Mit der Kamera gegen Rassismus

+
Film ab! Die Offene Schule Babenhausen nimmt am hr-Wettbewerb „Meine Ausbildung“ teil. Beim Filmbeitrag der Offenen Schule Babenhausen müssen fünf Bewerber schmerzlich erfahren, wie Vorurteile den Weg in den Betrieb versperren können.

Babenhausen - Für die Profis gibt’s den Oscar, für Hobbyfilmer die Chance auf viel Geld. Bereits zum siebten Mal organisiert der Hessische Rundfunk den Videowettbewerb „Meine Ausbildung – Du führst Regie“. Von Eva-Maria Lill

Anmelden dürfen sich Schulen oder freie Jugendprojekte, rund 100 sind das pro Jahr. Bis zum 15. April haben Teilnehmer Zeit, einen etwa siebenminütigen Beitrag zu drehen. Die Sach- und Geldpreise im Wert von insgesamt 15 000 Euro werden in sechs Kategorien verliehen: Bester Film, beste schauspielerische Leistung, bestes Drehbuch, bester Newcomer, besondere Innovation und Inklusion. Das erste Mal dabei ist die Joachim-Schumann-Schule aus Babenhausen. „Klar können wir gewinnen“, grinst Luca, „wir haben uns zur Vorbereitung den Sieger-Film von letztem Jahr angeguckt. Das ist nichts, was wir nicht auch packen.“ Der 14-Jährige aus der neunten Haupt-/Realschul-Verbundklasse steht nicht selbst vor der Kamera, sondern gibt dem Rohmaterial anschließend den nötigen Schliff: Er ist für den Schnitt verantwortlich und schon gespannt auf das Endergebnis: „Das Projekt ist super. Es macht Spaß und fördert den Klassenzusammenhalt.“

Das findet auch Lehrer Michael Gailus. Er hatte die Idee, am Wettbewerb teilzunehmen: „In meinem Fach lag ein Flyer. Ich bekam sofort Lust, mitzumachen.“ Der 40-Jährige hat bereits in der Vergangenheit einige Film-Workshops an der Offenen Schule organisiert. Ausrüstung wie Kamera und Beleuchtung bringt er mit. „Mir geht es beim Drehen um Sozial- und Medienkompetenz“, erklärt der gebürtige Nordrhein-Westfale. „In Rollen schlüpfen fördert das Verständnis für andere. Nebenbei erfahren die Jugendlichen, wie ein Film von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt entsteht.“

Im Arbeitslehre-Unterricht entwickelte Gailus gemeinsam mit den Schülern das Konzept für den Beitrag. Thema: Rassismus im Bewerbungsgespräch. „Wir haben über mögliche Idee abgestimmt. Im vergangenen Jahr hat sich die Klasse theoretisch mit Bewerbungsverfahren beschäftigt, jetzt können sie das Gelernte kreativ umsetzen“, sagt Gailus. Nachdem die grobe Idee feststand, sammelten die Schüler Beispiele von Fremdenhass und Vorurteilen. Die Ergebnisse bündelte Gailus in 19 Szenen. Die Jugendlichen füllten diese anschließend mit passenden Dialogen. „Aus den Gesprächsfragmenten habe ich das fertige Drehbuch zusammengefügt“, erklärt der Lehrer für Arbeits- und Gesellschaftslehre sowie Deutsch. Wer eine Rolle übernehmen möchte oder sich doch lieber abseits der Kamera engagiert, entschieden die Jugendlichen. „Es gibt keine Noten für den Film“, verspricht Gailus, „Aber natürlich Pluspunkte für diejenigen, die sich motiviert beteiligen.“

Im SV-Raum ist es ganz ruhig. Fünf Bewerber wollen den Job bei Chef Niclas. Doch der mag keine Migranten. Egal, wie gut die Referenzen sind: Bei ihm haben nur Deutsche eine Chance. Konstantinos will es trotzdem versuchen. Zögernd setzt er sich neben den strengen Chef. Mit Anzug und gestreifter Krawatte sieht Niclas um Jahre älter aus. „3-2-1 los geht’s“, ruft Regisseur Gailus, Kamerafrau Larissa drückt den Aufnahmeknopf: „Haben Sie denn Geschwister?“, will Niclas wissen. „Ja, vier“, antwortet der Bewerber. „Aha, soso,“ der Chef sortiert seine Unterlagen. Larissa zoomt ganz nahe an sein Gesicht heran. Was der Zuschauer nun hört, sind die Gedanken des Arbeitgebers: „Ihr Griechen habt doch nur so viele Kinder, um uns Deutschen das Kindergeld aus der Tasche zu ziehen. Scheiß Sozialschmarotzer.“ Niclas verhaspelt sich ein bisschen, Konstantinos lacht. „Immer diese Griechen-Vorurteile. Soll ich gehen?“ Was bei der Aufnahme für Lachtränen sorgt, kennt der 15-Jährige Schüler aus eigener Erfahrung: „Da hört man schon wildes Zeug.“ Ob es für einen Preis reicht? Ende April kommen je drei Filme pro Kategorie in die engere Auswahl. Am 2. Juli verleiht eine Fachjury die Auszeichnungen. Mit dabei ist unter anderem die bekannte Youtube-Künstlerin Coldmirror. Alle nominierten Beiträge laufen vom 13. bis 17. Juli im hr-Fernsehen.

Quelle: op-online.de

Kommentare