Offene Gärten und Anwesen

Summen am Stein und in den Höfen

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Eintauchen in die farbenprächtige und wuchernde Pracht der Gärten konnten am Wochenende zahlreiche Besucher.

Hergershausen/Sickenhofen - Die achte Veranstaltung „Offene Gärten und Höfe“ begann mit der Einweihung des Summsteines. Zwei Tage herrschte ungewohntes Treiben in sonst für den Publikumsverkehr eher verschlossenen Oasen. Von Petra Grimm 

Gut gelaunt bildeten die Leute eine Warteschlange – Kinder und Erwachsene, Hergershäuser und Besucher von außerhalb – um nacheinander den gerade enthüllten Summstein zu testen. Unter dem Gelächter der Umstehenden steckte einer nach dem anderen seinen Kopf in eine der beiden in den Stein gehauenen Höhlen und summte oder brummte laut vernehmlich. Wer die richtige Tonlage und damit seine körpereigene Frequenz fand, spürte eine Vibration im Körper. Der erst Ende Mai gelieferte und mit einigen Mühen aufgestellt 2,5 Tonnen schwere Basaltstein komplettiert als besondere Attraktion den vom Verein Herigar neben dem Dorfgemeinschaftshaus Alte Schule angelegten Sinnengarten. Im Beisein von Bürgermeister Achim Knoke und Ortsvorsteher Horst Grimm weihten die beiden Herigar-Vorsitzenden Ingo Rohrwasser und Maren Gatzemeier den Summstein am Samstag offiziell ein. Damit war der Startschuss zur inzwischen achte Veranstaltung „Offene Gärten und Höfe“ im Stadtteil gefallen. Inzwischen nur noch alle zwei Jahre organisiert der Verein die Großveranstaltung, an die auch eine Ausstellung von Kunsthandwerkern in und um die Alte Schule gekoppelt ist.

Der neue Summstein im Sinnengarten musste freilich gleich von vielen Gästen ausprobiert werden.

Zwei Tage lang herrschte wieder ungewohntes Treiben im alten Ortskern. Jede Menge Gartenfreunde und Naturliebhaber aus der näheren und weiteren Umgebung fielen ins Dorf ein und bestaunten die grünen Oasen, die man selten hinter den alten Hoftoren erwarten würde. Restlos begeistert waren beispielsweise Heike Pemöller und Heinz Dibold, die aus Griesheim angereist waren: „Wir sind zum ersten Mal hier und kommen auf jeden Fall nächstes Mal wieder“, sagte das Paar, das selbst nur über einen kleinen Garten verfügt und sich darüber freute, in den grünen Refugien „Anregungen sowohl im gärtnerischen, als auch im künstlerischen Bereich zu bekommen“. Heinz Dibold zeigte sich auch begeistert von der historischen Architektur und den Familiengeschichten, die mit den alten Häusern verbunden sind. Die holländische Künstlerin Francisca Hausch lud in ihre malerische Hofreite, die ehemalige Schreinerei des Dorfes, zur Ausstellung ein. Der Maler Willi Seibert stellte seine Bilder im Hof seines Elternhauses, das inzwischen von der Familie Rauffmann bewohnt wird, aus. Dieses Anwesen in der Breite Straße versprüht mit seinem von Wohnhaus und Scheune eingerahmten, begrünten Innenhof und dem verwunschenen Garten einen besonderen Charme. Den Besitzern ist es gelungen, die ursprüngliche Ausstrahlung eines bäuerlichen Anwesens zu erhalten.

Bei Familie Jakob in Sickenhofen, dem einzigen Teilnehmer außerhalb Hergershausens, hat sich sogar noch ein Bus mit 30 Österreichern angesagt. Denn die Malerin und Blumenfreundin Heide Jakob und ihr Ehemann beteiligen sich jedes Jahr an der zeitgleich hessenweit stattfindenden „Offenen Gartenpforte“. Ebenso wie Maren Gatzemeier und ihr Ehemann Mathias Brendle, deren Hofreite wieder ein besonderer Publikumsmagnet war. In ihrem naturnahen Garten mit Teich bewunderten die Besucher Rosen und Clematis, weitere Kletterpflanzen und einige „wilde Ecken“, in denen sich verschiedene Kleintiere und Pflanzenarten wohl fühlen.

Bilder: Offene Gärten und Höfe in Hergershausen

Die beiden Initiatoren der „offenen Gärten und Höfe“ begrüßten wieder Besucher bis aus dem Vogelsberg und von der Bergstraße. „Wir haben inzwischen richtige Gartenfreundschaften mit einigen Leuten geschlossen, die jedes Jahr kommen“, sagte Maren Gatzmeier, die mit ihrem Mann seit 15 Jahren in Hergershausen zuhause ist und aus einer – wie auf einem Foto zu sehen war – Einöde hinter dem von ihnen gekauften Haus eine wahre Oase geschaffen hat. Schon in jungen Jahren haben die beiden Gartenreisen nach Holland und England unternommen, erzählte Gatzemeier, die offensichtlich neben einem grünen Daumen auch mit einer gehörigen Portion Kreativität in Sachen Gartengestaltung ausgerüstet ist. Im Grünen zu werkeln empfinde sie nicht als Arbeit, außerdem sei ihr naturnaher Garten sehr pflegeleicht. „Wir haben ja eigentlich einen für Deutschland untypischen Garten, nämlich ohne Rasen, den man ständig mähen muss. Unsere zugewachsenen Beete erfordern relativ wenig Arbeit, denn es kann eigentlich gar kein Unkraut heraus wachsen“, sagte die zweite Vorsitzende von Herigar, die die Großveranstaltung gemeinsam mit ihrem Mann auch vorbereitet.

Elf Teilnehmer waren an diesem Wochenende wieder dabei, darunter der Mühlenbesitzer Thomas Winter, der zu Führungen einlud. Seine Eltern Christel und Lothar Winter hatten ihren Rosengarten am Ortsrand geöffnet, in dem rund 2000 Sorten blühen und die Besucher mit ihrem Duft einhüllen. Wer sich über Bienen informieren wollte, war bei Hobbyimker Achim Knick an der richtigen Stelle. Er lud gestern Groß und Klein zu Honigbroten ein und einmal selbst „Imker zu spielen“. Der Gesangverein Liederkranz feierte an beiden Tagen sein Fest im Kirchgarten mit Gesang und Gaumenfreuden.

Quelle: op-online.de

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