Ortsvorsteherin von Harreshausen: Heidrun Koch-Vollbracht

„Das Dorf lebendig halten“

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Heidrun Koch-Vollbracht entspannt gerne auf ihrer Terrasse.

Babenhausen - Nächstes Jahr stehen Kommunalwahlen an, die über die Zusammensetzung der Parlamente in den Städten und Gemeinden entscheiden.

Vor allem für die Babenhäuser Stadtteile ist es von Bedeutung, darin ausreichend Gehör zu finden und bei den Interessen berücksichtigt zu werden. In einer Serie stellen wir die Ortsvorsteher und die Belange der Stadtteile vor. Diesmal hat sich unsere Redakteurin Corinna Hiss mit Heidrun Koch-Vollbracht (CDU) aus Harreshausen unterhalten.

Frau Koch-Vollbracht, Sie waren zuerst Stadtverordnete und dann Ortsvorsteherin. In den Ortsbeirat selbst sind Sie sogar erst als Nachrückerin hereingekommen. Gefällt Ihnen die Arbeit denn nicht?

Ganz im Gegenteil, aber die Aufgabe der Ortsvorsteherin hatte ich einfach zuerst gar nicht im Fokus. Interessanterweise mache ich das nun von allen meinen politischen Ämtern am liebsten. Da hängt mein Herz einfach dran.

Wieso?

Weil es am nächsten an den Menschen ist. Ich sehe meine Aufgabe als Ortsvorsteherin darin, die Bürger zusammen zu bringen und dieses Dorf lebendig zu halten. Das ist in der heutigen Zeit gar nicht so einfach. Menschen ziehen hierher und dann wieder weg, aber mir ist es wichtig, dass sie sich trotzdem mit Harreshausen verbunden fühlen. Das hat mit Politik schon fast nichts mehr zu tun. Harreshausen liegt mir am Herzen. Meine Mutter ist im Ort geboren, und ich war vier Jahre, als wir nach Harreshausen gezogen sind. Im März wäre das dann meine dritte Amtsperiode und ich hoffe, dass ich wiedergewählt werde.

Sie reden von einem aktiven Dorfleben, das praktizieren Sie auch als Vorsitzende des Vereins Middedrin. Wie zufrieden sind Sie denn mit der Vereinsstruktur im Ort?

Wir haben die gleichen Probleme wie alle. Das fängt schon damit an, dass die Kinder lange in die Schule gehen. Dann gibt es auch weniger Nachwuchs. Und das breite Angebot an Freizeitaktivitäten macht es heimischen Vereinen nicht leicht. Die Kinder werden wer weiß wohin hingefahren für ihre ausgefallenen Sportarten. Früher war ganz klar: Zum Sport geht man hier in den Turnverein. Heute ist das nicht mehr selbstverständlich.

Thema Vereinssterben: Harreshausen hat als einziger Stadtteil keine Freiwillige Feuerwehr mehr. Wie gut wird das alte Feuerwehrhaus denn genutzt?

Middedrin ist der Verein, der die Verwaltung des Gebäudes übernommen und sich zum Ziel gemacht hat, das dörfliche Miteinander zu pflegen und dieses Haus offen zu halten für viele andere Gruppen. Der Feuerwehrverein trifft sich dort jeden Freitag, Dienstagabend ist der Gesangverein drin, Mittwoch wird für Jagdgenossen oder den Ortsbeirat freigehalten. Zudem ist der CDU-Stadtverband Dauermieter. Jetzt kam auch eine Anfrage von der Babenhäuser Ehrenamts-Agentur BEA wegen der Einrichtung ihres Reparaturcafés. Noch ist nichts beschlossen, aber ich denke, wir werden zusammenkommen. Wir haben im Gebäude auch eine kleine Küche und sanitäre Anlagen.

Die würden aber keine Miete zahlen können...

