Babenhäuser vor Gericht

Haarscharf am Dauerarrest vorbei

Babenhausen - Eine feucht-fröhliche Partynacht in einem angesagten Frankfurter Club endete für einen Babenhäuser vor dem Amtsgericht Dieburg. Dem 21-Jährigen wurde Diebstahl einer Geldbörse sowie unerlaubte Nutzung einer Kreditkarte vorgeworfen. Von Corinna Hiss

Wie genau besagter Abend vor dem Ostersonntag vergangenen Jahres abgelaufen war, konnte der Angeklagte nicht mehr genau rekonstruieren. Es sei viel Alkohol geflossen, von mehreren Flaschen Champagner war die Rede. Seinen Geldbeutel habe der Babenhäuser bei einem Bekannten gelassen, mit dem er nach Frankfurt gekommen war, und nur Bargeld in den Club mitgenommen. Laut Aussage seines Anwalts sei ihm jedoch im Laufe des Abends „auf irgendeine Art und Weise“ die Kreditkarte des Bekannten untergekommen. „Ich habe sie nicht geklaut, sie war einfach da“, beteuerte er. Nachdem beide spät in der Nacht die Diskothek verlassen hatten und noch einen Happen essen wollten, kam es zum Streit. Der geladene Zeuge berichtete, dass er wutentbrannt weggefahren war, erst daheim gemerkt hatte, das seine Geldbörse mitsamt American-Express-Kreditkarte und zirka 500 Euro Bargeld verschwunden war. Sein Rückschluss: Als der Babenhäuser einen Moment im Auto allein saß, muss er sein Portemonnaie aus der Mittelablage entwendet haben.

Tatkräftige Beweise dafür gab es allerdings nicht – das gab auch der Staatsanwalt am Ende der Verhandlung zu bedenken. Immerhin hatten während des Abends mehrere Personen in dem Auto Platz genommen. Nachdem der Babenhäuser allerdings im Frankfurter Nachtleben zurückgelassen worden war, bestellte er sich ein Taxi, das ihn zuerst zurück in den Club und später nach Hause fahren sollte. „Ich wollte schauen, ob noch jemand auf der Party war, der Fahrer sollte draußen warten“, sagte er. Das bestätigte der als Zeuge geladene Taxifahrer, der den Zustand des Angeklagten als „sehr betrunken, aber keine Alkoholleiche“ beschrieb.

Aus Angst, der Babenhäuser könne, ohne bezahlt zu haben, im Club verschwinden, forderte er eine Sicherheit. Der Angeklagte gab ihm die Kreditkarte seines Bekannten, hatte jedoch laut eigenen Angaben noch genug Bargeld dabei, um die Fahrt zu bezahlen. „Ich wollte wissen, ob die Karte gültig ist und habe den Betrag von zehn Euro abgebucht“, beschrieb der Taxifahrer. In vielen Teilen stimmten die Aussagen von Angeklagtem und Kläger überein, eine Frage blieb aber dennoch im Raum: Wie kam der Babenhäuser an die Kreditkarte? Seiner Aussage nach sei sie ihm bereits im Club zugekommen, sein Bekannter, der Kläger, berichtete aber, dass er Geldbeutel mitsamt Karte gar nicht zum Feiern mitgenommen, sondern im Auto gelassen hatte. Fakt war letztendlich nur, dass der 21-Jährige die American-Express unerlaubt benutzt hatte.

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Diebstahl und Kreditkartenmissbrauch sind nicht die ersten Vergehen, die dem Babenhäuser vorgeworfen wurden. Bereits zum dritten Mal stand der junge Mann vor Gericht, musste sich in vorherigen Sitzungen unter anderem wegen schwerer Körperverletzung behaupten. Neben dem Rätsel um die Frankfurter Partynacht wurde ihm im Amtsgericht noch Bestechung zur Last gelegt. Der damals 18-Jährige hatte einem Angestellten des Landkreises Offenbach 2500 Euro geboten, damit er seinen Führerschein bekommt. In dieser Sache zeigte sich der Angeklagte geständig und reumütig. Aufgrund der vorherigen Vergehen, „die nicht als Bagatellen abgetan werden können“, plädierte die Jugendgerichtshilfe neben einer Geldstrafe für einen dauerhaften Arrest. Auch wenn der Diebstahl des Portemonnaies nicht direkt nachgewiesen werden könne, sei der Besitz der Kreditkarte dennoch Indiz genug. Des Missbrauchs wurde der Babenhäuser jedoch freigesprochen, da der Taxifahrer selbst zugab, die Karte eigenmächtig genutzt zu haben.

Aufgrund seines Alters stimmte der Richter zu, nach Jugendstrafrecht zu verfahren. Er verordnete eine Geldbuße von 1 500 Euro, die der Angeklagte an den Eine-Welt-Verein Dieburg zu zahlen habe sowie zwei Freizeitarreste. Sein Appell: „Ihr Lebensstil muss sich ändern, das nächste Mal gibt’s kein Erbarmen mehr.“

Quelle: op-online.de

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