Günther Eckert (CDU) engagiert sich für seinen Stadtteil

„Die Bürger haben Vertrauen in mich“

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Mit Enkel Paul entspannt Günther Eckert besonders gerne von der Politik.

Langstadt - Nächstes Jahr stehen Kommunalwahlen an. Die Zusammensetzung des Stadtparlaments ist unter anderem für die Stadtteile von Bedeutung. Für sie gilt es, darin ihre Interessen zu vertreten und ausreichend Gehör zu finden.

In einer Sommerserie unterhalten wir uns mit den einzelnen Ortsvorstehern, wie es um ihren Stadtteil bestellt ist. Dabei kommt auch Persönliches nicht zu kurz. Mit Günther Eckert, Ortsvorsteher in Langstadt, hat unser Mitarbeiter Michael Just gesprochen.

Was macht Ihnen als Ortsvorsteher am meisten Spaß?

Es ist der Kontakt zu den Leuten. Ich bin ein typischer Vereinsmensch und kenne Gott und die Welt – und die Leute kennen dementsprechend mich. Ich hatte ursprünglich nicht vor, Ortsvorsteher zu werden und stand auch nicht auf Platz eins der Liste. Dann hatte ich plötzlich die vielen Stimmen. Wenn dir die Leute in dieser Weise das Vertrauen aussprechen, dann machst du das Amt auch.

Seit der Abzug der Wella in Darmstadt ihren Frühruhestand einleitete, sind Sie politisch sehr engagiert...

Im Beruf war das zuvor nur schwer möglich, zumindest nicht in dieser Intensität. Dass sich verhältnismäßig wenige Menschen politisch engagieren, hat nicht immer etwas mit Desinteresse zu tun. Das kann ich rückblickend auf meinen ehemaligen Berufsalltag sagen. In der Regel ist es schwer, zu arbeiten und parallel richtig Politik zu betreiben. Das Einlesen und Recherchieren von Hintergründen für das nötige Fachwissen braucht enorm viel Zeit.

Was interessiert sie besonders?

Ich bin im Sozialausschuss tätig, als Ortsvorsteher wird man aber zu allen Ausschüssen eingeladen. Während ich zum Bauausschuss eher selten gehe, interessieren mich vor allem die Finanzen. Die Finanzen sind und bleiben das zentrale Thema.

Sie finden die Kombination Ortsbeirat und Stadtverordneter, so wie Sie es machen, als die bestmögliche Kombination?

Wenn man nur isoliert Ortsbeirat macht, ist das eine große Kraftanstrengung. Wir haben ja nur eine beratende Funktion. Das wird uns auch immer wieder gesagt. In gleicher Regelmäßigkeit kommt der Vorschlag, die Ortsbeiräte abzuschaffen. Natürlich ginge es auch ohne sie. Es ist aber eindeutig besser, dass es sie gibt. Wer soll denn sonst der Multiplikator von dem sein, was sich die Menschen in den Stadtteilen wünschen? Ohne die Ortsbeiräte würde weit weniger in der Kernstadt ankommen. Sie sind ein wichtiges Bindeglied in die Stadt und ins Parlament.

Was hat der Langstädter Ortsbeirat für Ziele?

Den Jugendraum, der von der Stadt geschlossen wurde, möchten wir wiederbeleben. Da bleiben wir dran und zu diesem Thema wird mir auch etwas einfallen. Das alte Rathaus ließe sich, wie es IKEK vorschlägt, als Mehrgenerationenhaus oder als Kulturzentrum beleben. Das klingt erstmal sehr hochgegriffen. Vor allem geht es um einen Treffpunkt, der im Besonderen die Senioren einschließt. Mit dem Einbau einer Teeküche wäre eine der wichtigsten Grundlagen geschaffen.

Auch in der Markwaldhalle soll Ihren Zielen nach mehr passieren.

Das stimmt. Durch ihre Zweiteilung lässt sie sich sportlich und kulturell nutzen. Der Ortsbeirat hat in den letzten Monate intensiv nach einer Theatergruppe gesucht. Am 24. Oktober wird SILT auftreten.

Was ist mit dem alten Bahnhof?

Der Trägerverein engagiert sich ebenfalls kulturell, was sehr positiv für Langstadt ist. Allerdings muss der Bahnhof erst saniert und ausgebaut werden. Das geht nur stückweise voran.

Langstadt wird sich vergrößern. Wo einst die Sargfabrik stand, sollen bald Wohnhäuser entstehen.

Das neue Baugebiet ist derzeit das größte und wichtigste Projekt in Langstadt. Wir warten nur noch auf den städtebaulichen Vertrag, dann kann es mit den 27 Bauplätzen losgehen. Auf einen neuen Baugrund hat der Ort mehrere Jahrzehnte gewartet.

Mit Folgen für die Altersstruktur...

Langstadt verfügt mit über den ältesten Altersdurchschnitt in Babenhausen. Das liegt daran, dass wir lange kein Baugebiet hatten. Wir merken das vor allem in der Markwaldschule. Die Schülerzahlen gingen extrem zurück. Derzeit gehört die Schule zu den sogenannten Zwergenschulen im Landkreis.

Im Kindergarten zeigt sich ein anderes Bild. Dort sind die Plätze knapp.

Die Einrichtung wurde kürzlich als Kita umgebaut. Ich hätte gerne gehabt, dass noch ein weiterer Raum drankommt, was aber nicht geschah. Wegen den Vorgaben für U 3 gibt es jetzt statt 50 nur noch 44 Plätze. 13 Kinder stehen auf der Warteliste. Im Ortsbeirat denken wir deshalb über Alternativkonzepte wie Bauernhof- oder Waldkindergarten nach. Wir wollen Eltern nicht zumuten, Kinder nach außerhalb zu fahren. Das Motto lautet: Kurze Beine, kurze Wege.

Zum Schluss noch ein Satz von Ihnen, der aufhorchen lässt: Sie sagten mal, im Grunde sind Sie ein eher unpolitischer Mensch.

Ich persönlich bräuchte in Langstadt keine Parteienlandschaft. Mir würde es reichen, wenn wir zur Kommunalwahl eine Liste hätten, auf der Bürger stehen, die was bewegen wollen. Damit könnte man sich den ganzen Parteien-Hick-Hack sparen. Im Prinzip tun wir das in Langstadt jetzt schon: Unser Ortsbeirat läuft reibungslos über sämtliche Parteigrenzen hinweg und die Sache macht allen Spaß.

In der Stadt zeigt sich ein anderes Bild.

Die Harmonie in den Ortsbeiräten überträgt sich leider nicht auf die Stadtverordnetensitzung. Das dürfte von früheren Dissonanzen verschiedener Abgeordneter kommen, die das in die Gegenwart tragen und damit unablässig eine Vergangenheitsbewältigung suchen. Wer sachorientiert arbeiten will, hat es unter diesen Umständen nicht leicht.

Quelle: op-online.de

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