„Rausschmiss“ aus der Kita

Sieben gehen, 70 wollen rein

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Lars Reidel wird „rausgeschmissen“, der Andrang auf seinen freien Kindergartenplatz ist groß.

Babenhausen - Vom Universitätsbesuch sind sie zwar noch ein gutes Stückchen entfernt, dennoch stand der Doktorhut den künftigen ABC-Schützen des evangelischen Kindergartens ausgesprochen gut: Um das Ende dieser Ära zu würdigen, wurden jetzt sieben Kinder aus der Kita „rausgeschmissen“ – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Von Corinna Hiss 

Damit der Wurf nicht auf dem harten Boden endete, waren natürlich Matratzen ausgelegt. Bei den Kindern mischte sich zu der Aufregung dennoch ein bisschen Zurückhaltung, schließlich wurden sie von den Erzieherinnen an Händen und Füßen gepackt, ein paar Mal hin und her geschaukelt und dann langsam los gelassen. Nachdem alle das Prozedere durchgemacht hatten und nun offiziell keine Kindergartenkinder mehr waren, bekamen sie noch die Doktorhüte aufgesetzt, mit denen sie sich wie die „Großen“ fühlen konnten. Der traditionelle Rausschmiss war aber nicht das Einzige, das Kinder, Erzieher, Eltern und Großeltern an diesem Mittag zusammenkommen ließen. „Unser Kindergarten darf wachsen“, verkündete Pfarrerin Andrea Rudersdorf erfreut. Erst vergangene Woche war der Vertrag zwischen Stadt und Kirchengemeinde unterzeichnet worden, sodass dem geplanten Neubau und der Erweiterung an Kitaplätzen in der Kernstadt nun nichts mehr im Wege steht.

Zurzeit werden 25 Mädels und Jungs im Gebäude in der Martin-Luther-Straße betreut, das bereits schon in die Jahre gekommen ist. Aus Platzgründen ist es den Erziehern auch nicht möglich, weitere Kinder aufzunehmen oder gar eine zweite Gruppe zu gründen – obwohl die Nachfrage riesig ist. „Auf die sieben Plätze der Abgänger hatten wir rund 70 Anmeldungen“, berichtete Pfarrerin Rudersdorf. Neben den drei städtischen Kitas in der Kernstadt bietet der evangelische Kindergarten als einziger ein religionspädagogisches Konzept an. Dabei sind nicht nur Protestanten willkommen. „Wir haben auch acht muslimische Kinder aufgenommen. Solange deren Eltern kein Problem damit haben, dass wir beten oder biblische Geschichten behandeln, sind wir diesbezüglich offen“, erläuterte Erzieherin Debora Trautmann.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Mit dem unterschriebenen Kitabetreibervertrag können die Verantwortlichen endlich auf die wachsende Nachfrage der Babenhäuser eingehen. Ein Neubau, in der der evangelische Kindergarten untergebracht wird, soll bis 2019 fertig sein. Bis dahin gilt eine Übergangslösung. „Wir hoffen, dass wir bereits Anfang nächsten Jahres ins Sophie-Kehl-Heim umziehen können“, so die Pfarrerin. Dort soll es dann auch zwei bis drei Gruppen geben. Im Neubau, ist angedacht, auf vier Gruppen zu erweitern und zudem U 3-Betreuung anzubieten. Dass die Gegebenheiten in der Martin-Luther-Straße nicht mehr zeitgemäß sind, zeigt sich auch an einem anderen Aspekt. „Bei uns gibt es kein Mittagessen, der Kindergarten schließt spätestens um 14 Uhr“, bedauerte Rudersdorf. Im Neubau soll sich das ändern. Dann wird es auch Ganztagsbetreuung geben.

Nicht nur für die evangelische Kirchengemeinde ist die Entwicklung ein positiver Schritt nach vorne, auch Bürgermeister Achim Knoke befürwortet die Erweiterung. „Sobald die Zustimmung des Landkreises vorliegt, kann der Umzug vorbereitet werden“, schreibt er in einer Pressemitteilung. Für die Protestanten heißt es nun: weiteres Personal finden. Lars Reidel wird den Alltag im Sophie-Kehl-Heim nicht mehr mitbekommen. Für den Sechsjährigen ist die Kindergartenzeit zu Ende. „Ich freue mich auf die Schule“, erzählte er stolz, den Doktorhut auf dem Kopf. Aber eins wird er doch vermissen: die Fußballspiele mit seinen Kumpels.

Quelle: op-online.de

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