Im künftigen Baugebiet Lachewiese 2

Erhalt oder Verkauf des Radwegs?

Babenhausen - Geht es nach dem Willen von Ortsbeirat und Bauausschuss, bleibt der Radweg zwischen Potsdamer Straße und Bürgermeister-Willand-Straße bestehen; so das Votum der Gremien in der jüngsten Sitzung. Doch entschieden wird im Stadtparlament – da kann es zu ganz anderen Mehrheiten kommen. Von Stefan Scharkopf

 

Die aktuelle Planung für das künftige Baugebiet Lachewiesen 2 sieht vor, auf den Radweg zu verzichten. In jüngster Zeit hatten sich aber Stimmen für dessen Erhalt erhoben. Die Befürworter sehen in dem Geläuf eine „wichtige und sichere stadträumliche Verbindung der größten Wohngebiete zum Schul- und Sportzentrum der Stadt“, der durch den weiteren Ausbau des Zentrums gar noch an Bedeutung gewinnen werde, heißt es in einem Antrag der FWB. Wie berichtet, hatte Anwohnerin Hannelore Brenner, die unter einer Gehbehinderung leidet, für den Erhalt des Radwegs rund 800 Unterschriften gesammelt.

Bürgermeister Achim Knoke dagegen gehört zu denjenigen, die den Weg als Baugelände verkaufen wollen, und zwar aus zwei Gründen. Zunächst die monetären: Verkauft die Stadt das Gelände nicht, muss sie auf mindestens 56.480 Euro aus dem Erlös für die Grundstücke verzichten und hätte zudem jährliche Pflegekosten von 1 100 Euro. Sollte der Weg gar ausgebaut werden, wären die Kosten ungleich höher. Noch wichtiger sei aber die stadtplanerische Sicht. Bei Erhalt des Wegs würde ein 150 Meter langer „Angstraum“ zwischen den Grundstücken mit nur zwei Ausgängen entstehen. In der Debatte im Ausschuss unterstrich Knoke, dass der Fußweg ja nicht wegfiele, sondern es einen neuwertigen Ersatz gebe. So müssten die Schüler von der Danziger Straße aus lediglich die Potsdamer Straße überqueren, um dann auf der verkehrsberuhigten, gepflasterten und beleuchteten Spielstraße zur Schule kommen und nicht mehr rechts die Potsdamer Straße runter fahren, um durch „Pfützen und den langen Schlauch“ zu radeln.

Adolf Breer (SPD) hielt Knoke vor, die Stadt versuche durch die Umwandlung des Radweg in Bauland den städtischen Haushalt zu sanieren, dafür aber gewachsene Strukturen zu zerstören. Volker Wolkenhauer (ebenfalls SPD) bemängelte, dass es in dem „hochverdichteten Baugebiet“ ohnehin zu wenige Querverbindungen gebe. Frank-Ludwig Diehl (Grüne) sagte, dass die Erfahrung zeige, dass in Spielstraßen zu viele Autos parkten, so dass die Radler auch hier Gefahren ausgesetzt seien.

Friedel Sahm (CDU) meinte dagegen, vor dem Hintergrund leerer Kassen sei der Verkauf des Geländes wichtig. „Wenn das Geld fehlt, zahlen andere Bürger die Zeche. Wir sind aber für alle da.“ Er monierte auch, dass diejenigen, die die Liste Brenners unterschrieben hatten, keinen Einblick in die neue Route gehabt hätten. Um auf die von der Schließung betroffenen Familien dennoch zuzugehen, hatte die CDU in Absprache mit dem Investor der Familie Brenner einen Vorschlag unterbreitet. Demnach könnte sie einen Teil des Geländes für 18.000 Euro – in Ratenzahlungen – kaufen. Sie hätte dann eine Stichstraße, über die sie den hinteren Teil ihres Anwesens nutzen könnte. Gleiches Angebot gelte auch für die Nachbarfamilie.

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Im Bauausschuss wurde Hannelore Brenner Rederecht eingeräumt. Sie wehrte sich dagegen, dass von „Einzelinteressen“ gesprochen werde. Der Radweg sei eine Verbindungslinie zwischen Ostbezirk und Schule. Sie befürchte, dass die Kinder im Zickzackkurs durch Spielstraßen im Neubaugebiet fahren müssten. Auch die Fahrt mit dem Rad zum neuen Spielplatz in der Potsdamer Straße sei auf dem Radweg ebenfalls sicherer als die Fahrt durch die verschiedenen Wohngebiete. Den angeboten Kauf werde sie ablehnen, weil sie den betroffenen Schülern nicht in den Rücken fallen wolle. „Das käme mir wie eine arglistige Täuschung, ja wie Verrat vor.“ Und weiter: „Sie werden doch sicher verstehen, dass wir den vor 40 Jahren erworbenen Bauplatz gerade wegen der Möglichkeit, durch eine genehmigte Gartentür auf die damals geplante Straße zu gelangen, Gebrauch machten. Wir sehen deshalb auch nicht ein, dafür nun zu zahlen.“ Die endgültige Entscheidung dürfte in der Parlamentssitzung am Mittwoch fallen.

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Quelle: op-online.de

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