Langstädter Guido Baur schließt sich einer Tour nach Mauretanien an

Rallye für guten Zweck

+
Guido Baur mit seinem Auto, das demnächst in Mauretanien fährt.

Langstadt - Über Sandpisten durch den Maghreb: Für Guido Baur ist das Urlaub – aber auch Unterstützung einer humanitären Aktion. Von Stefan Scharkopf

Afrika hat es Guido Baur einfach angetan. Der Langstädter „Oigeplackte“ mit Badener Zungenschlag ist ein großer Fan des riesigen Kontinents. Besonders für den Maghreb kann er sich erwärmen. Genauer: für den nordwestlich gelegenen Staat Mauretanien. Seine Leidenschaft für das Land, das fast dreimal so groß wie Deutschland ist und zum größten Teil aus Wüste besteht, hat mit seinem Hobby zu tun. Baur fährt gerne Rallye. So nahm er beispielsweise 2007/08 auf Amateurbasis an der Tuareg-Rallye teil. Unterwegs war er mit einem modifizierten Kia Sorento. Staub und Dieselgeruch – für Baur eine unwiderstehliche Mischung, die dafür verantwortlich war, dass er noch einige weitere Male in Afrika unterwegs war. Seit dem Jahr 2000 lebt der selbstständige Ingenieur in der hiesigen Region, zunächst in Dieburg, seit 2012 in Langstadt. Dort hat er die ehemalige Gaststätte „Rose“ gekauft. Das Haus baut er mit seine Frau Dany derzeit um.

„Das Thema Afrika ist für mich nicht erledigt“, sagt der 49-Jährige. So wird er Ende des Jahres zum Wiederholungstäter. Für drei Wochen geht es wiederum nach Mauretanien. In erster Linie, um Urlaub zu machen – aber eben nicht nur. Baur schließt sich einem Tross von Autofans an, die ihrem Hobby frönen und gleichzeitig etwa Gutes tun wollen. Ende Dezember machen sich die beiden Baurs mit ihrem alten Mercedes (W124) auf den Weg in den Wüstenstaat, um mit dem Verkauf des Fahrzeugs ein Waisenhaus zu unterstützen. Sie schließen sich der Rallye „Dust and Diesel“ an. Inspiriert von der Rallye Paris-Dakar wurde das humanitäre Projekt 2006 vom Würzburger Florian Schmidt mit dem Ziel ins Leben gerufen, Waisenhäuser finanziell zu unterstützen. Zweimal im Jahr führt die Tour von Deutschland über Frankreich, Spanien und Marokko nach Mauretanien, wo die Fahrzeuge meist en gros verkauft werden. Danach geht es mit Buschtaxis weiter in den Senegal; dort wird zum Schluss das Tourende gefeiert und anschließend wird von der Hautpstadt Dakar der Rückflug angetreten.

„Der Erlös der Fahrzeugverkäufe kommt zu 100 Prozent der Mauretanienhilfe zugute, die sich um hilfsbedürftige Kinder kümmert. Hier weiß ich, dass das Geld den Kindern direkt zufließt und nicht in irgendwelchen dunklen Kanälen verschwindet“, sagt Guido Baur, „deshalb mache ich mit.“ Verkaufen will der 49-Jährige seinen alten Mercedes W 124. „Wichtig ist, dass es ein Dieselfahrzeug ist“, meint Baur, „mit einem Benziner ist man recht chancenlos.“ Für sein Auto, da ist sich Baur sicher, gibt es an jeder Straßenecke beispielsweise eine Wasserpumpe und andere Ersatzteile zu kaufen; es ist für die Einheimischen also attraktiv.

Geschraubt hat Baur an dem dunkelblauen, robusten Gefährt auch einiges. Es wurde höhergelegt, um die Ruckelpisten besser zu beherrschen, ein Dachständer mit den Ersatzreifen, Sandblechen, Ersatzkanister und Schaufel sind bereits montiert. Zusätzliche Scheinwerfer sollen gute Dienste beim Überholen in Afrika leisten. Jetzt heißt es nur noch, die Vorfreude auf die 7 500 Kilometer lange Tour zu genießen. An Heiligabend wird zunächst die alte Heimat Baden-Baden angesteuert, dann geht´s weiter ins südspanische Tarifa, wo sich der ganze Rallye-Tross mit 20 bis 25 Teilnehmern trifft. Dort liegen die ersten 2 500 Kilometer hinter den Baurs. Sie müssen pünktlich sein, denn am 28. Dezember um 19 Uhr gibt es ein Briefing. Tags drauf setzen die Autofans mit der Fähre nach Marokko über und nähern sich via Fes und

Marrakesch dann Mauretanien. Über Sandpisten, Dünen und am Atlantikstrand entlang geht es in die Hauptstadt Nouakchott, wo die Autos verkauft werden und der Erlös an ein staatlich anerkanntes deutsch-mauretanisches Kinderhilfsprojekt übergeht. „Wir werden jeden Tag so um die 500 bis 600 Kilometer fahren“, sagt Guido Baur, „da haben wir noch die Muße, uns etwas anzusehen.“ Um schnelle Zeiten geht es ohnehin nicht – nur darum, Spaß zu haben, sich den Dieselgeruch um die Nase wehen zu lassen und Gutes zu tun.

Quelle: op-online.de

Kommentare