Kurzgeschichten von Silke Kasamas

Nicht nur der Damenwelt gefällt‘s

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Stolzes Gänseblümchen: Silke Kasamas freut sich über ihr erstes Buch, aus dem sie morgen und am 15. Oktober vorliest.

Babenhausen - Wenn das Schreiben locker von der Hand geht und die Erfolgswelle nicht abebbt, zeugt das nicht nur von Glück, sondern von Talent. Die Babenhäuserin Silke Kasamas verfasst Kurzgeschichten, die jetzt in ihrem ersten Buch veröffentlicht werden. Von Corinna Hiss 

Silke Kasamas hat viele Facetten: Als selbstständige Vermögensberaterin sehen ihre Kunden sie im Business-Look. Sportlich unterwegs ist sie mit Dogge Bismarck, die ihr bereits im jungen Alter von nicht mal einem Jahr bis zur Hüfte reicht. Als harte Biker-Braut präsentiert sie sich auf den Harley-Davidson-Treffs, die sie regelmäßig mit Ehemann Frank besucht. Und ganz mädchenhaft kann sie bei ihren „Weightwatchers-Mädels“ sein, einer Frauenclique, die schon lange nicht mehr auf Diät ist. Vielleicht ist es ihr offener und vielseitiger Charakter, vielleicht aber auch ihre Beobachtungsgabe, die ihr ständig neue Ideen für ihre Kurzgeschichten liefern. Dabei hatte die gebürtige Babenhäuserin, die sich nicht vorstellen kann, jemals woanders als in der Gersprenzstadt zu wohnen, nicht immer den Traum, Autorin zu werden. Ihr Talent dafür entdeckte die 42-Jährige mehr oder weniger durch Zufall.

Als Vorsitzende des Gewerbevereins stellte sie sich 2013 zur Verfügung, Kurzgeschichten für Frauen im Dessous-Geschäft von Kati Mehler zu lesen. „Ich stöberte im Netz, welche Autorinnen sich für einen unterhaltsamen Mädelsabend eignen“, erzählt Kasamas. Sie stieß unter anderem auf „Beglücke mich!“ von Andrea Tiessen-Lehmann, mit der sie mittlerweile eine enge Freundschaft verbindet. Waren es bei der ersten Lesung rund zehn Frauen, kamen zur zweiten bereits doppelt so viele. Im Mai vergangenen Jahres hatten sich 40 interessierte Damen angemeldet – diese Lesung sollte der Wendepunkt in Kasamas" Leben darstellen. „Keine der Autorinnen, die ich angeschrieben hatte, ob ich ihre Geschichten lesen darf, hat geantwortet“, erinnert sich die gelernte Versicherungskauffrau. Fünf Tage vor dem Event waren zwar alle Karten verkauft, jedoch noch keine Episoden zum Lesen gefunden. Aus der Not machte Kasamas kurzerhand eine Tugend: Binnen weniger Tage verfasste sie selbst drei Kurzgeschichten, die letzte wurde erst am Veranstaltungstag fertig.

An diesem Abend strömten begeisterte Damen reihenweise auf sie zu. „Wer ist die Autorin, von der möchte ich mehr hören“, wurde sie bestürmt. Als sie ihren Namen nannte, war für alle Beteiligten klar: So wird es künftig immer gemacht. Mittlerweile haben sich Kasamas’ Lesungen zu einem Dauerbrenner entwickelt. Und nicht nur die Damenwelt ist begeistert von ihren Geschichten, die mitten aus dem Leben gegriffen sind, teils komisch, teils romantisch anmuten. „Ich bekomme auch positive Resonanz von Männern“, freut sich die Powerfrau. Manchmal geht es ganz schnell, bis eine Geschichte fertig ist, dafür braucht es nur einen Zahnarztbesuch und etwas Zeit im Wartezimmer. Für andere braucht Kasamas auch mal eine Woche, „wenn die Protagonistinnen nicht das machen, was ich will“. Grundsätzlich schreibt sie über Frauen und aus der Ich-Perspektive. Dabei werden nicht nur die eigenen Erfahrungen überspitzt wiedergegeben – zum Beispiel der Besuch mit Ehemann Frank beim Herrenausstatter – auch das, was Kasamas täglich beobachtet, wird schnell ins Tablet getippt.

Buchmesse 2014: Impressionen

„Am Vormittag des 24. Dezembers im Möbelkaufhaus sein, ein absolutes Highlight für mich“, erzählt sie lachend. Dabei muss sie nicht selbst noch Weihnachtseinkäufe erledigen, sondern saugt die Dramen, zwischenmenschlichen Begegnungen und Kuriositäten, die sich an solch einem Tag vor ihren Augen abspielen, mit Genuss auf. „Das gibt gleich Stoff für mehrere Geschichten“, sagt sie. Dass ihre kurzen Anekdoten, die schnell in zwanzig Minuten gelesen sind, gut beim Publikum ankommen, hat sich bis in die Verlagswelt herumgesprochen. Eine Auswahl aus zwölf Geschichten erscheinen nun als gebundenes Buch mit dem ominösen Titel „Gänseblümchen hat Gänsehaut“. Und auch dahinter verbirgt sich ein Ereignis. Im Harley-Davidson-Forum, in dem sich die Biker knallharte Usernamen wie „Devil“ geben, meldete sich Kasamas kurzerhand als „Gänseblümchen“ an. Als sie dann einer Forums-Freundin aufgeregt vom Erscheinen ihres ersten Buches berichtete, sagte diese: „Wie schön. Gänseblümchen hat Gänsehaut.“ Zum Titel musste Kasamas dann nur noch die passende Story schreiben, die bis jetzt noch niemand kennt.

Sie wird am Donnerstag, 15. Oktober, um 19 Uhr bei der Buchparty in der Stadtmühle zum Besten gegeben, zu der es nur noch wenige Restkarten gibt. Wer es bis dahin nicht erwarten kann, oder keine Tickets mehr bekommt: Heute (25.) liest Kasamas um 19 Uhr im Maximilian-Kolbe-Haus, Anne-Frank-Straße 2, in Froschhausen. Karten zum Preis von zehn Euro sind noch an der Abendkasse erhältlich. Auch wenn die Babenhäuserin ihre Leidenschaft fürs Schreiben nicht mehr missen möchte, bleibt es für sie weiterhin ein Hobby. Ihren Beruf als Vermögensberaterin, in dem sie mit Zahlen und Fakten jongliert, will sie nicht an den Nagel hängen. Doch für ihre Zukunft als Autorin hat sie schon weitere Pläne: „Ein richtiger Roman wäre toll. Und da bin ich beim Genre flexibel.“

Quelle: op-online.de

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