Rund 200 Helfer ermöglichen Reitturnier mit 1500 Starts

Erst hoch zu Ross, dann zur Party

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Miriam-Sabrina Pimpl vom gastgebenden Verein erreichte mit Nachwuchspferd Cojack den 5. Platz in der Springpferdeprüfung L.

Babenhausen - Ausgebucht: 1 500 Starts verzeichnete das 38. Babenhäuser Reitturnier an der Schwedenschanze. 200 Helfer waren vonnöten, die Organisation und Logistik zu stemmen. Von Ursula Friedrich 

Aufregende Zeiten für Fleur, Doro und Kiss: Auf ihrer Pferdesportanlage tummeln sich rund 1 000 weitere Artgenossen. Und deren Reiter haben ein gemeinsames Ziel: In den 31 Spring- und Dressurwettbewerben möglichst die Nase vorn zu haben. Beim 38. Babenhäuser Reitturnier an der Schwedenschanze tritt das Schulpferdetrio unter jungen Nachwuchsreitern ebenso an, wie die hochkarätigen Kollegen namenhafter Sportreiter. Mit 1 500 Starts ist auch dieses Turnier ausgebucht. Mehr wollen die Veranstalter nicht draufsatteln. Mit 200 Helfern an vier Turniertagen bei konstanter Buchung ist man ein eingespieltes Team.

Die tüchtigen Mädels in der Meldestelle, dem „Headcenter“ des Turniers, haben die Organisation fest im Griff, während junge Amazonen auf dem Dressurplatz anmutige Figuren reiten und im Springparcours ein Klappern den Fall der ein oder anderen Stange markiert. Der Monsunregen der vergangenen Wochen ist versiegt, ja fast wird es etwas zu heiß für die tüchtigen Rösser und Reiter im schwarzen Jacket.

Wer das Kleingedruckte in der Turnierbroschüre liest, stößt dennoch auf Neuerungen. Einer, der jahrzehntelang in vorderster Reihe stand, ist nun nicht mehr in unmittelbarer Verantwortung. Manfred Willand verkauft statt dessen entspannt Getränkebons und Schnitzelbrötchen. Sein Nachfolger im Vorsitz, Ingo Dries, ist für ein Interview nicht zu haben. Er moderiert das Sportgeschehen im Zwei-Phasen-Springen. Sein Stellvertreter Ralf Geißler hat eben das Geläuf mit dem Traktor geebnet. Die Bodenverhältnisse sind ein wichtiges Kriterium für die Sportler und werden gelobt.

Nach der 2015 erstmals gezündeten Reiterparty stellt man sich bereits darauf ein, dass auch am Samstag Abend wieder Heerscharen Feierfreudiger die Sportanlage zur Partymeile machen. „Mit 30 Jahren ist man dann alt“, so Geißler schmunzelnd. Neben dem Charakter einer großen Sportveranstaltung im ländlichen Raum, wird auch der Babenhäuser Geselligkeit Rechnung getragen. Am Samstag Abend sind die Jungen am Zug, der Montag wird mit Spanferkelessen, Langstädter Posaunenchor und dem S*-Springen mit Stechen eher die Älteren anziehen.

Noch ein Novum sticht ins Auge. Der von der Stadt ausgelobte „Preis Babenhausens“ im hochklassigen Springwettbewerb ist gestrichen. Das Sponsoring für die Großveranstaltung (im Januar waren 250 Euro zugesagt) des Traditionsvereins wurde auf Grund des finanziellen Schicksals der Stadt auf Null zurückgefahren.

Archivbilder

Bilder: 37. Reitturnier an der Schwedenschanze

Babenhausen steckt angesichts eines fehlenden Haushalts und keiner Mehrheit für deutliche Mehreinkünfte (Grundsteuer B) im Zwangskorsett, darf derzeit keine „freiwilligen Leistungen“ ausschütten. Allmählich serviert man den Bürgern die schmerzhaften Konsequenzen dieser politischen Weichenstellung. Gestrichen ist nicht nur der Turnierzuschuss, im Freibad wird die Heizung gedrosselt und bei ihrer Jahreshauptversammlung sind die Lewwerkäs’-Weck für die Freiwilligen Einsatzkräfte der Feuerwehr dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Wo Sponsoren fehlen, muss der Reit- und Fahrverein durch Qualität in der Bewirtschaftung punkten. „Über die Nenngelder kann man eine solche Veranstaltung nicht finanzieren“, sagt Geißler. Der Turniergastronomie eilt indes ein guter Ruf voraus. Vom Fruchtcocktail mit Quark und Müsli, Salaten, Schnitzel und Handkäs’ bis zum Spanferkel reicht das Angebot, die Karte wechselt täglich. Mit frischen Waffeln wirbt die Jugend an ihrem Stand. Die knapp 140 Kinder und Jugendlichen, die in Babenhausen das Reiten und Voltigieren erlernen, packen selbst an, um besondere Freizeitaktivitäten zu finanzieren, den Ausflug zum Umstädter Maislabyrinth und das viertägige Zeltlager, das im August ansteht. Zunächst heißt es jedoch Daumen drücken. Denn für die Kinder ohne eigenes Ross bietet das Turnier die Chance, auf dem Rücken von Fleur, Doro und Kiss in einem Wettbewerb zu starten – vielleicht gar ein Schleifchen zu gewinnen.

Quelle: op-online.de

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