Lern- und Leseecke für die Flüchtlingsunterkunft

Willkommene Bücherkisten

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„Plätzchen backen“, sagt Natascha Neff und die beiden Mädchen, mit denen sie das Zeige-Wörterbuch anschaut, sprechen ihr nach. Die Gruppe sitzt in der neuen Lern- und Leseecke, die in der Babenhäuser Flüchtlingsunterkunft den Spracherwerb fördern und Langeweile vertreiben soll.

Babenhausen - Jede Menge Bücher gab es am Mittwoch für die neue Lern- und Leseecke, die das Beschäftigungsprogramm des Arbeiter-Samariter-Bunds in der Flüchtlingsunterkunft in Babenhausen fortan ergänzt. Möglich macht’s die Initiative „Bücher sagen Willkommen“. Von Katrin Muhl

218 Bewohner hat derzeit die Kaserne in Babenhausen, die zur Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge umfunktioniert ist. Längst nicht alle waren am Mittwoch dabei, als in direkter Nachbarschaft zu den Unterrichtsräumen für die Deutschkurse eine Lern- und Leseecke eingerichtet wurde. Trotzdem war es in dem kleinen Raum proppenvoll. Kisten wurden hereingetragen und aufgerissen. Darin: Literatur in verschiedenen Landessprachen sowie Lernbücher zum Erwerb der deutschen Sprache. Möglich gemacht hat dies die Initiative „Bücher sagen Willkommen“ des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der gemeinnützigen Gesellschaft „LitCam“ und der Frankfurter Buchmesse, deren Unterstützer in Buchhandlungen Geld gesammelt haben, um deutschlandweit Lern- und Leseecken für Flüchtlinge einzurichten.

„Ich finde das ganz toll“, sagte Katja Flaschenträger, Koordinatorin für die ehrenamtlichen Dienste, während sie ein Regal mit Wörterbüchern bestückte. Mehr als 100 Bücher waren zu verstauen, die die Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG) gespendet hat. „Dafür engagieren wir uns gerne“, sagte Christina Herborg, Pressesprecherin der WBG. Denn an Gesellschaft und Bildung könne nur teilnehmen, wer die Sprache beherrscht, so ihre Ansicht. Überdies sei es dem Verein wichtig gewesen, dass eine Einrichtung aus der Region davon profitiert, wie sie hervorhob.

Ehrenamtskoordinatorin Katja Flaschenträger sortiert die neuen Sprach-Lern-Bücher ein.

Da kam die Anfrage aus Babenhausen gerade recht. Sozialbetreuer aus der Einrichtung hatten sich bei Karin Plötz, Antonia Stock und Xenia Petrakopulos von der Organisation „LitCam“ gemeldet, und den Wunsch nach einer Lern- und Leseecke für die Flüchtlinge in Babenhausen geäußert, wie Einrichtungsleiter Tobias Soppart erläuterte, nachdem er den Spendern ein „ganz großes Dankeschön“ ausgesprochen hatte. Sein Anspruch war es, „Bücher mit Sinn“ anzubieten. Will heißen, Bücher zum Deutschlernen, Weiterbilden oder Schmökern, wie er weiter ausführte. Besonders angetan war er von den Zeige-Wörterbüchern, mit denen sich Kinder spielerisch die deutsche Sprache aneignen können. „Bei den Kleinen geht das ganz schnell. Sie sehen ja, was die schon alles verstehen“, sagte er, den Blick auf Sozialbetreuerin Natascha Neff gerichtet: „Maus“, sagte die. „Maus“, wiederholten zwei Mädchen im Chor. Die kleine Lerngruppe hatte die Köpfe über ein Zeige-Wörterbuch gebeugt, in dem der Nager abgebildet ist. „Wie macht die Maus?“, wollte Natascha Neff wissen. „Piep, Piep, Piep“, war die kichernd vorgetragene Antwort.

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Zum Spracherwerb stehen neben Büchern zwei PCs mit Lernprogrammen bereit, die die VTB Direktbank gestiftet hat. Zudem besteht Gelegenheit, Bücher auszuleihen. Tobias Soppart: „Wie in einer richtigen Bibliothek eben.“

Quelle: op-online.de

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