Urteil im Missbrauchsprozess gefallen

Sieben Jahre Haft für pädophilen Vater aus Schaafheim 

Schaafheim - „Sie haben keinen Hehl aus Ihrer Pädophilie gemacht, haben versucht, sich von Kindern fern zu halten. Doch die Eigenkontrolle hat irgendwann versagt.“ Von Silke Gelhausen-Schüßler

Die klaren Worte des Vorsitzenden Richters Jens Aßling werden den entrüsteten Opferangehörigen im Saal vier des Landgerichts Darmstadt noch lange im Gedächtnis haften bleiben. Heute wurde das Urteil gegen einen 39-jährigen Schaafheimer gesprochen, der von 2011 bis 2015 die eigene Tochter sexuell missbraucht und kinderpornografisches Bildmaterial im Internet verbreitet hatte (wir berichteten): Der Bahnangestellte S. muss für sieben Jahre hinter Gitter. Der Haftbefehl bleibt aufrecht erhalten. Sowohl die Oberstaatsanwaltschaft – die sogar acht Jahre gefordert hatte – als auch die Verteidigung verzichten auf die Möglichkeit eines Einspruchs gegen das Urteil, damit ist dieses rechtskräftig.

Zu der umfangreichen Geständigkeit und dem leeren Vorstrafenregister auf der Plus-Seite führte Wolfgang Sattler in seinem Plädoyer eine Reihe von Minuspunkten auf der Kehrseite an. Der Oberstaatsanwalt: „Die 13 angeklagten Fälle waren nur ein kleiner Ausschnitt Ihres viereinhalbjährigen Fehlverhaltens. Fast an jedem Papa-Wochenende kam es zu Übergriffen, außer wenn die Kleine mal krank war.“ Er habe das Vertrauen der geschiedenen Ehefrau und des Kindes zerrissen: „Das eigene Kind, das Ihrem Schutz unterstellt war.“ Das Mädchen habe sich in einer Zwickmühle befunden, konnte sich niemandem anvertrauen. Es habe Angst gehabt, Mama würde mit ihm schimpfen und Papa nichts mehr von ihm wissen wollen. „Sie haben zwar keine körperliche, aber psychische Gewalt ausgeübt,“ konstatierte der Ankläger.

Auch Richter Aßling machte keinen Hehl daraus, dass er die Taten abscheulich findet. Seine Urteilsbegründung: „Sie haben noch nicht verstanden, was Sie Ihrer Tochter angetan haben. Ein Grundschulkind kann sich nicht zur Wehr setzen.“ Da man Pädophilie nicht heilen könne, müsse der Schaafheimer lernen, damit umzugehen, ohne weitere Minderjährige zu schädigen. „Sollte so etwas wieder vorkommen, droht die Sicherungsverwahrung“, machte Aßling begreiflich. Besonders fassungslos war der Vorsitzende der zehnten Strafkammer, dass S. Fotos und Videos im Netz ausgetauscht hat: „Sie geben ihre Tochter den sexuellen Fantasien anderer preis.“

In Gewaltkonflikten richtig verhalten

Selbst dem Strafverteidiger, dessen Zunft teils dazu neigt, aus dem Kriminellen einen Unschuldsengel zu stricken, war anzumerken, dass ihn solch ein Mandat nicht kalt lässt. Rechtsanwalt Eckart Sauer: „Für mich war von Anfang an klar: Es wird alles getan, um dem Kind die Aussage zu ersparen.“ Dem Mädchen sei ein wesentlicher Teil seiner Entwicklung genommen worden. Trotzdem sei auch der schlimmste Straftäter immer noch Teil der menschlichen Gesellschaft. Deshalb plädierte er – auch, um seinem Mandanten die Gefährdung als unterstes Glied in der Hierarchie einer Haftanstalt zu ersparen – für die Unterbringung in der Sozialtherapeutischen Anstalt der JVA Kassel II. Diese wurde S. zu 99 Prozent gewährt. Auf einen Strafmaßantrag verzichtet der Anwalt. Während der gesamten Vortragszeit saß S. mit gesenktem Kopf neben seinem Anwalt und rührte sich nicht. Die Möglichkeit, ein letztes Wort zu sprechen, ließ er ungenutzt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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