Licht kommt im Bahnhof Langstadt besondere Bedeutung zu

Moderne Kunst in alten Mauern

Langstadt - Unter dem Motto „Licht an“ veranstaltete das Netzwerk Bahnhof Langstadt einen interessanten Abend im alten Langstädter Bahnhof.

Einfühlsames am Lagerfeuer Perschya Chehrazi, der sich selbst Geräuschemacher nennt, beim Gitarrenspiel vor aufmerksam lauschenden Zuhörern neben dem Langstädter Bahnhof.

Im Erdgeschoss des Langstädter Bahnhofs erwartete die Besucher gleich hinter der Eingangstür eine Nachbildung des Bahnhofs Klein-Umstadt im Modelleisenbahnmaßstab 1:87. Alexander Ruzicka vom Vorstand des Vereins hatte dieses rund sechs Meter lange Modul in Eigenarbeit gebaut und zeigte darauf auch die neuesten elektronischen Spielereien des Modellbaus, wie zum Beispiel eine teppichklopfende Frau. Bei diesem maximal zwei Zentimeter großem Modell bewegt sich der Frauenarm mit einem Teppichklopfer und säubert so den Hausrat der Miniaturwohnung. Kinder hatten hier ihre Freude, konnten sie doch auch den Regler für die Züge bedienen oder Miniatur-Lastwagen elektronisch über die Anlage lenken. Im anschließenden Raum wurden die Gäste von der sogenannten 6-Wand-Installation des Künstlers Denim Szram empfangen. 6-Wand-Installation bedeutet schlicht, so Szram, der auch in Krakau studierte, dass es sich um Würfel handelt, die nun mal aus sechs Seiten bestehen und aus der polnischen Sprache ins Deutsche wörtlich so übersetzt werden. Neugierige Blicke zogen die drei Würfel auf sich, die durch wechselnde Lichteffekte in verschiedenen Farben leuchteten und mit geometrischen Mustern diagonal oder in Wellenform eine surreale, aber optisch doch sehr reizvolle Installation darstellten. Wie der aus Miltenberg stammende Denim Szram weiter erzählte, hat er diese Kunstform bereits in mehreren Galerien und Museen ausgestellt und ist dabei überall auf begeisterte Zuschauer gestoßen. Untermalt wird die Lichtshow noch mit elektronischer Musik, die sich dem Rhythmus der Farben anpasst.

Die Devise „Licht an“ erfuhr ihre Fortsetzung außerhalb des Bahnhofsgebäudes. Da stand ein Baukran, dessen filigranes Metallgerippe in lila- und pinkfarbenes Licht getaucht war. Daneben brannte ein Lagerfeuer, an dem Kinder sich ihr Stockbrot rösten konnten und die Erwachsenen unterhielten sich in der angenehmen Atmosphäre oder lauschten dem Gesang von Perschya Chehrazi. Dieser junge Künstler aus Darmstadt mit iranischen Wurzeln studiert am Campus Dieburg digitale Medien. Seit seiner Kindheit macht er Musik und schreibt Songs, mit denen er versucht seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

Super-Mondfinsternis zum Staunen

Wie er erwähnte, ist seine Motivation die Umsetzung von Sprache in Bewegung, er will den Menschen Hoffnung geben, gerade jetzt, wo die dunkle Jahreszeit beginnt, sind Licht und Musik wichtig für unser Wohlbefinden führt er weiter aus. Auch seine Stimme kann dies beim Singen ausdrücken, leise und ruhig beginnend, steigert er sich bei der Textzeile „Wie zwei Tropfen auf dem kalten Stein, dein und mein – dabei sind wir längst erfroren“ auf eine wütend-traurige Stimmung.

Diese einfühlsamen Lieder, das Lagerfeuer und die Lichtspiele neben dem 1907 erbauten Bahnhof Langstadt zaubern eine einzigartige Stimmung, und die Besucher würden gerne die ganze Nacht verweilen. Schließlich hatte der Veranstalter auch an die leiblichen Bedürfnisse der Gäste gedacht und so wurden im Bahnhof Getränke angeboten und am Vorplatz konnten beim Imbisswagen frische Bratwürste geordert werden. Auf die Frage, wie es denn mit Bahnhofsgebäude weitergeht, erklärte Klaus Schüller vom Vorstand des Netzwerks, dass ein Bauantrag zur Renovierung des Erdgeschosses gestellt wurde und man hofft, dass dies beim Landkreis auch positiv bewertet wird, wobei bei der Sanierung des Gebäudes auch Aspekte des Denkmalschutzes berücksichtigt werden müssen. Für das kommende Jahr will man die Idee, Kunst und Kultur im Bahnhof anzubieten, wieder mit interessanten Programmen weiterführen. (wku)

Quelle: op-online.de

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