Hier knallt‘s besonders

Schornsteinfeger kommen gut ins Schwitzen

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Das Thermometer auf dem Dach zeigt 47 Grad, aber die Schornsteinfegergesellin Yvonne Böres (vorne) und der Azubi Dennis Roßkopf müssen rauf auf die Dächer und die Kamine der Häuser in der Sachsenhäuser Straße in Sickenhofen kehren.

Sickenhofen - Die Temperaturen kratzen an der 40-Grad-Marke. Verantwortlich für die Hitzeperiode sind das Hoch „Annelie“ und das Tief „Quintus“. Wie lässt es sich bei diesem Wetter arbeiten – vor allem, wenn der Arbeitsplatz das Dach ist? Von Walter Kutscher 

Waren vor etwa zehn Tagen die Menschen hier noch frustriert wegen der kühlen Temperaturen – am 22. Juni wurden gerade mal 14 Grad in Babenhausen gemessen –, so ist nun binnen weniger Tage das Gegenteil eingetreten, und alle schwitzen bei hochsommerlichen Hitzegraden. Besonders betroffen sind die Menschen, die im Freien arbeiten müssen und körperliche Tätigkeiten erledigen. Die Schornsteinfeger, die in diesen Tagen unterwegs sind, können davon ein Lied singen. Nicht immer werden Abgasmessungen in den Kellern ausgeführt, auch hoch hinaus auf die Dächer müssen die Frauen und Männer der schwarzen Zunft.

In Sickenhofen ist derzeit die Seligenstädterin Yvonne Böres unterwegs, die für den Bezirksschornsteinfeger Stefan Kirschstein aus Zellhausen arbeitet. Nach ihrem Arbeitsplan hat sie an diesem Nachmittag Kehrarbeiten in der Sachsenhäuser Straße durchzuführen und parkt den Dienstwagen erst mal an einem schattigen Platz. Die Ausrüstung, die sie aufs Dach schleppen muss, wiegt etwa 15 Kilo, nur wenn die Leiter nicht benötigt wird, ist es etwas weniger.

In ihrer Begleitung ist der Auszubildende Dennis Roßkopf, der bereits im ersten Lehrjahr auf die Dächer steigen darf. Der sengenden Hitze sind sie ausgesetzt, denn hier oben gibt es keinen Schatten, die Ziegel sind heiß und strahlen auch noch zusätzliche Wärme ab. Die schwarze Berufskleidung tut ihr Übriges. Erleichterungen bei der Kleiderordnung sind aus sicherheitstechnischen Gründen und zum Schutz von Armen und Beinen nicht erlaubt.

Wie Yvonne Böres erzählt, sind bei der Gestaltung der Arbeitszeit keine großen Änderungen möglich, da die Kehrtermine bereits etwa fünf Werktage im Voraus vereinbart werden und da keine Rücksicht auf die Wetterentwicklung genommen werden kann. Die meisten Arbeiten werden am Tag und am späten Nachmittag erledigt, da viele Kunden den Schornsteinfeger erst nach dem eigenen Feierabend empfangen können. Unabhängig vom Wetter, so Yvonne Böres, sind sie sommers und auch zur kalten Jahreszeit unterwegs und müssen auch im Winter mit den dann herrschenden Rahmenbedingungen klarkommen.

Es sei schon immer ihr Wunsch gewesen, Schornsteinfegerin zu werden erzählt sie stolz, denn neben der eigentlichen Arbeit liebt sie die Selbstständigkeit bei der Einteilung der Touren und der Pausengestaltung. „Wir haben keine festen Zeiten, da sind wir flexibel und passen uns dem Tagesgeschäft an“, schildert sie weiter „und wir besorgen uns auch die Getränke selbst. So haben wir immer genügend zu trinken im Auto.“

Noch zweimal müssen sie jetzt aufs Dach, dann ist Feierabend und es geht ins Wochenende. Auch in den nächsten Wochen wird man bei jedem Wetter die „schwarzen Frauen und Männer“ in Harreshausen, Babenhausen oder Sickenhofen sehen und so manchen Menschen fällt dann ein, dass die Schornsteinfeger in vielen Gegenden als Glücksbringer gelten.

Was anziehen bei 40 Grad?

Quelle: op-online.de

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