Junge Sanitäter helfen Kameraden an Offener Schule

Bis zu fünf Einsätze pro Woche

+
Die Herz-Lungen-Wiederbelebung war eins der Workshop-Themen am Freitag, als die Schumann-Schule das zehnjährige Bestehen seines Sanitätsdiensts feierte.

Babenhausen - Seit zehn Jahren bringen sich an der Joachim-Schumann-Schule Jugendliche als Sanitäter ein. Von Jens Dörr 

15 Sanitäter, bis zu fünf Einsätze pro Woche – und das nun schon seit 2005: An der Babenhäuser Joachim-Schumann-Schule gab es gestern den ganzen Vormittag über allen Grund, das zehnjährige Bestehen des Schulsanitätsdienstes zu feiern. Unter der Anleitung bereits ausgebildeter, älterer Schüler erprobten sich jene der Jahrgangsstufen fünf, sechs und sieben in diversen Erste-Hilfe-Techniken. Zugleich warben Schulsanitäter und die Johanniter Unfall-Hilfe für den Bereitschaftsdienst während der Unterrichtszeit.

Vor zehn Jahren trieb zunächst das Deutsche Rote Kreuz den Plan voran, an der Schumann-Schule einen Sanitätsdienst einzuführen. Bis dato entschieden vor Ort allein die Lehrer, ob bei Verletzungen, Krankheiten und Unfällen der Jugendlichen in der Schule „nur“ die Eltern oder gleich der Rettungsdienst gerufen werden sollte – oder die Sache schlicht halb so wild sei. Nach zwei Jahren führten die Johanniter den neu eingeführten Dienst fort, tun das bis heute.

Einer der ersten Schüler, der sich an der Schumann-Schule um seine Mitschüler kümmerte, war damals John Andreß. Der Babenhäuser ist heute 22 Jahre alt, arbeitet als Produktionsmechaniker bei Continental und bringt sich in seiner Freizeit „als Ausgleich“ bei den Johannitern ein. Andreß war einer der Rettungskräfte, die sich am Freitag in der Schule verteilten. Er zählt zu jenen Johannitern, die die Schumann-Schüler für den freiwilligen Sanitätsdienst ausbilden.

Das geschieht unter anderem an acht Wochenenden, an denen sich die Jugendlichen beispielsweise mit dem Anlegen von Verbänden, dem Stabilisieren in der Seitenlage, mittels Halskrause oder schlimmstenfalls gar mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung beschäftigen. Derlei gaben sie am Freitag auch in Workshops an die jüngeren Schüler weiter. Um an der Schumann-Schule in den Sanitätsdienst einsteigen zu dürfen, müssen die Jugendlichen mindestens 14 Jahre alt, zuverlässig, belastbar und teamfähig sein. Während der Ausbildungszeit müssen sie wie geschildert schlicht auch viel Freizeit aufwenden.

Wie werde ich ...? Notfallsanitäter

Im Ergebnis stehen im Optimalfall verantwortungsbewusst handelnde junge Menschen, die während zwei bis drei Schuljahren immer in Zweierteams den Bereitschaftsdienst im Wechsel mit ihren Mitstreitern übernehmen. Im Falle von Tagen, an denen sie Klassenarbeiten schreiben, sind sie davon entbunden. Vertreterregelungen gibt es auch bei Erkrankung eines Schulsanitäters.

Dass diese an der 1 100 Schüler starken Babenhäuser Bildungsstätte kein Showprojekt sind, sondern sich fast täglich konkret um andere kümmern, verdeutlichen die Angaben von Andreß: Bis zu fünf Einsätze pro Woche kämen manchmal zustande. „Oft kommt es in Folge von Streitigkeiten oder Stürzen vom Klettergerüst zu Verletzungen“, beschrieb er es am Freitag. Die Sanitäter überprüften dann etwa Puls und Blutdruck, unternähmen auch einen „Bodycheck“, im Rahmen dessen zum Beispiel Knochenbrüche festgestellt werden könnten. In der Folge hätten die Schüler klaren Einfluss auf die Entscheidung, ob man den Rettungsdienst verständige. Dies sei inzwischen nicht mehr allein Sache der Lehrer, obgleich diese – auch aus haftungsrechtlichen Bedenken – noch immer die Nummer sicher wählen könnten.

Für die Johanniter, die die Babenhäuser an ihrem Standort in Dieburg bei insgesamt 80 Unterrichtsstunden sowie jährlich zwei Auffrischungen ausbilden, scheint der Sanitätsdienst an der Schumann-Schule erst einmal ein schlechtes Geschäft – weniger Anfahrten wegen weniger Einsätzen vor Ort bedeuten schließlich weniger Einnahmen. Andererseits werbe man auf diese Weise für eine ehrenamtliche oder hauptberufliche Karriere bei den Johannitern, erläuterte Andreß.

Quelle: op-online.de

Kommentare