Breitbandausbau beginnt in Babenhausen

Auf schnellen Wellen surfen

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Nicolas von Schüssler beaufsichtigt die Bohrarbeiten im Breuberger Weg.

Langstadt - Mit der zweiten Ausbauphase schreitet die Breitbandversorgung im Landkreis voran. Seit gestern wird auch in Langstadt gebohrt – und damit der Weg für schnelles Internet frei gemacht. Von Corinna Hiss

Mit der Tochter in Australien skypen, während der Sohn sich am Laptop mit Online-Videospielen die Zeit vertreibt und der Partner zeitgleich die verpasste Folge seiner Lieblingsserie über einen Streamingdienst anguckt – geht das überhaupt, oder ist das heimische Internet dann nicht restlos überfordert? Momentan ist solch eine Szene in Langstadt weniger realistisch. Der Babenhäuser Stadtteil gehört zu den Flecken im Landkreis Darmstadt-Dieburg, wo die Internetverbindung relativ schlecht ist. Mehr als 16 Mbit pro Sekunde sind nicht drin, wenn das WLAN zu Hause gleich mehrfach beansprucht wird, kapituliert es: Skype-Verbindungen brechen ab, Filme, die übers Internet bezogen werden, „hängen sich auf“.

Schon bald gehört dieses Ärgernis aber der Vergangenheit an. Seit gestern haben die Bohrarbeiten im Breuberger Weg begonnen – damit ist Langstadt der erste Stadtteil Babenhausens, bei dem der Ausbau für schnelles Internet voranschreitet. „Wir liegen super im Zeitplan“, erläutert Andreas Rinnenbach, Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsförderung und Breitbandausbau des Landkreises Darmstadt-Dieburg, auf Anfrage. Er koordiniert die verschiedenen Bauphasen, von denen es insgesamt drei gibt. Babenhausen liegt mit Schaafheim, Eppertshausen, Groß-Zimmern, Messel und Dieburg im zweiten Abschnitt der Breitbandversorgung. Während sich in Schlierbach die Bohrer seit Ende April drehten, beginnen die Arbeiten in Langstadt mit einer kleinen Verzögerung. Diese zwei Wochen sind aber für Rinnenbach kein Grund zur Sorge. „Bei so einem Großprojekt ist es logisch, dass der Ausbau an manchen Stellen schneller voran geht, an anderen Komplikationen auftreten“, so der Experte aus der Kreisverwaltung.

Firma Klenk übernimmt die Arbeiten

Im gesamten Ostkreis kümmert sich die Firma Klenk um die Arbeiten. Sie ist im Auftrag der Telekom, die schnelles Internet von bis zu 50 Mbit pro Sekunde verspricht, unterwegs. In Langstadt beaufsichtigt Nicolas von Schüssler die Spülbohrmaschine, mit der zirka zehn Zentimeter große Löcher horizontal durchs Erdreich gebohrt werden, in die die Männer mit den orangenen Westen später Rohre mit den Glasfaserkabeln verlegen. Im Breuberger Weg ist dafür bereits vergangene Woche das Pflaster des Gehwegs aufgerissen worden. „Wir versuchen, so wenig Tiefbauarbeiten wie möglich zu benötigen“, sagt von Schüssler. Damit meint er, dass die Oberfläche des Breuberger Wegs, der erst Ende 2009 aufwändig saniert wurde, so wenig wie möglich beschädigt werden soll. An zwei Stellen musste dennoch der Boden aufgerissen werden: Zwei Meter auf 1,20 Meter groß ist das Loch, das die Spülbohrmaschine benötigt, um ihre Stangen durch die Erde zu schieben. Nach zirka 100 Metern sollen sie wieder an der Oberfläche erscheinen – und damit Platz für die Rohre mit Glasfaserkabel schaffen. Die Messung erweist sich dabei zum Teil als diffizil: Bereits vorhandene Kanäle dürfen nicht beschädigt, sondern es muss über oder unter ihnen gebohrt werden. Mit Kabelsuchgerät, Georadar oder Bauplänen sondiert von Schüssler die Lage. Gibt er sein Okay, kann die dünne Stange die nächsten unterirdischen Meter horizontal zur Oberfläche zurücklegen.

20 Tipps: Sicher surfen und telefonieren

Beim Breitbandausbau werden sowohl bereits vorhandene Leitungen genutzt als auch neue Trassen geschaffen. Im Breuberger Weg müssen die neuen Glasfaserkabel an den Verzweiger am Friedhof angeschlossen werden. Das neue Internet kommt nämlich nicht direkt ins Haus, sondern in die Verteilerkästen, die es bereits gibt. Schnelles Surfen und Telefonieren mit VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) kommt aber nicht nur Privatpersonen zugute – auch lokale Betriebe profitieren durch das neue Netz. „Wir bedienen jeden Haushalt mit Internetanschluss, das macht in Babenhausen zwischen 8000 und 9000“, sagt Rinnenbach. Damit wird die Gersprenzstadt mitsamt ihren fünf Ortsteilen auch für Firmen attraktiv, die einen neuen Standort suchen. „Es geht dabei nicht nur um große Unternehmen mit mehr als 200 Beschäftigten, auch selbstständige Steuerberater oder Rechtsanwälte brauchen schnelles Internet“, führt Rinnenbach weiter an.

Die Bohrungen im Breuberger Weg dauern vermutlich noch die gesamte Woche an. Was unterirdisch nicht machbar ist, muss dann doch von oben erledigt werden. Für den Verkehr kommt es dabei aber nur zu leichten Behinderungen: In der Regel werden die Pflastersteine vom Bürgersteig entfernt und der Asphalt auf der Straße wird nicht angetastet. Bis alle Arbeiten abgeschlossen sind, dauert es noch etwas. Doch Rinnenbach ist zuversichtlich, dass alles nach Plan läuft: „Zu Weihnachten können sich die Babenhäuser über schnelles Internet freuen.“

Quelle: op-online.de

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