Prozess gegen 54-jährigen Suayip C.

Mord am Dummy rekonstruiert

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Babenhausen/Darmstadt - Im Mord-Prozess gegen den 54-jährigen Suayip C. aus Babenhausen wurde gestern ein neuer „Mitarbeiter“ eingeführt. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Er ist 1,80 Meter groß, sitzt stumm auf seinem Stuhl im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Darmstadt und ist komplett mit schwarzem Stoff bezogen. In seinem Kopf steckt ein langes gelbes Stäbchen, im Brustkorb ein rosafarbenes. Die bunten Elemente demonstrieren die genauen Schusskanäle im Körper der 42-jährigen F. , dem Mordopfer. Suayip C. gestand sofort am ersten Verhandlungstag Mitte Februar, seine Ex-Lebensgefährtin in seinem VW Golf in einem Waldstück zwischen Babenhausen und Zellhausen mit mehreren Schüssen getötet zu haben. Motiv der Tat war seinen Angaben zufolge ein Streit, bei dem es um den neuen jüngeren Freund der Frau ging. Um den Wortschwall der Ex zu beenden, habe er zunächst zwei Warnschüsse in den Fahrzeugboden abgefeuert, bevor er die Pistole auf den Menschen neben ihm richtete –mit dem er mindestens 25 Jahre zusammen gelebt hatte.

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Als der Dönerimbiss-Betreiber realisierte, was er mit seiner Browning Kaliber 7,65 angerichtet hatte, raste er mit hohem Tempo in die Klinik nach Seligenstadt. Für die Mutter seiner beiden Söhne kam jedoch jede Hilfe zu spät. „Von den drei Schüssen hat einer die Stirn gestreift, der zweite den Brustkorb durchstoßen und der dritte ist im Kopf stecken geblieben.“ erläutert Rechtsmedizinier Marcel Verhoff, der auch das schwarze Dummy aus der Frankfurter Forensik mitgebracht hat. Dabei sei der Kopfschuss ursächlich für den Tod gewesen, er habe die Schädeldecke durchstoßen. Das Projektil blieb im Großhirn stecken. „Diese Verwüstung im Gehirn ist entweder sofort oder einen Moment später tödlich gewesen“, so der Sachverständige. Den Schuss in den Brustkorb dagegen hätte das Opfer ohne weiteres überlebt.

Verhoff erläutert: „Diese Verletzung ist ein absolut seltenes Phänomen. Der Schuss ging fast 40 Zentimeter durch den Körper der Frau, ohne Organe und Schlagadern zu verletzen.“ Auf der Computertomografie sei der Verlauf des Projektils deutlich zu sehen gewesen: Es ging oberhalb des Sonnengeflechts in die Brust und trat an der hinteren Lende wieder aus. „Das könnte daher rühren, dass der Körper der Frau abgeknickt, weggedreht oder gebeugt war“, so Verhoff.

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Das Geschoss fanden Spurensicherer beim Türschweller der Beifahrertür. Daneben fand man zwei weitere Projektile, eines natürlich im Kopf des Opfers, ein weiteres im Waldboden. Die zwei fehlenden vom Streifschuss und Warnschuss konnten nicht gefunden werden, dafür wurden alle fünf Patronenhülsen sicher gestellt. Was den Angeklagten aber ohne Geständnis nicht so einfach überführt hätte. Denn: „Da sich an den Hülsen mehrere Spuren überlagert haben – eventuell vom häufigen Repetieren und Nachladen – können diese C.´s Waffe nicht eindeutig zugeordnet werden.“ so die Erklärung des Ballistikers vom Landeskriminalamt. Für den Abschluss der Beweisaufnahme fehlt noch das psychiatrische Gutachten. Dieses soll am 23. März erstattet werden. An diesem Tag wird auch mit einem Urteil gerechnet.

Quelle: op-online.de

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