Regen trübt den Genuss nicht 

Serenadenkonzert des TVH-Blasorchesters in der Langfeldsmühle

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Mathias Müller aus Dudenhofen, Solotrompeter beim Heeresmusikkorps in Veitshöchheim, dirigierte. Der Regen hatte noch nicht eingesetzt.

Hergershausen - Das Blasorchester hatte bei seinem Konzert mit dem Wetter zu kämpfen. Zu Beginn war noch alles gut, aber in der Pause leerten sich die ersten Stuhlreihen. Von Petra Grimm 

Die rund 220 Zuhörer waren aber so begeistert von den Darbietungen unter der Leitung von Mathias Müller, dass sie sich vom Regen, der nach dem ersten Teil einsetzte, nicht aus der Langfeldsmühle vertreiben ließen. Flucht unter die großen Sonnenschirme, zusammenrücken in den Pavillons, Aufspannen der mitgebrachten Regenschirme, Einhüllen in wetterfeste Umhänge. Gewusel setzte ein, als die Tropfen vom Himmel fielen. Ihre Laune und den Kunstgenuss wollten sich die Zuhörer am Sonntagabend vom Nass von oben nicht verderben lassen. Das beeindruckte auch die 30 Musiker. „Also, da die Leute alle hier bleiben, spielen wir auf jeden Fall weiter“, sagte der Dirigent in der Pause und sein Orchester sah es genau so. Es wurde ein bisschen umgebaut. Die Kesselpauke, die jetzt nicht mehr gebraucht wurde, flog raus, um Platz zu schaffen. Dann quetschten sich die Musiker, um ihre Instrumente zu schützen, unter ein Vordach im historischen Gehöft und boten gekonnt den zweiten Programmteil.

Um den wäre es auch wirklich schade gewesen, denn er bot jede Menge Höhepunkte und Einzelbeiträge. So war der Dirigent Mathias Müller, der Solotrompeter beim Heeresmusikkorps in Veitshöchheim ist, als Solist beim „Alten Dessauer“ zu bewundern. Viel Applaus vom nassen Volk erhielt das Stück „Clarinet Cocktail“ von Wim Laseroms, mit den Solisten Verena Beck, Boris Müller, Denise Weilmünster, Ulrike Schreek und Bettina Kratz. Die „Bayrische Polka“ von Georg Lohmann bereicherte Steffen Happel als Solist. Der gebürtige Hergershäuser und früheres Blasorchester-Mitglied, der seit 1988 in Lüneburg am Theater als Soloposaunist im Einsatz ist, gab zur Freude des Publikums damit ein eindrucksvolles Gastspiel in seiner alten Heimat.

Nicht oft zu hören ist ein Xylofon-Solo. Das TVH-Blasorchester machte es möglich: Beim Stück „Zirkus Renz“ schwang Sabine Hanauer die Xylofonschlägel in einem atemberaubenden Tempo. „Tanz der Vampire“ von Jim Steinman und ein Medley mit Hits von Marius Müller-Westernhagen ließen die Füße der Zuhörer mitwippen. Als Zugabe beschloss der „African Beat“ das abwechslungsreiche Programm, das im ersten Teil den „Fehrbelliner Reitermarsch“, die Overtüre zu Nabucco, „Arizona“ von Francesco Cesarini, „Slavonic Impressions“ von Roland Kernen und den „Radetzky Marsch“ bot. Für eine humorvolle Moderation sorgte Christel Winter. Seit Thomas Winter die alte Mühle am Ortsrand von Hergershausen besitzt, also seit 2007, lädt das Blasorchester im Sommer hier zum Serenadenkonzert ein. Einzig im vergangenen Jahr ist es wegen schlechten Wetters ausgefallen. In diesem Jahr haben Musiker und Publikum dem Regen getrotzt. Bereut hat es wohl keiner.

Kerb 2014 in Hergershausen

Nachwuchsarbeit wird beim Orchester, das ein tolles Aushängeschild des Hergershäuser Turnvereins ist, groß geschrieben. So funktioniere die Zusammenarbeit mit der Bachwiesenschule sehr gut, wie der Jugendleiter Kilian Kumpf sagte. Unter der Leitung von Stefan Schneider bietet das Blasorchester den Grundschülern ab der dritten Klasse eine AG an. „Man kann ein Instrument lernen und in der AG schon das orchesterartige Zusammenspiel üben“, sagte Kumpf. Die ersten und zweiten Klassen werden zu einer Trommel-AG eingeladen. Auch für die Allerkleinsten ist gesorgt. Sie können im Stadtteil ihre ersten Schritte bei der musikalischen Früherziehung oder beim Eltern/Kindmusizieren machen.

Quelle: op-online.de

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