Mitternachtsturnier: Fußball, Respekt und das Miteinander

Mondscheinkick mit Anspruch

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Integration durch Sport – Beim Mitternachtsturnier am Samstag in der Schulsporthalle stand für Ahmet Ögretmen und Negj Saitaj (mit dem Ball) nicht nur der Fußball im Vordergrund.

Babenhausen - Neben dem Fußball ist vor allem die außergewöhnliche Uhrzeit für die Anziehungskraft des Mitternachtsturniers verantwortlich. Und einen sozialen Anspruch hat der sportliche Vergleich auch. Von Michael Just

Um Mitternacht brennt in der Schulsporthalle der Offenen Schule selten Licht. Wenn dies doch der Fall ist, steht mit großer Wahrscheinlichkeit das Mitternachtsturnier der Kinder- und Jugendförderung (KiJuFö) an. Am Samstagabend ab 18 Uhr war es wieder soweit: Sieben Teams, darunter zwei Mannschaften aus dem Erloch, traten an, die besten Ballkünstler zu ermitteln. Die Organisation lag in den Händen von Ahmet Ögretmen. Er gehört seit mehreren Jahren zum Mitarbeiterpool der KiJuFö und ist ein wichtiges Bindeglied ins Erloch. Dass auch Teams aus Groß-Zimmern, Münster, Dieburg oder Groß-Umstadt teilnahmen, belegte, dass das Netzwerk des 48-Jährigen weit über die Grenzen von Babenhausen geknüpft ist.

Selbst aus Offenbach sagte sich ein Team an, was wegen „Personalmangel“ dann aber wieder zurückzog. „Mittlerweile hat sich das Turnier zum Erfolgskonzept entwickelt“, berichtet Ögretmen. Spielten bei der letzten Veranstaltung Kinder und Erwachsene in einem Team, kam man jetzt davon ab. „Wir haben die Halle viermal im Jahr. Da lassen sich ohne Probleme zwei verschiedene Turniere draus machen: Einmal für die Neun- bis 14-Jährigen und dann für alle über 15“, so Ögretmen. Für sämtliche Teilnehmer unter 18 Jahren braucht es für den ,,Mondscheinkick“ stets die Einverständniserklärung der Eltern.

Seit dem letzten Jahr hat Ögretmen für seine Integrationsarbeit Verstärkung bekommen: Negj Saitaj ist Teilhaber der Shisa-Bar „Babos“ im Bahnhof und genießt durch seine engen Kontakte zum erfolgreichen Babenhäuser Rapper Haftbefehl eine Vorbildfunktion. Die will der 33-Jährige nun verstärkt nutzen und verhindern, dass Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten. Aus seinem großen Erfahrungsschatz weiß der gelernte Kfz-Mechaniker, welche „Ideen“ in diesem Alter lediglich Probleme und Ärger einbringen. Für Ögretmen ist Saitaj schon jetzt eine äußerst wertvolle Unterstützung: „Die Jugendlichen hören ihm zu. Tun sie das nicht, bringen sämtliche Bemühungen nichts.“ Beim Mitternachtsturnier ging Saitaj bereits mit gutem Beispiel voran: Zusammen mit einer Autovermietung trat er als Sponsor auf und übernahm die Kosten für die Gewinne als auch die Verpflegung. Für jeden Teilnehmer waren eine Rindswurst und ein Getränk frei.

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Beim Turnier trat ein bunter Mix der Kulturen gegen den Ball: Kicker mit türkischen, albanischen, italienischen bis afghanischen Wurzelni. Viele erkannten, dass das Turnier nicht nur einen sportlichen Hintergrund hat. „Wer hier mitspielt, kommt nicht auf dumme Gedanken“, formulierte es ein junger Teilnehmer treffend. „Respekt ist das A und O“, brachte Melih Gülergüz einen weiteren sozialen Aspekt auf den Punkt. Auch deutsche Kicker versuchten das Runde in das Eckige zu bringen, so wie Tobias Albrecht. Der 19-Jährige gehörte „Loch‘r“ und damit einem der beiden Erloch-Teams an. „Mit denen bin ich aufgewachsen“, meint er über die Kollegen im gleichen Trikot.

Das Mitternachtsturnier als Schmelztiegel vieler Nationen sieht er nicht als ungewöhnlich – schließlich seien auf dem Platz doch alle gleich.

Quelle: op-online.de

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