Prozess gegen Mann aus Schaafheim

Vater gibt Missbrauch der Tochter zu

Darmstadt/Schaafheim - Einem 39-jährigen Vater aus Schaafheim wird vorgeworfen, sich von 2012 bis 2015 an der eigenen Tochter vergangen zu haben. Es muss sich seit gestern vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Fälle sexuellen Missbrauchs kommen selten zur Anzeige, und wenn ja, dann musste schon so mancher Täter wegen schwieriger Beweislage und eigener Verschwiegenheit frei gesprochen werden. In der aktuellen Verhandlung vor der zehnten Strafkammer kann dieser Umstand mal ausgeklammert werden: Der Angeklagte S. ist voll umfänglich geständig. Allerdings ist hinzuzufügen, das er sich ohnehin mehr oder weniger selbst dem Risiko einer Entdeckung ausgesetzt hatte: Der Bahnangestellte lichtete das Grundschulkind in verschiedensten aufreizenden und pornografischen Posen ab und versendete die Fotos und Videosequenzen an Tauschpartner im Internet. Über einen dieser Nutzer aus Ansbach konnte die Kripo den Schaafheimer ermitteln. Seit dem 14. Juli 2015 sitzt er in Weiterstädter Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft zählt 13 Fälle auf, die sich aus Rückverfolgung der teilweise gelöschten Dateien und des Geständnisses rekonstruieren ließen. Der 14. Fall beschreibt das Ergebnis der Hausdurchsuchung am 13. Juli: Hier wurden ein Laptop, vier USB-Sticks und eine externe Festplatte mit hunderten kinderpornografischen Bilddateien sichergestellt. Darüber hinaus stießen die Ermittler auf fünf Vibratoren, Penisringe und Reizwäsche.

Die tatsächliche Zahl der Missbrauchsfälle dürfte aber weitaus höher liegen, denn die Übergriffe begannen bereits 2010 nach der Trennung der Eheleute und setzten sich regelmäßig bis einen Tag vor der Verhaftung fort – da war die Tochter inzwischen zehn Jahre alt. Der Vater zog nach der Trennung in sein Elternhaus zurück, bewohnte dort ein Zimmer im ersten Stock, in dem die Tochter bei ihren regelmäßigen Papa-Wochenenden mit ihm übernachtete. „Es war von Anfang an ein Fehler, dass sie bei mir schlafen wollte“, so der Angeklagte. „Da hat es harmlos angefangen mit Kuscheln und Küsschen.“ Er sei nach dem Weggang der Ehefrau seelisch am Boden gewesen, habe immer wieder Weinkrämpfe gehabt. Nach und nach sei die Hemmschwelle dem Kind gegenüber immer weiter gesunken, bis er sich nicht mehr im Griff gehabt habe. „Wir haben im Bett ‘Flieger’ gespielt, da musste ich sie halt da und dort anfassen. In der Fernsehwerbung hat sie dann Dessous gesehen und gesagt, das würde ihr auch gefallen.“

Der Vorsitzende Richter Jens Aßling lässt sich davon nicht beeindrucken: „Das entspricht wohl mehr Ihren Fantasien. Sie haben sie wie eine Große behandelt! Haben Sie je darüber nachgedacht, was das mit ihrer Tochter machen würde?“ Nein, das habe er nicht, gesteht S.. Erst in der Haft habe er sich damit auseinandergesetzt. Die Liste in der Anklageschrift umfasst zwar nicht den Geschlechtsverkehr als solchen, dafür aber fast alles, was zwischen erwachsenen Sexualpartnern nicht unüblich ist – von Oralsex bis zu Liebesspielzeuggebrauch.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Und immer wieder das Posieren der Tochter mit dem Vibrator. Mal mit silberfarbenen High Heels und Leopardenmuster-Body, mal mit rosafarbenen halterlosen Strümpfen oder pinkfarbenem Netzhemd. Eine Sache brennt dem Richter besonders auf den Nägeln: „Wie konnten Sie denn die Fotos der eigenen Tochter im Internet austauschen?“ Darauf der 39-Jährige: „Ich weiß auch nicht, es ist irgendwann zum Selbstläufer geworden. Ich habe nicht über die Konsequenzen nachgedacht.“ Und ob er denn keine Angst vor Entdeckung durch die eigenen Eltern gehabt habe. „Nein, die waren dann nicht da, beziehungsweise meine Tür war ja zu und ohne anzuklopfen kam niemand rein“, erklärt der Angeklagte.

Sein schlechtes Gewissen hat er scheinbar damit beruhigt, dass er der Tochter ein Angebot machte: „Alles, was weh tut, oder dir nicht gefällt, sagst du, dann machen wir das nicht.“ So habe sie sich beispielsweise beim Analdildo gewehrt. Mit seiner Aussage hat der Angeklagte der Tochter die stressauslösende und womöglich retraumatisierende Befragung vor Gericht erspart. Und die Mutter des Mädchens fand den Mut, ihr Aussageverweigerungsrecht nicht in Anspruch zu nehmen. Die 34-Jährige im Zeugenstand: „Ich habe nie Verdacht geschöpft, dass er auf Kinder steht. Sie ist ja auch immer gerne zu ihm hingegangen. Jetzt hat sie mir alles erzählt. Dass sie sich nicht früher anvertraut hat, erklärt sie damit, dass sie Angst hatte, Papa würde dann böse auf sie und sie hätte nicht mehr hingedurft.“

Wie es ihr denn jetzt gehe, will der Richter wissen. Die Mutter: „Meine Tochter geht es, auf deutsch gesagt, beschissen. Sie weint viel, ist in sich gekehrt. Seit November ist sie in Therapie, seitdem schläft sie wenigstens besser. Mit ihrem Vater will sie nichts mehr zu tun haben. Sie sagt, sie habe keinen Papa mehr.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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