Przewalski-Pferde in Babenhausen

Heiper umgarnt die Damenwelt

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Da ist kein Halten mehr: Nach der Fahrt von der Döberitzer Heide springt Hengst Heiper aus dem Anhänger. Das Europäische Erhaltungs- und Zuchtprogramm für Przewalski-Pferde hofft nun auf Nachwuchs.

Babenhausen - Die fünf Przewalski-Stuten auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz „In den Rödern“ sind in neuer Gesellschaft.

Wilma, Wanda, Walli, Wera und Wendy dürfen sich auf einen Artgenossen freuen, und zwar männlichen Geschlechts – auch wenn das tierische Damen-Quintett den Umgang mit den Neuling erst noch lernen muss. Das Europäische Erhaltungs- und Zuchtprogramm für Przewalski-Pferde (EEP) hat die Stutengruppe nun in ihre Planungen aufgenommen. Nach zwei Jahren in diesem „Semireservat“ haben sich die Stuten prächtig entwickelt und keine Kriterien gezeigt, die sie von der Zucht ausschließen würden.

Der Zuchthengst Heiper stammt von der Heinz-Sielmann Stiftung in der Döberitzer Heide. Er ist 2014 geboren und somit ein Jahr jünger als die Stuten. Nachdem das EEP die Zuchtempfehlung ausgesprochen hat, musste die Umsiedlung des Hengstes aus Managementgründen sehr kurzfristig erfolgen. Der Bundesforstbetrieb Schwarzenborn war gerne bereit, den Hengst aufzunehmen und freut sich über die Entscheidung des EEP. „Der Hengst wird die erste Zeit von den Stuten so einige Tritte einstecken müssen“, wie Dr. Dieter Schad, der den Transport aus der Döberitzer Heide begleitende Tierarzt, zu berichten weiß.

Alles zu den Przewalski-Pferden

Die nun hier entstandene Zuchtgruppe trägt, so hoffen alle, schon 2017 zum weiteren Aufbau der von wenigen Pferden inzwischen auf etwa 2 500 Stück angewachsenen Population der Przewalski- Urwildpferde bei. Das über 60 Hektar große Gelände bietet auch dem erhofften Nachwuchs genügend Platz und Lebensraum. In diesem Zusammenhang bittet der Bundesforst die Bevölkerung, Abfall oder ähnliches nicht auf dem Gelände zu hinterlassen und die sensiblen Pferde nicht zu füttern. Das zugleich als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet ausgewiesene Areal ist naturschutzfachlich sehr wertvoll und gegen Fremdeinträge hoch störanfällig.

Vor knapp zwei Jahren kamen die fünf Pferde aus dem Wildnispark Langenberg bei Zürich auf den ehemaligen Truppenübungsplatz. Mit deren Ankunft erhielt die Pflege des wertvollen FFH-Gebietes hinter der Kaserne einen neuen Ansatz. Die Urwildpferde übernehmen als ganzjährige Landschaftspfleger die Beweidung und Offenhaltung der einzigartigen Lebensräume. Das Gelände „In den Rödern“ hat eine bewegte Vergangenheit. Die Militärgeschichte Babenhausens begann mit dem Einzug der Roten Dragoner 1869 und endete 2007, als das riesige Areal als Natura-2000-Gebiet gesichert wurde. Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises hatte sich Gedanken um die künftige Nutzbarkeit des Areals gemacht und brachte die Wildpferde ins Spiel.

Przewalski-Pferde in Babenhausen

Das heutige EU-Vogelschutzgebiet umfasst knapp 86 Hektar. Es weist auch schützenswerte Lebensräume für diverse Pflanzen auf. Die Erhaltung und Pflege der sandigen Fläche bietet seltenen Pflanzen- und Tierarten die Chance, einen idealen Lebensraum zu finden. Das Problem: Werden die Flächen sich selber überlassen, nehmen die Bestände von Birken, Weiden oder Kiefern zu und zerstören den für die seltenen Tiere und Pflanzen wichtigen Offenlandcharakter. Das Gelände bedarf also einer kontinuierlichen Pflege. Und die übernehmen die Przewalskis. Dadurch, dass sie den sandigen Boden mit ihren Hufen auflockern und gerne mal ein Bad darin nehmen, erhalten sie wichtige Strukturen in dem Biotop, das durch die militärische Nutzung zu dem geworden ist, was es jetzt ist: wie berichtet, das größte Vorkommen von Dünen mit offenen Grasflächen in der Untermainebene. (st)

Quelle: op-online.de

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