Ex-Bachgauschülerin dreht Videos

Als „Pauli Belle“ eine Modeexpertin auf YouTube

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Pauline alias Pauli Belle erreicht mit ihrem Youtube-Kanal Schmink- und Modebegeisterte. 

Babenhausen/Aschaffenburg - Die neuesten Schminktrends, Stylingtipps oder Anekdoten vom Wochenende teilt Pauline Gottschalk mit allen. Dabei erreicht sie mit ihrem Youtube-Kanal immer mehr Menschen. Von Katrin Muhl 

„Hallo ihr Lieben, willkommen zurück auf meinem Kanal.“ Pauline, oder Pauli, wie sie sich nennt, lächelt freundlich in die Kamera, dann stellt sie ihre zehn liebsten Drogerieprodukte vor. Im April hat die Videobloggerin im Bereich Lifestyle und Beauty ihren ersten Clip auf Youtube hochgeladen. Heute erreicht die ehemalige Bachgauschülerin mit ihrem Kanal „Pauli Belle“ bereits mehr als 250 Abonnenten. Wenn die Kamera aus ist, geht Pauline ihrem Job nach. Nach dem Abitur am Babenhäuser Oberstufengymnasium studierte sie im Joint-Bachelor-Studiengang Germanistik und Anglistik an der TU in Darmstadt, schnupperte in einem einjährigen Volontariat Verlagsluft und verdient sich seit Ende Juli als selbstständige Texterin, Übersetzerin und Social Media Managerin ihre Brötchen.

Leben kann die schöne Blonde aus Aschaffenburg von ihren Videos noch lange nicht. „Das wäre mein absoluter Traum“, gesteht sie. Doch das schafft nur, wer, wie Paulines Vorbilder – die Australierin Lauren Curtis oder die Britin Pixiwoo – in der oberen Liga spielt und regelmäßig mehrere tausend Zuschauer verzeichnet. Ihre Chancen schätzt Pauline realistisch ein: „Eigentlich ist der Markt übersättigt. Es ist nicht einfach, sich zu behaupten und ein Alleinstellungsmerkmal zu finden.“

Wie damals an der Bachgauschule, als Pauline ihren Stil noch nicht gefunden hatte, und montags in lässigen Baggy Pants, dienstags mit knallengen Hosen und auffälligen Klunkern zum Unterricht kam, befindet sie sich gut sechs Jahre später mit „Pauli Belle“ wieder in der Ausprobierphase: Mal lädt sie eine Kosmetikempfehlung hoch, mal einen Rezeptvorschlag, dann zeigt sie, wie man einen bestimmten Look schminkt oder gewährt beim „Vloggen“ Einblick in ihr privates Wochenende. Dabei lieferte Pauline von Beginn an Videos in einer Qualität, hinter der man keine Anfängerin vermuten würde. Zur Ausrüstung gehören eine Spiegelreflexkamera, die nicht nur fotografieren, sondern auch filmen kann, eine Studioleuchte, ein Schnittprogramm, Unmengen an Kosmetik und eine gewisse Portion Moderationstalent.

Drehen lieber ohne den Freund

„So einfach ist mir das Sprechen vor der Kamera anfangs nicht gefallen und bis jetzt fühlt es sich nicht immer ganz selbstverständlich an“, räumt Pauline ein, was der Laienzuschauer aber nicht bemerkt. „Mir fällt es schwer, natürlich zu klingen, wenn jemand beim Filmen dabei ist“, erklärt sie, „deshalb schicke ich meinen Freund auch jedes Mal aus der Wohnung, wenn ich drehen will.“

Dass online praktisch jeder Zugriff auf das fertige Video hat, stört Pauline dagegen nicht: „Klar, war es zu Beginn eine komische Vorstellung, dass mir theoretisch alle Tanten und Onkel oder meine Nachbarin beim Schminken zusehen. Mittlerweile habe ich mich aber an den Gedanken gewöhnt.“

Trotzdem war die Spannung groß, als Pauline ihr erstes Video öffentlich gemacht hatte. „Ich wusste ja nicht, wie es ankommt“, erinnert sie sich. Die ersten Zuschauer seien Freunde, Familienmitglieder und Kollegen gewesen. Dann kamen immer mehr außerhalb von Paulines Bekanntenkreis dazu. „Bis jetzt führe ich einen kleinen Freudentanz für jeden neuen Abonnenten auf“, sagt sie schmunzelnd.

Die Idee, einen Youtube-Kanal zu eröffnen, spukte Pauline schon Monate vorher im Kopf herum. Sie erinnert sich: „Meine beste Freundin hat vor Jahren als ‚Leileistyle’ mit Youtube angefangen. Ich habe mit ihr mitgefiebert, dachte aber insgeheim, dass ich das auch kann. Bis ich endlich den Mut fasste, es ihr gleich zu tun verging noch viel zu viel Zeit. Länger als ein Jahr habe ich mir beim Schminken vorgestellt, wie es wäre, dabei ein Tutorial zu drehen.“

Den YouTube-Kanal der Offenbach-Post finden Sie hier.

Beim ersten Versuch schließlich, hatte sie einen halben Lidstrich gezogen und der Kameraakku gab den Geist auf. Heute ist Pauline routinierter und kennt jeden Arbeitsschritt hinter einem solchen Schminkvideo. „Von der Idee bis zum online verfügbaren Clip vergehen etwa 14 Stunden“, überlegt sie, „das Filmen allein dauert etwa zwei Stunden, daran schließen sich zirka vier Stunden Bearbeitung an. Dann muss das Video, je nach Länge etwa eine Stunde exportieren und um die vier Stunden hochladen.“

Dass Firmen Youtube-Videos für Produktplatzierungen nutzen, ist Pauline nicht neu. Eine Anfrage dieser Art flatterte ihr jedoch noch nicht in den Posteingang. Trotzdem hat sie eine Meinung zum Thema: „Ich finde es okay, wenn man hinter dem Produkt steht und die Kooperation mit dem Unternehmen auch einen deutlichen Mehrwert, zum Beispiel Rabatt-Coupons, für die Zuschauer bietet. Über die Kampagne kann auch eine Botschaft vermittelt werden, die die Unterstützung wert ist.“

Die größten Shitstorms

Bislang ist Paulines erstes Anliegen, die Liebe zu Make-Up, gutem Essen, Sport und Literatur mit ihren Abonnenten zu teilen und den Menschen vor dem Bildschirm gute Laune zu schenken. „Ich bin ein positiver Mensch und ich möchte gerne etwas von meiner Energie abgeben. Ich freue mich selbst am meisten über Videos, die mich zum Lächeln bringen.“ Generell zeigt sie, was sie selbst gerne anschaut: „Schminkvideos, Essen, schöne Landschaftsaufnahmen und private Einblicke.“ Wenn Paulines Traum wahr wird, und sie mit ihren Videos genug Geld zum Leben verdient, wäre das „echt cool, das findet auch meine Mutter“. Wenn nicht sagt sie, „ist das auch nicht schlimm. Ich bin kein Karrieremensch, ich will einfach nur glücklich sein.“ Und Youtube gehört momentan dazu.

Quelle: op-online.de

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