Das markante „oi“ der Scheffemer

Mundartabend des Heimatvereins beschäftigt sich mit Dialekt

Babenhausen - Der Babenhäuser und Schaafheimer Mundart war ein unterhaltsamer Abend in der Stadtmühle gewidmet. Geschichten, Gedichte und Erklärungen boten immer wieder Anlass zum Schmunzeln und Lachen. Selbstverständlich sprachen die Podiumsteilnehmer ihren aus Kindertagen gewohnten Dialekt. Von Petra Grimm

Die Pflege der Mundart ist in der Satzung des Heimat und Geschichtsvereins (HGV) als Vereinszweck festgeschrieben. Und nachdem vor einiger Zeit bereits eine Veranstaltung über den Babenhäuser und Elsässer Dialekt gute Resonanz fand, habe man jetzt den Vergleich mit der Schaafheimer Mundart zum Thema gemacht, sagte Georg Wittenberger, der Vorsitzende des HGV, der als Zugezogener der hiesigen Regionalsprache nicht mächtig ist, womit er an diesem Abend deutlich zur Minderheit gehörte.

Dass Mundart in der Regel eine gesprochene und nur in Ausnahmefällen geschrieben Sprache ist, brachte ein schönes, altes Volksgedicht aus dem Darmstädter Raum auf den Punkt, das Liesel Groll vortrug. Sie zog das Publikum außerdem mit einer spannenden Kindheitserinnerung über den Bäcker Kolb in ihren Bann, in deren Mittelpunkt ein mit Rattengift zubereitetes Brot steht und die sich 1948 so zugetragen haben soll.

Gemeinsam mit Uwe Friedrich, der die Veranstaltung angeregt hatte, Klaus Mohrhardt, Günther Heid und den beiden Schaafheimern Elsbeth und Werner Kreh fand sich Groll auf dem Podium ein, um die rund 80 Zuhörer zu unterhalten. Auch der Babenhäuser Mohrhardt, der 37 Jahre an einer Schaafheimer Schule Lehrer war und dadurch mit beiden Dialekten gut vertraut ist, warf wortgewandt einen Blick zurück in die Kindheit. Die Erlebnisse mit seinen Kumpels aus der Ludwigstraße verwandelte er in ein amüsantes Mundart-Gedicht über den „Jucker“, eine Amtsperson, die den Lausbuben nach dem Krieg das Leben schwer machte. Der frühere Harreshäuser Förster Günther Heid, der das Lesebuch seines aus dem Odenwald stammenden Vaters aus dem Jahr 1922 mitgebracht hatte, gab eine humorvolle Geschichte daraus zum Besten.

Für den Schaafheimer Teil des Abends waren die beiden Heimatforscher Elsbeth und Werner Kreh eingeladen. Sie haben im Jahr 2005 ein Buch mit dem Titel „Scheffemer Mundart und Dorf-Geschichten“ herausgebracht und erläuterten den Zuhörern aus beiden Orten, wo Unterschiede zu hören sind. Ungewohnt für Babenhäuser Ohren ist vor allem das markante „oi“ im Scheffemer Dialekt, beispielsweise in „schoi“ (schön) oder „goi“ (gehen). Vertraut klingen dagegen viele als typisch für Schaafheim genannte Begriffe, wie „Runzel“ für Gesichtsfalten, „Ranze“ für Bauch, „Allmoi“ für einen habgierigen Menschen, „Bixe“ für Büchse oder auch „Manne“ für einen großen Korb. Das hört sich in Babenhäuser Mundart nicht anders an.

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Dialekte sind in Deutschland allgemein rückläufig und verlieren an Sprechern. Diesem Trend der Gleichmachung, der Verlust von Tradition und Identität bedeutet, stemmt sich der HGV entgegen. Bereits vor 36 Jahren bei seiner Gründung hat er die Pflege der Mundart als wichtigen Vereinszweck in seine Satzung aufgenommen. Daran nicht ganz unbeteiligt war Gründungsmitglied Uwe Friedrich: Mundart sei wie „Öl in der Sprache und macht sie flüssiger und leichter“. Er betonte den Wert der Dialekte, die Menschen verbinden und ihnen die gemeinsame Herkunft zeigen. „Man hat gleich einen anderen Kontakt zueinander, wenn man die gleiche Mundart babbelt“, so seine Erfahrung.

Zum Abschluss des offiziellen Programms lud Werner Kunkel die Zuhörer zum Mitsingen ein. Er hatte das 1956 von Martin Hartmann auf Hochdeutsch getextete und von Michael Frank vertonte „Lied auf Babenhausen“ mitgebracht und begleitete den Gesang mit seinem Akkordeon. Die Gäste genossen diesen Abend. Friedrich schien recht zu haben, als er sagte: „In Mundart miteinander reden ist wie den Arm um jemanden legen“.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Petra Grimm

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