Landwirte haben zu kämpfen

Milchpreise auf dem Niedrigstand: Arbeit unter 30 Cent

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Die Ernährung muss stimmen: Thomas Funk ist darauf bedacht, dass seine Kühe gutes Futter bekommen – das steigert auch die Qualität der produzierten Milch.

Langstadt - Es ist noch nicht lange her, da versammelten sich viele Bauern in Ober-Ramstadt, um auf ihre Existenznöte aufmerksam zu machen. Auch im Betrieb von Thomas und Ursula Funk sind die unfreiwilligen Sparmaßnahmen deutlich zu spüren. Von Corinna Hiss 

Janina, Dorilla, Kanada und Sulli gehören zu den insgesamt 50 „glücklichen“ Kühen, die auf dem Hof von Thomas und Ursula Funk Milch produzieren. Dabei achtet das Ehepaar genau darauf, dass es den Tieren an nichts fehlt: Das Futter – ein Gemisch aus Heu, Mais und Gras – kommt aus dem eigenen Anbau, zudem haben die Kühe neben den Liegemöglichkeiten im Stall zirka einen Hektar Fläche im Freien, auf der sie den nötigen Auslauf bekommen. Das ganze Jahr über können sie sowohl drinnen als auch draußen entspannen, nur zwei Mal am Tag gilt es, eine Pflichtübung zu erfüllen: Dann werden sie gemolken.

„Wir haben für unsere Rinder die Lebensbedingungen kontinuierlich verbessert, aber es wird uns nicht gedankt“, erzählt Ursula Funk. Im Gegenteil: Seit Monaten ist der Milchpreis, den die Funks monatlich ausgezahlt bekommen, stetig gesunken. Momentan bekommen sie rund 27 Cent für den Liter, „und das ist schlichtweg zu wenig“, sagt Ehemann Thomas. Dabei ist die Hochrechnung der Landwirte relativ einfach: Neben der einmaligen Investition in die Kühe, den Stallbau und die Anschaffung der Melkmaschine sind laufende Kosten wie Futter, Strom und Entlohnung zu bezahlen. „Damit alle Kosten gedeckt sind, müsste der Milchpreis bei über 40 Cent liegen – und dann haben wir immer noch nichts dran verdient“, weiß der Langstädter, der neben den Tieren auch Getreide und Mais anbaut und sich mit seinem Spargel in der Region einen Namen gemacht hat.

Die Funks lassen ihre Milch alle zwei Tage von einer Privatmolkerei abholen. Daraus wird dann neben der flüssigen Variante Joghurt, Butter oder Käse hergestellt. In der Zwischenzeit wird sie in einem 2 500 Liter großen Tank gelagert. Dort muss sie ständig auf zirka vier Grad gekühlt und in regelmäßigen Abständen umgerührt werden, damit sich das Fett nicht absetzt. Kommt die Milch frisch aus der Kuh, hat sie allerdings Körpertemperatur. „Je schneller von 30 auf vier grad runter gegangen wird, desto weniger Keime entwickeln sich und desto besser ist auch die Qualität“, erläutert Ursula Funk das Verfahren. Aber auch all das kostet Strom und somit Geld.

Warum der Milchpreis derzeit so niedrig ist, hängt laut den Landwirten von mehreren Faktoren ab. Einer davon: die Überproduktion. „Es gibt gerade zu viel Milch, dann können die Discounter natürlich die Preise drücken“, sagt Thomas Funk. Aber auch der Export-Wegfall von Russland spiele eine Rolle.

Neben dem schlechten Ertrag aus der Milchproduktion hat den Langstädtern zusätzlich der heiße Sommer zu schaffen gemacht. „So einen schlechten Mais wie dieses Jahr habe ich in 40 Jahren nicht gehäckselt“, sagt er. So hatte er rund 40 Prozent mehr der Futterpflanze gebraucht, um das eigene Silo voll zu bekommen – eine Menge, die ihm im Verkauf an eine Biogas-Anlage unterm Strich fehlt. Und obwohl die Ernte knapp war, müssen die Tiere dennoch mit derselben Menge ernährt werden: Rund 40 Kilo Grundfutter frisst eine Kuh pro Tag, dazu kommt noch spezielles Kraftfutter. Außerdem säuft sie fast 60 Liter täglich.

Sohn Stephan, der am Ende seines Agrarwissenschaftsstudiums steht und den Betrieb eines Tages übernehmen möchte, weiß, dass gerade die Nahrung der Kühe das ist, was in der Milchproduktion mit am teuersten ist. „Hohe Kosten fürs Futter und dann noch schlechte Milchpreise – da überlegt man sich schon, ob man das weiter führt“, sagt der 23-Jährige. Doch eine Alternative gibt es kaum: Wer seine Tiere abgibt und komplett auf Getreide umstellt, braucht auch die nötige Fläche zum Anbau. Und der ist in der Region rar. Abgesehen davon ist die Investition der Kühe auf lange Sicht angelegt, schließlich brauchen sie mehr als zwei Jahre, bis sie das erste Mal kalben und dann auch Milch abgeben können.

Für Ursula Funk steht fest, dass es so in Zukunft nicht weitergehen kann. „Wenn Butter, Milch und Käse nur ein paar Cent mehr kostet, belastet das dem Verbraucher kaum, kommt aber den Landwirten ungemein zugute.“

Quelle: op-online.de

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