Förster erklären den Ferienspielkinder die Baumarten

Piksen, rascheln und duellieren

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Beim „Ritterspiel“ im Wald galt es, mit Forstarbeiterschutzhelm, Schild und Besen ausgerüstet, auf einem langen Baumstamm balancierend den Gegner vom anderen Stamm zu stoßen.

Harreshausen - Zum Abenteuerspielplatz und Forschungslabor wurde der Wald für rund 60 Ferienspielkinder, die Natur pur erlebten und dabei jede Menge Aha-Erlebnisse hatten. Von Petra Grimm 

Ein Team vom Forstamt Dieburg, an der Spitze Revierförster Lothar Seipp und der für Waldpädagogik zuständige Förster Thomas Zinth, hatte einen lehr- und actionreichen Parcours im Staatswald bei Harreshausen aufgebaut. Mit einem „kurzen Frontalunterricht“, wie Seipp es nannte, startete die Exkursion. „Von welchen Bäumen stammen diese Zweige?“ lautete die Frage an die Kindergruppe, für die die beiden Förster jede Menge Äste verschiedener Bäume anschleppten. Denn bevor es zu den acht Spielstationen ging, hieß es zunächst einige Baumarten kennenzulernen und zwar die, die im Babenhäuser Wald am häufigsten vorkommen. Neben den fünf Laubbäumen Eiche, Rotbuche, Hainbuche, Ahorn und Birke wird der heimische Wald vor allem von einem Nadelbaum, nämlich der Kiefer dominiert, erfuhren die Kinder.

Förster Thomas Zinth erklärte den Ferienspielkindern anhand von Zweigen die unterschiedlichen Baumarten.

„90 Prozent aller Bäume hier sind Kiefern“, erklärte Seipp. Nachdem der grundsätzliche Unterschied zwischen Laub- und Nadelbaum geklärt war, erläuterten die beiden Förster anschaulich, wie die verschiedenen Baum-arten an ihren Blättern beziehungsweise Nadeln unterschieden werden können. Während das Rotbuchenblatt einen glatten Rand hat, ist das der Hainbuche, auch Weißbuche genannt, gezahnt. „Das Birkenblatt ist fast dreieckig und raschelt schön“, erklärte Seipp. Beim Identifizieren waren also nicht nur die Augen, sondern auch das Gehör und der Tastsinn gefragt. Die kleinen Naturforscher fühlten, dass die Fichte sehr stachelig ist und sahen ihre langen Nadeln immer paarweise aus den Ästen und Zweigen ragen. Die Nadeln der Tanne dagegen waren deutlich weicher und piksten nicht so. „Warum ist das so?“, wollte „Lehrer“ Seipp wissen. „Weil sie nicht so spitz sind“, sahen einige „Schüler“ sofort mit Blick auf die eingekerbten Nadeln. Dass es in Gestalt der Lärche auch einen Nadelbaum gibt, der im Winter seine Nadeln abwirft, war neu für die meisten Kinder.

Gemeinsam mit zwei Forstwirt-Auszubildenden und zwei jungen Leuten, die beim Forstamt ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) machen, betreuten Seipp und Zinth die mitten im Grün aufgebauten Spielstationen. Und die engagierten Förster und ihr Team hatten sich wirklich allerhand einfallen lassen. Vom Bauernschach über einen Barfußpfad, bei dem Moos, Laub, Rinde, Kiefernzapfen und Farn die nackten Fußsohlen kitzelten, bis zur Buttonmaschine, bei der Blätter und anderes zu Ansteckern verarbeitet wurden, reichte das Spektrum. Die Kinder bastelten ein Baumbüchlein mit den Abdrücken verschiedener Blätter. Beim „Ritterspiel“ galt es mit Forstarbeiterhelm, Schild und Besen ausgerüstet, auf einem langen Baumstamm balancierend den Gegner vom Stamm zu stoßen. Mit einem Binokular und Becherlupen beobachteten die Kinder was im Wald so herumkrabbelt. Ein Höhepunkt zum Abschluss war das Fällen zweier Bäume – die Ferienspielkinder staunten in sicherem Abstand.

Die kleinen Babenhäuser erfuhren an diesem Tag auf jeden Fall, dass der Wald ein toller Spielplatz ist und dass es viel Interessantes zu entdecken gibt. Das war auch ein Anliegen der Hessenforst-Mitarbeiter. Wie ist es heute in Zeiten der digitalen Unterhaltung bei der jüngeren Generation mit dem Wissen um Wald und Natur bestellt? „Das ist ganz unterschiedlich“, sagten die beiden Förster, „einige Kinder haben ein erstaunliches Detailwissen.“ Andere weniger. Es komme wohl auch darauf an, wie und ob die Schullehrer das Thema behandeln. „Was mich manchmal wundert ist, dass Gymnasiasten einem die Photosynthese oder ähnliche schwierige Zusammenhänge ohne Probleme erklären können, aber einen Buchfink nicht erkennen, wenn sie ihn sehen. Dabei sind es doch oft die einfachen Dinge, die Freude machen, auch hier draußen im Wald“, so Thomas Zinth.

Quelle: op-online.de

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