LebensMittelPunkt wird fünf Jahre alt

Kundenzahl mehr als verdreifacht

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Vereinsvorsitzender Manfred Müller (r.) erläuterte den Gästen des Empfangs gestern das Arbeitsprinzip des LMP.

Babenhausen - Vor fünf Jahren wurden der Verein LebensMittelPunkt und der Laden gegründet: Eine hohe Zahl bedürftiger Babenhäuser Bürger, die den Weg zu den Tafeln in der Umgebung nicht auf sich nehmen konnte, ließ den Entschluss reifen, vor Ort Abhilfe zu schaffen – nicht jeder war zunächst davon begeistert. Von Stefan Scharkopf 

Fein säuberlich liegen Tomaten, Kartoffeln und Gurken in den dunkelgrünen Körben. Alles ist übersichtlich sortiert, um den schnellen Zugriff zu ermöglichen. Schließlich sollen 60 bis 70 Kunden in anderthalb Stunden versorgt werden – und das an drei Nachmittagen in der Woche. „Bei uns ist alles frisch“, wie Hans-Dieter Vogel sagt, „wir holen alles mit dem eigenen Kühltransporter ab, so bleibt die Kühlkette ungebrochen. Bei uns landet nur einwandfreie Ware in den Regalen, eine faule Tomate werden Sie nicht finden.“ Vogel ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins LebensMittelPunkt (LPM), der am 11. Februar 2011, gegründet wurde und gestern einen Empfang zum Fünfjährigen gab.

Gerade mal zwei Handvoll Initiatoren setzten damals ihre Vorstellungen davon um, in Babenhausen eine tafel-ähnliche Einrichtung ins Leben zu rufen. Am Anfang stießen sie auf Skepsis oder gar auf Ablehnung, wie Vereinsvorsitzender Manfred Müller vor vielen Gästen ausführte. In Eigeninitiative wurden die Räume des ehemaligen Fachgeschäfts „Farben Willand“ renoviert und umgestaltet. Am 18. Juni 2011 öffnete der Laden zum ersten Mal für die Kunden. Im Inneren war nicht nur eine Verkaufsstelle entstanden: Neben den technisch erforderlichen Flächen lud ein Café mit Kinderspielecke, kostenlosem Kaffee und Gebäck zum Verweilen ein. „Das ist es auch, was den LebensMittelPunkt prägt“, sagt Vogel, „es gibt hier schon so etwas wie einen Stammtisch, an dem sich unsere Kunden austauschen. An jedem Verkaufstag treffen sich Rentner, Mütter großer Familien und Alleinerziehende zu Gesprächen. Das hat etwas Familiäres.“

Einkaufen kann freilich nicht jeder. Die Kunden müssen ihre Bedürftigkeit durch einen amtlichen Bescheid (Hartz IV, niedrige Rente, Wohngeldbezug, etc.) nachweisen. Die derzeitige Einkommensgrenze beispielsweise bei alleinstehenden Rentnern liegt bei 990 Euro im Monat. Wer weniger hat, darf zum LMP kommen. Das trifft auch auf Asylbewerber zu, die in Babenhausen ihren Wohnsitz haben. Für die Flüchtlinge in der Kaserne gilt das aber nicht, da sie vom ASB versorgt werden und auch nicht in der Stadt gemeldet sind. „Das würde unsere Kapazitäten auch sprengen“, meint Vogel.

Wie nötig der LMP ist, belegen die nackten Zahlen. Derzeit gibt es mehr als 420 Kunden. Sie alle können zweimal pro Woche für jeweils zwei Euro mindestens einen Korb voller Lebensmittel mitnehmen. Die Anzahl der Körbe richtet sich nach der Familiengröße und den Waren, die gerade vorhanden sind. „Zählt man die Kunden der letzten drei Jahre zusammen, so kommt man auf die stolze Zahl von 19 473 Menschen, die hier mehr als 24 500 Körbe eingekauft haben“, wie Manfred Müller gestern vorrechnete.

Dieser Betrieb ist natürlich nur zu stemmen, wenn genügend Personal zur Verfügung steht. Neben dem siebenköpfigen Vorstand sind hier regelmäßig 40 ehrenamtliche Helfer im Einsatz. An jedem Tag fährt ein Team mit zwei Fahrern die Supermärkte und Bäckereien der Umgebung an, um jene Ware abzuholen, die in den Regalen dort Platz machen muss. Und an jedem der drei Verkaufstage sind im Durchschnitt zehn Helfer tätig. „So kommt locker ein Arbeitsaufwand von 60 Stunden und mehr pro Öffnungstag zusammen“, wie Müller erläutert.

Es sind aber nicht die Zahlen allein, die den LMP ausmachen: So gibt der Verein auch die Eintrittskarte für das gemeinsame Mittagessen für Bedürftige aus, das von der evangelischen und katholischen Kirche regelmäßig ausgerichtet wird. Diese Zusammenarbeit hat im vergangenen Jahr zu einem ökumenischen Kirchenfest am Pfingstmontag geführt, das 2016 wiederholt werden soll. Zum gestrigen Jubiläum waren Vertreter aus Politik, Kirchen, Verwaltung und Firmen gekommen. Der LMP erhält immer wieder Spenden für seine Arbeit, sei es von der Stadt oder Unternehmen; so beispielsweise von der Sparkasse Dieburg oder vom Bauzentrum Andre + Oestreicher.

Quelle: op-online.de

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