...genau, aber deshalb ist die Überlegung, dass sie die Räume kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wenn sie einen Putzdienst im Monat übernehmen. So werden zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen, weil die Anstellung einer Putzfrau für uns wirkliche Kosten verursachen würde. Der Verein Middedrin kommt ja für die Unterhaltung und Pflege auf, Heizung, Strom und Wasser zahlt die Stadt. Mein Herz hängt sehr daran: Das Gebäude ist das einzige im Ort, das noch in städtischen Händen ist, abgesehen von der Mehrzweckhalle. Sollte der Verkauf des Feuerwehrhauses einmal zur Debatte stehen, weiß ich nicht, ob das der Ortsbeirat noch mittragen würde.

Wieso ist Ihnen das so wichtig?

Ein öffentliches Gebäude im Stadtteil muss noch da sein, um überhaupt eine Plattform für Treffen zu haben. Sonst gibt es auch kein Miteinander mehr im Ort. Die Seele vom Stadtteil muss irgendwo wohnen. Ich glaube, dass das auch der Grund ist, wieso hier die Uhren noch anders ticken. Wir können mit Stolz sagen, dass wir keinen toten Dorfkern haben. Wer neu dazu kommt, hat sich gut integriert.

Sie haben bereits die Mehrzweckhalle angesprochen. Wie steht es um ihren Zustand?

Die Halle ist meines Wissens die am meisten frequentierte in ganz Babenhausen. Sie ist Anfang der 1980er gebaut worden, sozusagen als Preis für die Eingemeindung. Ihr Vorteil: Es gibt nicht nur eine Teeküche, sondern eine voll ausgestattete Edelstahlküche. Deshalb können wir am Seniorennachmittag auch warmes Essen servieren. Die Halle wird zwar gepflegt, ist aber natürlich abgenutzt.

Aber erst vor Kurzem wurde doch etwas gemacht, oder?

Ja, die Halle war im Sommer für mehrere Wochen geschlossen, weil einiges in den Brandschutz investiert wurde. Aber das Dach müsste dringend erneuert werden. In der Behindertentoilette regnet es rein und man findet einfach das Leck nicht. Wir hatten die Hoffnung, dass die Stadt im Zuge der Brandschutzmaßnahmen auch die ein oder andere Sanierung vornimmt, aber dafür ist wohl kein Geld da. Auch in der Küche müsste einiges getan werden: Wir halten jedes Mal beim Seniorennachmittag die Luft an, ob die Spülmaschine nicht wieder kaputt ist. Ich müsste fast nachsehen, in welchem Jahr wir bereits beantragt haben, dass wir eine neue brauchen, aber da tut sich nichts.

Wie wichtig war es, dass das Ladencafé geöffnet hat?

Für die Infrastruktur und für die Kommunikation im Dorf ist es unheimlich wichtig. Besonders die älteren Menschen im Seniorenzentrum profitieren. Sie haben zwar die Möglichkeit, ein Mal in der Woche mit einem Bus in die Kernstadt zu fahren, aber ihnen gefällt es, mit ihrem Rollator hin laufen zu können und einzukaufen, wann sie es wollen. Der Laden wird schon gut angenommen, es könnte aber auch mehr sein.

Was sind Ihre Pläne für die nächste Amtsperiode?

Absolutes Highlight ist, dass wir jetzt sogar zwei Baugebiete im Ort bekommen. Schon lange angedacht war das Baugebiet in der Bürgermeister-Hartmann-Straße. Da haben wir, CDU und Grüne, in den letzten Jahren gezögert, weil wir die Entwicklung der Kaserne abwarten wollten. Wir sind so nah dran, dass wir Angst hatten, hier Wohnraum zu schaffen, wo dann niemand hin will. Aber da die Stadt dringend Geld braucht, haben wir das Baugebiet 2012 wieder auf die Agenda genommen. Das zweite Baugebiet ist für mich ein Zeichen gelebter Demokratie.

Wie meinen Sie das?

Im September 2012 haben wir einen Ortsrundgang gemacht, der sehr gut angenommen wurde. Da kam der Vorschlag auf, wieso man nicht hinter dem Friedhof ein Baugebiet macht. Wir haben schließlich mit der Firma Aumann einen Investor gefunden und in der letzten Sitzung vor der Sommerpause das Baugebiet hinter dem Friedhof beschlossen. Das ist für mich toll: Die Bürger haben uns damals ganz klar gesagt, was sie wollen und wir haben es geschafft, das umzusetzen.

Quelle: op-online.de

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