m Wochenende sind Kunst- und Kulturtage

Realität wird effektvoll inszeniert

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Nein, Selbstporträts malt Willi Seibert eher nicht, vielmehr hat es ihm sein Heimatort Hergershausen angetan. Am Wochenende stellen er und viele weitere Künstler ihre Arbeiten aus.

Hergershausen - In seinen Bildern zeigt der Hergershäuser Maler Willi Seibert gerne seinen Heimatort – allerdings eher abstrahiert. Von Petra Grimm 

Klare, großzügige und reduzierte Formen in eher gedeckten, warmen Farben bestimmen die Bilder von Willi Seibert. Unter den Motiven dominieren Gebäude in der Landschaft, deren markante, oft übersteigerte Linien das ganze Gemälde zu strukturieren scheinen. Details, wie Fenster oder Giebel, lässt er weg. So kommt die Form der Häuser, Kirchen oder auch Industrieanlagen, die mit der weichen Landschaft kontrastieren, besser zur Geltung. Die Realität wird nicht einfach abgebildet, sie wird effektvoll inszeniert.

Die Arbeiten des gebürtigen Hergershäusers, in gegenständlich bis kubistisch abstrahierendem Stil gemalt, sind zweifellos besonders. Seine Bilder in Acryl und gelegentlich auch in Ölfarbe zeigen überwiegend Motive seines Heimatdorfes, ganze Straßenzüge im historischen Ortskern, im Hintergrund die evangelische Kirche, die Gersprenz mit der Hergershäuser Mühle, aber auch markante Gebäude der Babenhäuser Altstadt, das Darmstädter Staatstheater oder Eindrücke von Reisen sind zu sehen. Tiere oder Menschen bildet er eher selten ab. Sie stehen eindeutig nicht im Fokus seines künstlerischen Schaffens, das bis in seine Kindertage zurück reicht.

Bereits während seiner Schulzeit habe er viel gemalt und gezeichnet, was aber von den Eltern nicht unbedingt gerne gesehen wurde, wie er schmunzelnd erzählt. In deren landwirtschaftlichem Betrieb gab es viel zu tun und ein Kind war damals auch eine Arbeitskraft. „Das war aber ganz normal und man hat es nicht als Belastung gesehen“, sagt der 75-Jährige, der eine Ausbildung zum Landwirt gemacht und als Angestellter bei der gesetzlichen Krankenversicherung gearbeitet hat.

Erst im Ruhestand ab 2003 hat er sich ganz seiner Leidenschaft, der Malerei, gewidmet und seinen eigenen, vom Kubismus inspirierten Stil entwickelt. Durch ein Seniorenstudium an der TU Darmstadt, das ihn in Mal- und Zeichenkurse des Fachbereichs Architektur bei Professor Horst Böhme führte, bildete er sich weiter. Ebenso durch verschiedene Workshops der Sommerakademie in Kronach. Im Malkreis „Lichtwiese“ findet er den für ihn wichtigen Austausch mit anderen Künstlern. Auch den Künstlerstammtisch in Babenhausen besucht er regelmäßig. Eine der ersten Ausstellungen im Rathaus bestand aus seinen Bildern.

„Ein großes Vorbild von mir ist Lyonel Feininger“, sagt er, während er durch sein Wohnhaus führt, das einer Galerie gleicht, denn hier sind über alle Stockwerke 20 bis 30 seiner Gemälde verteilt. Motive, die ihn interessieren, werden zunächst fotografiert und dann zuhause in seinem Atelier in einem hellen Kellerraum mit einem Bleistift auf Zeichenkarton skizziert. „Um die Form zu finden“, wie er sagt. Erst dann beginnt Seibert überwiegend mit Acrylfarbe („Die trocknet schneller und ist genauso wirkungsvoll wie Öl“) sein Werk. „Oft male ich mehrere Bilder, sozusagen Probebilder von einem Motiv. Wenn ich unzufrieden bin, übermale ich auch ganze Partien in einem Bild nochmal“, so der Künstler, der für manche Arbeiten nur drei Stunden, für andere mehrere Wochen braucht. Er erinnert sich dann auch an die Ratschläge seines Professors, der während der Malkurse seine Schüler gelegentlich mit den Worten unterbrach: „Aufhören! Sonst besteht die Gefahr, es tot zu malen.“

‘ Willi Seibert ist mit einigen Bildern bei der Ausstellung während der städtischen Kunst- und Kulturtage am kommenden Wochenende, 7.und 8. November, in der Stadthalle vertreten. Die Öffnungszeiten sind am Samstag von 14 bis 20 Uhr und am Sonntag von 11 bis 19 Uhr.

Quelle: op-online.de

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