Eine erhaltungswürdige Einheit

Pfarrscheune in Sickenhofen: Markantes Aussehen durch Feldsteine

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Neben dem Richerbach, versteckt zwischen prächtigen Bäumen und großen Sträuchern, steht die Pfarrscheune.

Sickenhofen - Das aus imposanten Feldsteinen vor mehr als 40 Jahren errichtete Gebäude dient der evangelischen Kirchengemeinde in Sickenhofen als Treffpunkt für Jung und Alt, wird von den Konfirmanden zum Unterricht und vom Kirchenchor zur Singstunde genutzt. Von Walter Kutscher 

Versteckt hinter prächtigen Ahornbäumen, Eschen und Fichten, zwischen Hecken und großen Kirschlorbeersträuchern wie ein verwunschenes Schloss, ist in Sickenhofen neben dem Richerbach die Pfarrscheune zu finden. Fragt man einen Einheimischen nach der Adresse, so herrscht erst einmal Ratlosigkeit. Steht die Pfarrscheune auf dem gleichen Grundstück wie das Pfarrhaus und gehört somit zur Bachstraße oder aber gilt die Adresse „Am Pfarrgarten“, da der Haupteingang zur Pfarrscheune von dieser Sackgasse abzweigt? Nun – wie dem auch sei, die örtliche Beschilderung ist einwandfrei und führt ortsfremde Besucher direkt zum Parkplatz am Ende der Friedenstraße, wo sich bereits ein erster Blick auf das Gebäude eröffnet.

Viel Platz bietet die Pfarrscheune im Erd- und Obergeschoss. Unten ist ein großer Raum zu finden, der für Veranstaltungen aller Art dient. Darin werden Winter auch die Gottesdienste gefeiert, da dann das aufwändige Heizen der Kirche entfällt. Daneben liegt eine Küche mit vielfältiger Einrichtung sowie Geschirr für allerlei Anlässe. Läuft der Besucher die breite Treppe nach oben, findet er zwei weitere Räume unterschiedlicher Größe. Hier wird bei Bedarf der Kindergottesdienst abgehalten und seit acht Jahren hat die örtliche Theatergruppe SiLT hier ihren Übungs- und Probenraum. Hier war auch das Archiv der Kirchengemeinde untergebracht; dies musste aber nach einem kolossalen Wasserschaden vor sechs Jahren nach Darmstadt ausgelagert werden.

Beim Blick in frühere Lagepläne und Stöbern in alten Unterlagen offenbart sich der Ursprung des Gebäudes. Auf dem Grundstück des 1841 errichteten Pfarrhauses standen damals Viehställe und weitere landwirtschaftlich genutzte Gebäude und auch eine Scheune mit Remise, Tenne und Getreidelager. In früheren Zeiten war der Pfarrer – nach heutigem Sprachgebrauch – auch Landwirt im Nebenerwerb und ein Teil seiner Bezahlung erhielt er auch in Naturalien. Auch wurde das Gebäude an ortsansässigen Bauern als Lager vermietet.

Erinnerungen an Schießscharten

Bereits 1969 begannen Planungen, die alte baufällige Scheune in ein modernes Gemeindehaus umzubauen. Dazu wurden viele der alten Feldsteine benutzt, die dem Gebäude ihr typisches Aussehen verleihen. Auch wurden Steine verbaut, deren Aussehen an Schießscharten erinnern. Wie der Sickenhöfer Heimatforscher Helmut Mahr vermutet, könnte es sich um Teile der ehemaligen, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Wehrkirche handeln, die an dieser Stelle stand und im 19. Jahrhunderts abgerissen wurde. Die Eröffnung des Gemeindehauses erfolgte dann 1974 und 2000/2001 wurde komplett renoviert.

Wie Pfarrerin Elke Becker erzählt, gehört die Pfarrscheune, das unter Denkmalschutz stehende Pfarrhaus und die Kirche, die von Georg August Lerch, einem Schüler des großherzoglichen Hofbaumeisters Georg Moller 1831 errichtet wurde, zu einem Ensemble von Gebäuden, die im Dekanatsbuch als erhaltungswürdige Einheit eingestuft werden.

„Die Pfarrscheune ist offen für alle“, teilt Elke Becker mit. Sie freut sich, wenn die Räume und auch die anschließende Fläche für Familienfeiern und andere Veranstaltungen genutzt werden. Zuletzt hatten sich im März hier Familien getroffen, die der Initiative „Kinder unserer Welt“ angehören und einen bunten Nachmittag feierten.

Bei Interesse: E-Mail an das Pfarrbüro ev-kirche-sickenhofen@online.de oder telefonisch unter 06073/2010.

Quelle: op-online.de

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