Przewalski-Pferde: Stuten haben zugelegt

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Iris Malzkorn bei den Przewalskis: Die Babenhäuser Tierheilpraktikerin schaut täglich nach dem Rechten.

Babenhausen - Als im Juni diesen Jahres Wilma, Wanda, Walli, Wera und Wendy nach Babenhausen kamen, war das für die Stadt eine kleine Sensation. Denn die jungen Przewalski-Stuten stehen im Europäischen Zuchterhaltungsprogramm (EEP) auf gleicher Stufe mit Tiger oder Eisbär. Von Michael Just

Jetzt sind die Wildpferde seit einem halben Jahr im Flora-Fauna-Habitate-Schutzgebiet zu Hause. Haben sie sich in dieser Zeit eingelebt? Diese Frage beantwortete nun die Babenhäuserin Iris Malzkorn bei einem Info-Abend der Stadt. Mit der Pflegerin, die jeden Tag nach den Tieren schaut, waren zwei Vertreter des Bundesforsts in die Reiterschänke gekommen.

„Sie haben deutlich an Gewicht zugelegt“, lautet die wichtigste Beobachtung und Veränderung für Malzkorn. Waren die jungen Pferde durch die Strapazen der Umsiedlung aus der Schweiz ziemlich abgemagert und zwar so, dass man sogar die Knochen sah, hat sich das nun geändert. Auch unter optischer Mitwirkung des eingetretenen Winterfells entwickelten sich die Vierbeiner ganz stattlich und verzeichnen derzeit sogar ein paar Kilos zuviel. Für die kalte Jahreszeit sieht das die Tierheilpraktikerin nicht als Nachteil und geht davon aus, dass nicht allzu schnell zugefüttert werden muss. Ob das passiert, werden der Verlauf des Winters und das EEP als letzte Instanz entscheiden.

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Wie die Gewichtszunahme offenbart, nehmen die zwölf bis 15 Monate alten Wildpferde das Nahrungsangebot, und damit die besondere Vegetation auf den Magerwiesen, an. „Sie probieren fast alles. Darunter sogar den blauen Natternkopf, der sehr bitter ist“, erläutert die 45-Jährige. Den fänden sie lecker, das Kreuzkraut dagegen nicht. Seitdem im Herbst das Nahrungsangebot zurückgegangen ist, haben sich die Przewalskis sogar am Verbiss von Kiefernzweigen probiert. Auch die scheinen sie zu schätzen. Für die Beobachter ist das überraschend, aber nicht schlecht: Denn gerade das Aufkommen von Bewuchs, insbesondere Wald, soll in der Heidelandschaft durch die Pferde als Flurpfleger ja verhindert werden. Überraschend auch die Trinkgewohnheiten: Gibt es Wasserpfützen auf dem Gelände, saufen die Vierbeiner lieber hier als an der eigens errichteten Tränke, für die extra eine Wasserleitung verlegt wurde. Für Malzkorn ist dieses Verhalten verständlich: „Das schmeckt besser, beunruhigt uns aber nicht, da es nicht schädlich ist.“

Jedem Besucher fiel bisher auf, dass die Pferde meist eng beisammen stehen. „Man hatte die ersten Tage den Eindruck, dass sie darauf warten, wieder abgeholt zu werden“, gibt die Tierheilpraktikerin ihre ersten Eindrücke vom Juni wieder. Der enge Gruppenverband hat sich bis heute nicht verändert, nur gelegentlich sondert sich eine der Jungstuten mal kurz von der Herde ab. Trotzdem beschreibt die 45-Jährige ihre Schutzbefohlenen als neugierig, was sie gegenüber möglichen Futterpflanzen und den Besuchern zeigen. Gegenüber Menschen wahren sie aber einen Mindestabstand. „Der Fluchtinstinkt ist trotz Gefangenschaft voll intakt“, hebt Malzkorn heraus. Insgesamt würden sich die seltenen Pferde aber sicher fühlen. So legten sich alle fünf tagsüber schon zum Schlafen hin.

Przewalski-Pferde in Babenhausen

Przewalski-Pferde in Babenhausen

Ein fester Rhythmus steht dagegen noch aus: „Man kann nicht sagen, morgens sind sie da und mittags dort.“ Auch eine Führungsstruktur mit einem Leittier ist bisher nicht erkennbar. Fünf junge Stuten zusammenstecken würde Bundesforstmitarbeiterin Paulin Kamman allerdings nicht mehr: „Es wäre vermutlich besser, wenn ein älteres Tier eine Leitfunktion ausübt.“ Positive Erkenntnisse brachte das Waldareal, das man erweiternd zum FFH-Gebiet hinzunahm. Hier lassen sich die Vierbeiner besonders oft antreffen. Vor allem zum Schutz vor der Witterung fühlen sie sich hier wohl. Bei Sturmwarnungen müssen sie das abtrennbare Areal allerdings verlassen: Zu groß ist die Angst, dass es Verletzungen durch herabfallende Äste gibt.

Für die Besucher beim Info-Abend, die in überschaubarer Zahl erschienen, war es interessant, ob demnächst ein Hengst zu erwarten ist. „Das entscheidet das EEP“, so Kamman. In deren Händen liegt es auch, ob generell weitere Tiere hinzukommen. So wären zehn bis zwölf Pferde auf dem 62 Hektar großen Gelände kein Problem. Über genaue Kosten, die das Przewalski-Projekt mit sich bringt, hielt man sich am Info-Abend bedeckt. „Billig ist es nicht“, wurde als einziger Satz verlautbart. Sicher ist, dass die Finanzierung weitestgehend von der Adam Opel AG getragen wird, die damit Ausgleichszahlungen für ihre erweiterte Teststrecke in Dudenhofen leistet. Wer die Przewalskis einmal sehen will, kann dies am Ausguck probieren oder sich den monatlichen Führungen der Stadt anschließen. Ängste, dass die Pferde bald in den Steppen Zentralasiens ausgewildert werden, oder dass in einem solchen Fall keine Artgenossen mehr nachkommen, sind unbegründet: Auf 30 Jahre sind die Zahlungsverpflichtungen von Opel ausgelegt.

Quelle: op-online.de

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