Manche sind groß wie Teller

Schon über 400 Stück: Die Uhrensammlung von Egon Krautwurst

Schaafheim - Ob schrill, bunt oder in feinem Art-déco-Stil: Zeitanzeiger gibt ist es in vielen Varianten. Egon Krautwurst sucht noch nach der „einen“. Von Katrin Muhl 

Egon Krautwurst mit seiner Lieblingsuhr im Bauhaus-Stil und eine Französische Buffet-Uhr von Anfang des 20. Jahrhunderts.

„Das sind aber tolle Uhren.“ Interessiert beugt sich eine Frau über den Tisch, blickt auf und lächelt Egon Krautwurst fragend an. Der Schaafheimer Sammler lässt sich nicht lange bitten und zieht allerlei nennenswerte Fakten zu seinen ungewöhnlichen Schmuckstücken aus dem Hut. „Französisches Dekor“, „aus verschiedenen Epochen“ und „einzigartige Modelle, kaum noch zu bekommen“, sagt er. Mehr als 400 Uhren schmücken den Wohnzimmerschrank von Egon Krautwurst. Ein Teil seiner Modelle war auch jüngst beim Sommerfest der Sängervereinigung zu sehen. Seine Schätze stehen derweil zuhause, sicher verstaut in der Ablage, die mittlerweile eine ganze Wand einnimmt.

Wie viele Zeitanzeiger er tatsächlich besitzt, weiß Krautwurst selbst nicht ganz genau. „Es sind einfach zu viele, als dass ich sie mal eben zählen könnte“, sagt er verschmitzt. Seine Leidenschaft für Uhren entwickelte der gelernte Innenarchitekt mit der Erkenntnis, dass sich ihre Designs an den jeweiligen Wohnstil verschiedener Jahrzehnte anpassen. Um nicht vollständig den Überblick zu verlieren, beschränkt sich Krautwurst auf Tischuhren. Die findet er auf Flohmärkten, in Antikläden und Katalogen. Ein echter Blickfang sind die aufwändig mit Figuren verzierten Uhren, die Anfang des 20. Jahrhunderts Buffets in den gutbürgerlichen Häusern und Schlössern Frankreichs zierten. Hübsch muten auch die verschnörkelten Art-déco-Exemplare aus den 1920ern/30ern an.

Ebenso ansehnlich wie praktisch waren – und sind – die analogen Weltzeituhren. Tellergroß und bemalt mit goldener Farbe, die die Umrisse der Kontinente nachzeichnet. „In der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland, so um 1960 herum, waren diese neuen Uhren eine echte Erleichterung für Geschäftsleute, die international vernetzt waren. Am Ziffernblatt konnten sie auf einen Blick ablesen, wie viel Uhr es zum Beispiel in New York, Singapur oder Indien ist“, erklärt Krautwurst. Weniger stilvoll, dafür schrill und bunt kommen die Plastikgehäuse aus den 70ern daher. Was billig aussieht, hat heute Seltenheitswert, erklärt Krautwurst: „Schon damals machte ich eine Wegwerfmentalität breit. Kaputte Uhren wurden nicht mehr repariert, sondern kurzer Hand entsorgt. So kommt es, dass heute nur noch sehr wenige Vertreter einer Serienproduktion übrig sind. Um ehrlich zu sein, viele Designs sind nicht mehr zu bekommen.“

Des Sammlers Liebling überrascht dagegen als vergleichbar schlichte Ausführung aus den 1950er Jahren. Das Ziffernblatt ist rechteckig, etwa so groß wie eine Männerhand und im nüchternen Bauhaus-Stil gehalten. „Diese geraden Linien, toll“, findet Krautwurst. Mindestens genauso stolz ist er auf einige Raritäten aus dem Ausland: „Sie kommen aus Russland, Hawaii, China, Indien oder Ägypten. Entweder habe ich sie selbst aus dem Urlaub mitgebracht oder sie wurden mir von Freunden geschenkt.“ Schmunzelnd ergänzt er: „Mittlerweile wissen alle, womit sie mir eine Freude machen können.“ Krautwursts Traum wäre eine bestimmte, wirklich seltene Uhr: „Ich hadere noch, denn Preise dafür liegen im fünfstelligen Bereich und für das Geld könnte ich auch eine Menge andere Uhren kaufen.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Muhl

Kommentare