der Qualen und des Glücks – sofern man ihn bezwingt. „Stellenweise war es so steil, dass die Serpentinen im Zick-Zack-Kurs gefahren wurden. Das schuf warme Muskel, die vor allem in den Höhenlagen nötig waren: So lag auf den Pässen teilweise noch Schnee, von 2 bis 35 Grad reichten die Temperaturschwankungen. Bei zwei Tagen Niederschlag und einmal Schneeregen ließ sich über das Wetter aber nicht meckern.

Dass bei einer solchen Herausforderung keine Anfänger an den Start gehen, versteht sich von selbst. Gerhard Weber wurde vor ein paar Jahren bei den Senioren im Bahnsprint Hessenmeister. Mit seinem Sohn hat Frank Stoiber bereits erfolgreich die Alpen per Mountainbike überquert. Beide Sportler sind langjährige Mitglieder beim Radsportclub Reinheim. Trotz einer gewissen Grundphysis haben sich der Industriemechaniker und der Diplom-Ingenieur für Gebäudemanagement beim DA-DI-Werk für die Tour an den Rand des Baskenlandes gezielt vorbereitet: Unter anderem wurde auf die Arbeitsplätze in Darmstadt und Stockstadt geradelt. „Eine gute Vorbereitung bekommt man auf der Tour gedankt“, weiß Weber, der es mit Stoiber nicht scheut, auch mal zwei Stunden bergauf zu fahren.

Für den Gepäcktransport sorgte ein Begleitfahrzeug, das täglich auf der Strecke zwei große Pausen mit einem Verpflegungsstand organisierte. Zu den Hauptmahlzeiten konnte man sich hier mit Obst, Kuchen und Getränken stärken. Im Team waren nicht nur Männer: Acht Frauen zeigten sich ebenfalls bis in die Haarspitzen motiviert. Neben unzähligen Landschaftseindrücken und dem Erlebnis, jeden Tag eine andere Stadt anzufahren, verbuchen die Langstädter vor allem die Gemeinschaft als unvergessliches Erlebnis. „Wir erinnern uns an kein einziges böses Wort unter den Radlern“, sagen sie. Vorbildlich auch die Betreuung des Tour-Leiters: Er ging abends mit den letzten ins Bett und war morgens als erster wieder auf.

Am Ziel in Spanien durften die Teilnehmer des „Drei-Länder-Giro“ dann endlich die Füße hochlegen. Drei Tage währte der „Cool down“ in Logrono, zu dem auch eine offizielle Stadtführung gehörte. In einer Linienmaschine ging es zurück in die Heimat, die Sportgeräte traten den Rückweg auf einem Auto-Anhänger an.

Bußgeld-Katalog: Das kosten Radl-Sünden

Wieder zuhause schaute sicherlich ein Großteil der Radler regelmäßig auf Waden und Oberschenkel, ob diese an Umfang zugenommen haben. Nach 1 900 Kilometer dürfen alle Teilnehmer stolz auf sich sein, etwas nicht Alltägliches geleistet zu haben, darunter auch die beiden Langstädter. Wie Gerhard Weber und Frank Stoiber sagen, gab man viel für die Tour, aber nicht alles: „Ein Bierchen oder einen Rioja-Wein haben wir uns jeden Abend gegönnt.“

Quelle: op-online.de

Kommentare