Wegen Essensresten im Kanal

Ratten tauchen im seltenen Fall im Bad auf

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Babenhausen - Die Stadt registrierte mehr Anrufe wegen unerwünschter Nager. Der Grund: Essensreste im Kanal. Von Stefan Scharkopf 

Die Reste vom Sonntagsmenü, der lästige Verband am Fuß oder die Überbleibsel vom neuen Tapetenanstrich: Klodeckel hoch, rein damit, Deckel runter, spülen, fertig. Alles wandert in die dunklen Weiten der Kanalisation. Problem gelöst. Oder doch nicht?

Derzeit registriert der Eigenbetrieb Stadtentwässerung wieder verstärkt Anrufe von Bürgern, die sich mit Ratten herumärgern müssen. Im seltenen Fall zeigt sich Rattus rattus nämlich mal im Badezimmer, wenn sie übers Abflusssystem gesponsert wird. Angelockt wird das Viehzeug von allem, was in irgendeiner Weise essbar ist - und eben in die Kanalisation gespült wird, obwohl´s dort nichts verloren hat. Mit großem Aufwand muss das Kläranlagenpersonal Kanäle, Leitungen, Pumpen und Maschinen von Unrat befreien. Die Kosten für die Reinigung belasten den Gebührenhaushalt der Stadtentwässerung zusätzlich.

„Die Abwasserkanäle sind ausschließlich für die Ableitung von häuslichen und industriellen Abwässern sowie des Niederschlagswassers konzipiert. Andere organische und anorganische Stoffe können in der Kläranlage nur mit zusätzlichem maschinellen Aufwand aus dem Abwasser herausgeholt und beseitigt werden. Was leichtsinnig in den Ausguss geschüttet wird belastet die Kanalisation, gefährdet unsere Gewässer und erhöht die Betriebskosten der Kläranlage“, erinnert einmal mehr die Stadtverwaltung.

Ungestörtes Vermehren

Über die Kanalisation dürfen aus dem häuslichen Bereich ausschließlich Fäkalien und Toilettenpapier entsorgt werden. Essensreste locken die Ratten in die Röhren und dort vermehren sie sich ungestört. In der jüngsten Zeit wurden wieder mehr Ratten-Sichtungen beim Eigenbetrieb Kommunale Dienstleistungen gemeldet. Durch den Nestbau der Tiere kommt es zudem zu Verstopfungen - schlimmstenfalls durch die Aushöhlungen gar zu Straßeneinbrüchen.

Wie es auf Anfrage unserer Zeitung im Rathaus heißt, gibt es jährlich eine Schädlingsbekämpfung in der Stadt. Ab etwa Mai erledigt eine Firma Kanalspülungen, danach werden Köder ausgelegt, um der Rattenplage Herr zu werden. Wenn im Laufe des Jahres dann aber wieder Speisereste via Toilette entsorgt werden, stehen neue Viecher auf dem Plan.

Doch die unangenehmen Nager sind nicht das einzige Problem. Feststoffe wie Verpackungen, Windeln, allerlei Hygiene-Artikel, Rasierklingen, Wattestäbchen und Kleintierstreu tauchen ebenfalls in der Kanalisation auf. Zu entsorgen ist dieser Krempel aber über den Hausmüll. Alt- und Maschinenöle, Speisefette, Farben- und Lackreste sowie Chemikalien sind bei der Sonderabfallsammlung oder in den Verkaufsgeschäften kostenlos abzugeben. Überbleibsel von Medikamenten können beim Arzt oder Apotheker zurückgegeben oder zur Sonderabfallsammlung gebracht werden. Die Termine dafür stehen im Abfallkalender. Wer Fragen hat, kann sich auch an die Stadt wenden.

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Medizinisches Material wie Verbände, Mullbinden, Wundauflagen beispielsweise ist so fest, dass es die Laufräder der Pumpen verstopft und so das Abwasser nicht mehr weggeführt werden kann. Die Pumpen müssen mit großem Aufwand wieder instandgesetzt werden, beschreibt der Eigenbetrieb die Misere.

Kleinere und größere Plastikteile können sich vor und in Pumpen festsetzen. Dies hat zur Folge, dass die Pumpen trocken laufen. Das bewirkt wiederum, dass wegen des fehlenden Abwassers die Lager nicht mehr gekühlt werden, heißlaufen und die Förderräder ausschlagen. Das Abwasser kann nicht mehr abgeführt werden und die Pumpen müssen wieder mit hohem Kostenaufwand instandgesetzt werden. All´ das muss nicht sein, wenn alles ordentlich entsorgt wird.

Artikel wurde am 12.12.2014 um 10:30 Uhr aktualisiert

Quelle: op-online.de

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