Sanierung der St. Josefskirche

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Letzte Handgriffe im Heizungsraum: Die neue, gasbetriebene Anlage wärmt sowohl Gotteshaus als auch das Gemeindehaus der Kirchengemeinde.

Babenhausen -   Die Kirche und das Gemeindezentrum von St. Josef wurden umfassend saniert und mit einer neuen Heizungsanlage ausgestattet. Doch damit sind die Arbeiten nicht beendet. Von Ursula Friedrich 

Der Heilige Josef ist Namenspatron der Arbeiter. In der katholischen Kirche St. Josef gaben sich die Schützlinge des Heiligen in den vergangenen Monaten die Klinke in die Hand. Bereits vor Monaten klagte Pfarrer Ferdinand Winter über nasses Mauerwerk, insbesondere im Gemeindesaal wurden die Wände regelmäßig feucht. Schuld war eine innen liegende, dem Auge verborgenen Regenrinne, die zwar architektonisch als schick galt, nach vier Jahrzehnten allerdings unzweckmäßig, vor allem aber undicht wurde.

So erhielt das Gemeindehaus nun ein neues Blechdach mit moderner Dämmung, Regenrinne und neue Fenster. Im Keller des Gemeindezentrums sind die Fachbetriebe derzeit mit den letzten Arbeiten an der neuen Heizungsanlage beschäftigt. Hier wurde nicht nur von Öl auf Gas umgestellt. Künftig werden beide Gebäude, Kirche und Gemeindehaus, von einer zentralen Heizung versorgt.

Die umfassenden Arbeiten wurden im Frühjahr mit 500.000 Euro beziffert. Dieser Voranschlag wurde grob eingehalten, berichtete Klaus Kurbel aus dem Verwaltungsrat der Gemeinde. Etwa 70.000 Euro bringt die Pfarrgemeinde auf, den Rest, rund 430.000 Euro, schultert das Bistum Mainz. St. Josef hat Rücklagen gebildet, Spenden gesammelt und auch einen kleinen Kredit nicht ausgeschlossen – der nun eventuell größer ausfallen wird. Denn schon gibt es neue Sorgen. Die Immobilien bleiben pflegebedürftig, wie man während der Bauphase feststellte. „Beim Gerüstaufbau an der Kirche haben wir entdeckt, dass auch die Oberlichter der Kirche marode sind“, sagte Klaus Kurbel. Am Fensterband, das den Kirchenbau in lichter Höhe umgibt, sind weitere Arbeiten nötig. Die Vergitterung der bleiverglasten Fenster ist verrostet und undicht. Des Weiteren wurde beim Ausbaggern eines Grabens ein Kanal auf dem Kirchengrundstück freigelegt, der an mehreren Stellen schadhaft ist. Auf etwa 12.000 Euro schätzt der Verwaltungsrat die Sanierungskosten, nachdem ein Kanalroboter die Schäden im Untergrund analysierte. Weitere 50.000 Euro wird die Fensterrestaurierung verschlingen. Beim Bistum Mainz wurde bereits ein Kostennachtrag eingereicht, um auch diese Schäden an der Pfarrkirche St. Josef in Angriff zu nehmen.

Die Historie der Gotteshäuser legt dar, dass in der Zeit vor der Reformation in Babenhausen fünf Kirchen sowie die Wallfahrtskirche am Pfaffenweg nach Zellhausen existierten. Im 16. Jahrhundert gehörte die Gersprenzstadt dem Grafen zu Hanau, der seinen Untertanen jedoch den Übertritt zum protestantischen Glauben befahl. 1862 war die Zahl der Katholiken auf 74 gesunken. Drei Jahre währte der Neubau einer kleinen Kirche in Babenhausen, die am 8. August 1888 als St.-Josephs-Kapelle feierlich geweiht wurde. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Stadt 2 492 Einwohner, zehn Prozent waren Katholiken. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde kontinuierlich und 1906 wurde Babenhausen zur selbstständigen Pfarrgemeinde erhoben. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche durch Bomben beschädigt und 1947 notdürftig geflickt.

Durch Zuzug und Heimatvertriebene wuchs die Pfarrgemeinde Babenhausen mit ihren fünf Stadtteilen in der Nachkriegszeit auf 1 400 Katholiken an. Das heutige Gotteshaus der katholischen Gemeinde wurde 1971 durch Bischof Dr. Hermann Volk geweiht. Drei Architekten hatten sich in den 60er Jahren mit ihren Planungsentwürfen um den Neubau der Kirche samt Gemeindehaus beworben. Den Zuschlag erhielt 1968 der moderne Betonentwurf des Architekten Bauernfeind. Der Anlass des Kirchenneubaus im Zentrum Babenhausens war, zumindest teilweise, sehr erfreulich. Die alte, kleine Kirche konnte die wachsende Schar von Kirchgängern nicht mehr aufnehmen. In der Amtszeit von Pfarrer Franz Stolle gab es wieder 3 900 Katholiken in der Stadt.

Quelle: op-online.de

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