Sickenhöfer Laientheater

Schlemmen im Fitness-Café

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Dieser Fitness-Drink schmeckt Ernst Heinz Becker alias Wolfgang Herz (im Bild mit Andrea Keller und Walter Kutscher) augenscheinlich nicht. Mit dem Stück „Trimm dich fit mit Sahnehäubchen“ lud das Sickenhöfer Laientheater nun an zwei Abenden in die Friedel-Wiesinger-Halle ein.

Sickenhofen - Wer am Wochenende vergnügliche Stunden mit viel Humor suchte, war in der Friedel-Wiesinger-Halle gut aufgehoben. Dort präsentierte das Sickenhöfer Laientheater SiLT sein neuestes Stück „Trimm dich fit mit Sahnehäubchen“. Von Michael Just

Die japanischen Kimonos samt Perücken sitzen bei Andrea Keller, Anika Schürger und Inge Hartenstein perfekt. Als sie mit exotischer Anmut auf die Bühne kommen, muss das Publikum lautstark lachen – erst recht, als beim Sprechen das „r“ zum „l“ wird. Der nächste Höhepunkt folgt, als ihr kredenzter Fitness-Drink, bestehend aus Kräutern, Wurzeln, Sprossen, Tofu und einem Schuss Essig für die Würze, ihren Männern im Hals steckenbleibt. „Mein Doktor hat mir verboten, was zu trinken, was aussieht wie schon einmal gegessen“, versucht sich einer der Gatten (Wolfgang Herz) der „Einnahme“ zu erwehren.

Zu Beginn des Jahres begannen die Vorbereitungen für den Schwank in drei Akten von Jürgen Baumgarten. In der heißen Phase wurde an mehreren Abenden der Woche der Feinschliff geprobt. Alles sollte perfekt zum 20-jährigen Jubiläum von SiLT sitzen. In der Regel gibt es alle zwei Jahre eine große Aufführung, dazwischen werden kleinere Stücke, etwa für die Babenhäuser Kunst- und Kulturtage, einstudiert. Diesmal definierten die sechs Darsteller das Thema Gewichtsreduktion neu: Eine Café-Besitzerin und ihre zwei Freundinnen wollen ihre Kilos purzeln sehen, aber gleichzeitig auf ihren täglichen Tortengenuss nicht verzichten. Da der Betrieb schlecht läuft, muss eine doppelte Lösung her, weshalb die Idee zu einem Fitness-Café geboren wird: Schlemmen und parallel die Kalorien wieder abtrainieren. Aufgrund hoher Ausstattungskosten findet das Konzept bei den Ehemännern aber keinen Anklang – und noch viel weniger die gesunden Speisen aus Fernost, die es ebenfalls geben soll. Zu allem Übel will auch noch eine Vertreterin das Trio bei der Investition übers Ohr hauen.

In die Hauptrolle der Café-Besitzerin schlüpfte Andrea Keller. Die 54-Jährige, die im IT-Bereich arbeitet, kam vor drei Jahren nach Sickenhofen. Durch ihre Nachbarin kam der Kontakt zu SiLT zustande. „Die Chemie und der Zusammenhalt stimmen“, lobt sie die Gruppe. Wohl fühlt sich auch Wolfgang Herz, der seit zehn Jahren dabei ist. Vom Brau- über den Schreinermeister bis zum kaufmännischen Angestellten, der in seine Akten verliebt ist, hat er schon vieles gespielt. Das sieht er als Ausgleich zu seinem Job als Datenverarbeiter. Daneben hat er Spaß, in andere Charaktere zu schlüpfen. So stellte er jetzt einen Autobastler dar. „Eigentlich bin ich in Wirklichkeit technisch total unbegabt“, sagt der 59-Jährige. Gute Schauspielqualitäten bedurfte es bei ihm auch, die Sport-Niete auf dem Hometrainer zu geben. Denn im realen Leben ist das absolute Gegenteil der Fall: Herz ist leidenschaftlicher Radfahrer, der es schon geschafft hat, sich ein Jahr lang täglich auf den Sattel zu schwingen. Dabei erreichte er die Gesamtleistung der Tour de France von 3 700 Kilometer.

Insgesamt erwartete die 280 Zuschauer, die an den beiden Tagen kamen, 100 Minuten Spielzeit exklusive zwei Pausen. Der erste Akt ließ Gelegenheit, langsam ins Stück reinzukommen. Überspitzt stand die Kuchenliebe vieler Damen im Mittelpunkt. „Aber bitte mit Sahne“ und „Likörchen“ wurden zum geflügelten Wort für die Völlerei. Turbulent wurde es im zweiten Part, als die Ehemänner unfreiwillig zu Testkunden wurden. Im dritten Teil überwog die Spannung, als es darum ging, der durchtriebenen Vertreterin, die hervorragend von Uschi Liebald dargestellt wurde, auf die Schliche zu kommen. Für deren Verhaftung gab es von der Polizei eine Belohnung, so dass nach der Versöhnung mit den Ehemännern dem Fitness-Café nichts mehr im Wege stand.

Nach dem letzten Akt durften sich die sechs Mimen über viel Applaus für eine ansprechende Leistung freuen. Bis zum nächsten Stück hofft SiLT, Zuwachs bei den Männern zu bekommen, denn das starke Geschlecht machen derzeit nur zwei Akteure aus. „Das beschränkt natürlich die Stückauswahl“, erklärt Walter Kutscher. Frauen auf Männer zu schminken ist für ihn keine optimale Lösung. Neben weiteren Männern sind bei SiLT auch junge Hobbyschauspieler willkommen. Die sind laut Kutscher die Lösung für ein anderes Problem: „Junge Menschen auf alt zu schminken ist einfach. Umgekehrt ist das ziemlich unmöglich.“

Quelle: op-online.de

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