Acht Ausfälle bei der Regionalbahn 75

Normalität im Streikchaos

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Die Anzeigentafel am Babenhäuser Bahnhof weist Fahrgäste auf den Streik der Lokführer hin. Ansonsten werden die Passagiere wenig informiert.

Babenhausen - Wie oft die Züge in den vergangenen Monaten nicht fuhren, ist schon fast nicht mehr zählbar. Auch am Babenhäuser Bahnhof kam es wegen des gestrigen Streiks zu Ausfällen. Die gute Nachricht dabei: Es gab einen Ersatzfahrplan. Von Corinna Hiss

Marie-Luise Schilder hat sich vorbereitet, verärgert ist sie aber dennoch. Die Schaafheimerin hat eine wichtige Klausur in Mainz, muss mit der Regionalbahn 75 in die rheinland-pfälzische Hauptstadt fahren und hofft darauf, dass alles glatt läuft. „Schon wieder Streik“, stöhnt sie sichtlich genervt und schaut auf die Uhr. Normalerweise braucht Schilder eineinviertel Stunden für die Strecke, wegen den Ausfällen ist sie aber extra früh am Babenhäuser Bahnhof. Dort fahren Züge – aber eben nur eingeschränkt. „Ich habe drei Stunden eingeplant, damit ich ja nicht zu spät komme“, erzählt sie und ist mit dieser Strategie wahrscheinlich nicht die einzige.

Wer den Schienenverkehr nutzen will, ohne sich vorher ausreichend informiert zu haben, wird in Babenhausen ziemlich alleine gelassen. Nur auf der Anzeigetafel weist ein immer wieder erscheinender Schriftzug darauf hin, dass nicht alles in geregelter Ordnung zugeht. „Aufgrund von Streik kann es zu Ausfällen kommen. Informieren Sie sich im Internet“, heißt es da. Für diejenigen, die ohne Smartphone an den Gleisen stehen, ein wenig hilfreicher Tipp. Zwar hat die Deutsche Bahn die Ersatzfahrpläne bereits rechtzeitig veröffentlicht, in Papierform sind sie aber nirgends zu finden. „Ich habe vorher geschaut, welcher Zug fährt, mal gucken, ob das stimmt“, sagt die Schaafheimerin. Überrascht stellt sie fest, dass der Ersatzfahrplan funktioniert: Der Zug in Richtung Wiesbaden rollt pünktlich ein und ist entsprechend voll.

Die RB 75 fährt normalerweise in Stoßzeiten alle 30 Minuten, gestern nur ein Mal pro Stunde. Gerade der Ausfall um 8.29 Uhr hat viele Pendler getroffen, die vom Ostkreis zu ihren Arbeitsstätten in Darmstadt oder dem Rhein-Main-Gebiet kommen wollen. Zwar ist der neue Park-und-Ride-Parkplatz in Babenhausen gefüllt wie immer, aber viele sind doch aufs Auto umgestiegen. Auf der B 26, die in der Früh in Richtung Darmstadt sowieso immer stark genutzt wird, staut es sich gestern Morgen bis hinter Roßdorf. Auch Schilder hatte kurz überlegt, wegen des Streiks selbst zu fahren, es dann aber letztendlich verworfen. „Abends wäre ich voll in den Berufsverkehr gekommen“, sagt sie.

Am Bahnhof fallen die Bäume (Archiv)

Am Bahnhof fallen die Bäume

Die Odenwahldbahn, die Babenhausen mit Hanau, Groß-Umstadt und Erbach verbindet, ist vom Streik nicht betroffen. Sie gehört nicht zur Deutschen Bahn, sondern zur Vias GmbH. Schwieriger ist es hingegen für alle Fahrgäste zwischen Aschaffenburg und Wiesbaden: Auf dieser Strecke fallen insgesamt acht Züge aus. Das ist zwar kein Vergleich zu den Totalausfällen im Frankfurter Raum, wo beispielsweise die S 9 über Mainz-Kastel komplett gestrichen wird, es trifft jedoch genau die Pendler, die morgens und am frühen Abend den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Mit ihnen fühlt auch Marie-Luise Schilder mit: „Gerade für diejenigen, die tagtäglich auf die Bahn angewiesen sind, muss eine Lösung gefunden werden. Es kann nicht sein, dass der Nahverkehr permanent Probleme bereitet.“

Quelle: op-online.de

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