Schreibwerkstatt der Offenen Schule zum Thema Gruseln

Autorin belebt Fantasie ihrer Schützlinge

Babenhausen - Für viele Kinder und Jugendliche ist ihr Handy das Größte. Doch wer sich zu sehr mit den Spielen darauf beschäftigt, kann sein blaues Wunder erleben: „Und dann passierte es auch ohne Handy: Tim sah nur noch Geister, rote Autos und rote Häuser. Er rieb sich die Augen, doch es war wie zuvor, immer noch alles rot“. Von Michael Just

Die Zeilen gehören zur Kurzgeschichte „Das gruselige Handy“ von Karla Möller. Die Zehnjährige präsentierte zusammen mit 17 Mitschülern die Ergebnisse der Schreibwerkstatt, für die sich Interessierte an der Offenen Schule einschreiben konnten. Tatkräftige Unterstützung gab es von der Frankfurter Buchautorin Sylvia Schopf: Sie verriet den Fünftklässlern, wie eine gute Geschichte verfasst wird. In den jüngsten Werken der Schreibwerkstatt galt es den Grusel zu transportieren. Doch was ist Grusel? „Kinder definieren Grusel erstmal über die eigene Lebenserfahrungen und Momente, die sie nicht vergessen haben. Das sind Situationen, in denen es ihnen unheimlich war, aber auch Dinge, die sie im TV gesehen haben“, weiß Schopf. Um die Fantasie ihrer Schützlinge in Gang zu bringen, legte sie zuerst ein Audio ein, in dem Türen knarzten, Käuzchen riefen, Gewitter donnerte oder Schreie zu hören waren. Im Anschluss thematisierte die Schriftstellerin, Hörfunkjournalistin und Schauspielerin, wie man eine Geschichte aufbaut. Denn einfach losschreiben ist nicht: Zuerst müssen Ort, Figuren und Handlung kreiert werden. Wenn alles in Worte gefasst ist, heißt es keinesfalls zurücklehnen: In der Folge kann und muss die Geschichte überarbeitet werden, weil sich immer etwas zum Verbessern auftut.

Insgesamt kam Schopf zu vier Sitzungen nach Babenhausen. Gereicht hat das nicht: „Eigentlich hätte man sich mit allen Schülern nochmal einzeln und um ein Vielfaches der zur Verfügung stehenden Zeit beschäftigen müssen“, erläutert die Expertin mit Blick auf die gängigen Fehler, die Neulinge beim Schreiben machen. Dazu gehören verwirrende Perspektivwechsel aber auch Denkfehler, dass Hintergründe der Geschichte zwar im Kopf des Autors vorhanden sind, aber nicht auf dem Papier auftauchen.

Dennoch machten die Schüler ihre Sache gut. Vor allem den Gruselfaktor erfüllten sie in Gänze: „Stellenweise kamen hier wirkliche Horrorgeschichten zum Vortrag, bei denen ich mich selbst gegruselt habe“, berichtet die Frankfurterin und verweist auf die eine oder andere Zerstückelungs-Szene. Beim „gruseligen Handy“ von Karla Möller geht´s gesitteter zu: Protagonist Tim erfüllt in der Geisterwelt eine Aufgabe und wird dann wieder in sein altes Leben entlassen. Von seinem Handy trennt er sich danach aber nicht: Er löscht nur das Spiel, mit dem das Unheil begann.

Quelle: op-online.de

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