Heute Familiennachmittag und Rock

Prima Auftakt beim Seebeben

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Bei den Liedern der Babenhäuser Band konnten viele Besucher mitsingen.

Babenhausen - Angler, Surfer und die Kiesförderung bestimmen 362 Tage das Leben am Sickenhöfer See. Jedes Jahr im Juli ändert sich das für drei Tage: Dann fängt das Ufer an zu vibrieren und verwandelt sich in eine Party-Zone. Von Michael Just 

Vier Stunden standen Joe Whitney (Foto) und Annabell Kay mit vier Musikern auf der Bühne.

Mit einer After-Work-Veranstaltung, zu der die Street Live Family spielte, fiel der Startschuss für das Seebeben. In den letzten Wochen war in Babenhausen die Freude auf das sogenannte Vorbeben schon deutlich zu spüren. Vor allem das gesetztere Publikum, das gerne mit Ü 40 oder Ü 50 beschrieben wird, fieberte auf diesen Abend hin. Wie sich zeigte, fühlte sich auch die Generation Ü 60 angesprochen und zog unternehmungslustig aufs ausgewiesene Party-Gelände, um das mittlerweile gesellschaftliche Ereignis für alle Junggebliebenen nicht zu verpassen. „Ich bin gleich nach der Arbeit hergekommen. Ich hatte nicht mal Zeit mich umzuziehen“, sagte eine 41-Jährige aus Dieburg am Donnerstag, die um 19 Uhr mit einer Freundin einlief. In ihrem grünen Blazer zeigte sich die Büromitarbeiterin angetan von der Szenerie. Sie lobte die gemischte Altersstruktur und das außergewöhnliche Strandareal, das mit reichlich Sand nicht geizte. Eine etwas weitere Anreise – aus Alsbach an der Bergstraße – nahm Birgit Dingeldey auf sich. „Ich habe den ganzen Tag Patienten versorgt und mich zudem über Leute geärgert, die ihre Termine nicht einhalten. Da ist das jetzt genau die richtige Abwechslung“, sagte die Heilpraktikerin. Darüber hinaus verfüge sie über eine Affinität zum Wasser und finde alles spannend, was damit zu tun. Die 55-Jährige kam mit Tanja Radigk aus Hergershausen, die den gleichen Beruf ausübt. „Heute bin ich da, morgen zur House-Party dann mein 19-jähriger Sprössling“, kündigte die 46-Jährige, an einem Aperol-Spritz nippend, an.

Fotos: Party beim „Seebeben“ Beachfestival

Trotz der kühlen Witterung zog der Eröffnungsabend weit über 1 000 Besucher aus Festivalgelände. Darunter waren zahlreiche bekannte Köpfe aus Babenhausen auszumachen. Ob aus Politik, Verwaltung oder den Vereinen, wie beim Altstadtfest kamen sämtliche Generationen für ein paar gesellige Stunden zusammen. „Der Aufbau verlief relativ zügig und reibungslos. Im Prinzip waren wir schon einen Tag vorher fertig. Heute wurde nur noch eingeräumt“, berichtete Andreas Bludau, Vorsitzender der SG-Handballer, die vor ein paar Jahren das Seebeben mit viel Ehrgeiz gründeten. Dass hinter dem Festival eine professionelle Organisation steckt, war an jeder Ecke feststellbar. Die Getränke reichten von Bier bis Cocktail, dazu gab es einen eigenen Äppler-Stand und einen für spanisches Bier. Gegen Hunger halfen Riesen-Burger, Pizza und Crêpes. Dass die Handballer in den letzten Jahren dazulernten und konsequent ihr Seebeben weiterentwickelten, zeigte der neue Merchandising-Stand: Hier ließen sich Pullis, T-Shirts oder Caps mit Seebeben-Aufschrift erwerben. „Uns lagen dazu gezielte Wünsche vor. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Nachfrage zu bedienen“, so Bludau.

Bilder: After-Work-Party eröffnet „Seebeben“

Ebenfalls neu war ein After-Show-Zelt, in dem um Mittermacht – nach dem Auftritt der Street Live Family – mit einem DJ weitergefeiert werden konnte. Die Street Live Family kam um acht Uhr auf die Bühne und stellte alle bisherigen After-Work-Partys der letzten Jahre in den Schatten. Vier Stunden standen Joe Whitney und Annabell Kay mit vier Musikern auf der Bühne und heizten ihrem Publikum mächtig ein. „Mit der Verpflichtung der Street Live Family haben wir den After-Work-Abend auf eine neue Stufe gestellt“, konstatierte Bludau. Damit lag er nicht daneben: Trotz der kühlen Temperaturen und einem Schauer, der das Gros der Besucher für kurze Zeit in die Zelte und Unterstände verschwinden ließ, schafften es die Band, dass sich um kurz nach neun Uhr zu „Save tonight“ von Eagle Eye Cherry tanzende Füße in den feuchten Sand bohrten und der Funke immer wieder übersprang. Auch wenn am Ende kein zweites Woodstock resultierte, bei dem der Schlamm gegen Sand ausgetauscht wurde, dürfte keiner der After-Work-Gäste sein Kommen bereut haben.

Das Seebeben geht heute in die letzte Runde. Am Nachmittag gibt es ein Beach-Volleyball-Turnier, dazu wartet das „Seeleben“ mit Angeboten für einen Familiennachmittag (freier Eintritt). Am Abend will dann die Boom Gang den See zum letzten Mal zum Beben bringen.

Quelle: op-online.de

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