Konversion soll auch als Flüchtlingsstandort vorangetrieben werden

Flüchtlinge: „Quadratur des Kreises bei Kaserne“

Wie geht´s weiter in der Kaserne? Die Planungen laufen an, nicht zuletzt für den historischen Teil. - Foto: Scharkopf/Archiv

Babenhausen - Sie leben in Zelten ohne Boden, ohne Heizung, und der erste Frost ist nicht mehr fern. Derzeit sind in Hessen über 7000 Flüchtlinge in witterungsanfälligen Behausungen untergebracht. Von Stefan Scharkopf 

Eine Lösung muss her, und so rückt auch Babenhausen in den Blickpunkt des Landes. Alles ging ratzfatz: In einem kurzfristig anberaumten Termin im Hessischen Innenministerium in Wiesbaden legte Innenminister Peter Beuth (CDU) im Schulterschluss mit Sozial- und Finanzministerium den Vertretern von Kreis Darmstadt-Dieburg und Stadt Babenhausen am Freitag dar, wie prekär die Lage in den hessischen Ernstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge ist. „Derzeit sind in Hessen über 7000 Menschen in Zelten teils ohne festen Boden untergebracht. Diese sind bis an die Kapazitätsgrenzen gefüllt und kaum beheizbar. Ziel muss daher sein, möglichst viele Menschen vor dem ersten Frost aus den Zelten heraus in trockene und beheizbare Räume zu bringen.“

So schilderte es Bürgermeister Achim Knoke am Dienstag am Rande der Bauausschusssitzung und erläuterte, wie die Stadt Babenhausen als Standort für eine Ernstaufnahmeeinrichtung ins Gespräch kam. Nachdem viele in Frage kommende Immobilien vom Land Hessen begutachtet wurden, ist auch die Kaserne Babenhausen als geeignet eingestuft. „Der Zugriff der Landesregierung auf die Immobilien des Bundes zum Zwecke der Flüchtlingshilfe ist sehr weitreichend“, sagte Knoke. „Wir hatten die Wahl, Teil einer Lösung zu sein, oder einer Lösung lediglich zuzustimmen.“

Knoke: Erstaufnahme unterhalb von 1500 Flüchtlingen nicht sinnvoll

Angesprochen auf die Zahl 1500, sagte der Rathauschef, dass eine Erstaufnahme unterhalb dieser Zahl wegen der umfangreichen Logistik nicht sinnvoll sei. Für Babenhausen seien auch höhere Zahlen ins Gespräch gebracht worden, schließlich habe man sich auf die 1500 geeinigt. Da Babenhausen nun ein Erstaufnahmestandort ist, wird die Stadt aus dem Verteilerschlüssel herausgenommen. Das heißt, dass in der Kernstadt und in den Stadtteilen keine weiteren Flüchtlinge mehr einquartiert werden müssen.

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Bislang bestand Einigkeit, dass – wie berichtet – eine Entwicklung des Areals nur ganzheitlich erfolgreich sein kann. „Durch die aktuelle Notlage ist allen Beteiligten klar, dass andere Wege gefunden werden müssen, um einerseits die Lage vieler Flüchtlinge sehr zeitnah zu verbessern, andererseits die Entwicklung der Kaserne Babenhausen nicht zu verhindern. In Abwägung dieser Interessen wird derzeit ein Plan erarbeitet, der einen Weg zur sehr zeitnahen Unterbringung der bis zu 1 500 Flüchtlinge aufzeigt und die weitere Entwicklung der Liegenschaft trotzdem sicherstellen soll“, so Knoke. „Wir versuchen eine Quadratur des Kreises, nämlich die Konversion zeitnah zu entwickeln, aber einige Teile zunächst auszusparen.“

Dabei arbeiten die Investoren mit Stadt, Landkreis, Ministerien und die Bundesagentur für Immobilienaufgaben „eng zusammen“. Wegen des Zustandes des Fernwärmenetzes in Verbindung mit dem sehr engen Zeitplan wird derzeit geplant, die dem Heizkraftwerk nahegelegenen Mannschaftsquartiere zwischen Freibad und historischem Teil der Kaserne zu ertüchtigen. In der Babenhäuser Einrichtung werden Flüchtlinge erfasst und medizinisch erstversorgt. Sie bleiben bis zur Anerkennung oder Ablehnung ihres Asylantrags in der Einrichtung. In diesem überschaubaren Zeitraum besteht für die Kinder der Asylsuchenden kein Anspruch auf einen Kita-Platz und keine Schulpflicht. Die Betreuung und Versorgung liegt in den Händen des Landes Hessen.

Tag des offenen Denkmals in der Kaserne Babenhausen

„Tag des offenen Denkmals“ in der Kaserne 

Knoke rechnet damit, dass einige Arbeitsplätze entstehen, etwa im Bereich der Verwaltung oder im Sicherheitsdienst. Die Asylsuchenden werden vom Land regelmäßig mit Mahlzeiten versorgt, dadurch könne sich auch das wirtschaftliche Umfeld beleben. Das Innenministerium sehe in einer „moderaten Nutzung der Kaserne in Zusammenarbeit mit Stadt und Landkreis die beste Möglichkeit, um eine schnelle Unterbringung der Flüchtlinge einerseits, eine für Babenhausen tragbare Vorgehensweise zur Kasernenentwicklung andererseits zu ermöglichen“, so Knoke.

Derweil gibt es Anfragen von Bürgern, ob und wie sie Sachspenden zur Verfügung stellen können. Interessenten sollten sich per E-Mail an die Adresse fluechtlings hilfe-babenhausen@t-online. de wenden. Der Landkreis hat ein Infotelefon ausschließlich für Fragen rund um die Flüchtlingshilfe geschaltet. Unter 06151/8812222 ist montags bis freitags zwischen 9 und 12 Uhr eine Mitarbeiterin der Kreisverwaltung für Fragen rund um das Thema telefonisch erreichbar. Mit der gesonderten Rufnummer möchte die Kreisverwaltung dazu beitragen, Fragen und Hilfsangebote aufzunehmen und zu koordinieren – nicht nur in Babenhausen.

Quelle: op-online.de

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