Zwei- und Vierbeiner trotzen dem Regen

Sommerfest im Tierheim: 40 Hunde suchen ein Zuhause

+
Aneinander vorbei laufen ohne zu kläffen: Die Mobile Hundeschule Untermain demonstrierte beim Tierheimfest, dass Hunde sehr gut miteinander auskommen können.

Babenhausen - 40 Hunde, zwölf Katzen und ein Kaninchen beherbergt derzeit das Babenhäuser Tierheim, das am Samstag zu seinem Sommerfest eingeladen hatte. Von Petra Grimm 

Kontaktaufnahme zwischen einem vierbeinigen Tierheimbewohner und einem -besucher.

Das regnerische Wetter hielt zahlreiche Tierfreunde der Region, oft begleitet von ihren vierbeinigen Gefährten, nicht davon ab, auf dem Gelände zwischen Babenhausen und Harreshausen zusammen zu kommen und bei gegrillten Würsten, Kaffee und Kuchen zu feiern.  „Bei uns auf dem Land ist es zum Glück nicht so schlimm wie in den größeren Städten, wo die Leute in der Urlaubszeit, ihre Hunde oder Katzen einfach irgendwo aussetzen“, sagte Beate Balzer, die Tierheimleiterin und Vorsitzende des Tierschutzvereins Babenhausen/Münster, auf die Frage, ob die Anzahl der Fundtiere über die Sommermonate ansteigt. „Außerdem wissen die Leute auch, dass wir eine Pension mit Urlaubsbetreuung für Hunde, Katzen und Kleintiere haben – das wird genutzt“, so Balzer.

Rund 450 Mitglieder hat der Verein, der das Babenhäuser Asyl für heimatlose Tiere betreibt, darunter 20 aktive Helfer, die bei verschiedenen Gelegenheiten, auch beim Sommerfest, mit anpacken. Die Finanzierung läuft über die Mitgliedsbeiträge, Spenden und Vermittlungsgebühren. Auch die Stadt trägt einen Teil der Kosten. Fällt dieser Zuschuss jetzt im Zuge des Sparzwangs weg? „Nein, die Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, Fundtieren einen Platz zu geben. Aber das, was wir von der Stadt bekommen ist eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Von unseren insgesamt 80 000 Euro Kosten im Jahr übernimmt die Stadt 10 000 Euro“, so die Vorsitzende. Das meiste Geld benötigt der Verein für das Personal: „Da haben wir auch das neue Mindestlohngesetz gespürt“, berichtet Balzer. Beim Tierschutzverein sind zwei fest angestellte Mitarbeiter beschäftigt, dazu kommen zwei Auszubildende und ein 450-Euro-Jobber. „Außerdem haben wir Kosten für den Tierarzt, Strom, Wasser und Gas für die Zwingerheizung“, führt die Vorsitzende aus. Essen wollen die Tiere natürlich auch.

Da ist Balzer froh, dass die Vermittlung ihrer Tiere gut läuft. Die meisten finden mit der Zeit ein neues Zuhause. Wer kein Tier aufnehmen kann, kann den Verein aber auch unterstützen, indem er sich zum Gassi gehen anbietet oder eine Patenschaft für eines der Tier übernimmt. Ein wichtiges Sanierungsprojekt konnte dieses Jahr durchgeführt werden. „Das Katzenhaus ist dank vieler Spenden jetzt fertig“, sagte Balzer, die mit Blick auf herumstreunende, sich wild vermehrende Katzen die in Dieburg jetzt eingeführte Kastrationspflicht für frei laufende Stubentiger begrüßt: „Das ist sinnvoll. Das ist ja ein Chaos, das keiner überblicken kann. Am Ende kommt die Versorgung der Fundkatzen die Kommunen auch teurer“.

Als nächstes Projekt steht im Babenhäuser Tierheim der Bau einer neuen Quarantänestation für Hunde an. Die derzeitige sei zu klein, biete gerade mal Platz für drei Hunde. Denn Fundtiere, bei denen man nicht weiß, ob sie gesund sind, werden zunächst von den anderen getrennt gehalten. Nicht getrennt, sondern – ganz im Gegenteil – miteinander konfrontiert wurden über 20 Vierbeiner bei der Vorführung der Mobilen Hundeschule Untermain. Die Hunde bewiesen, dass sie gelernt haben, auf engem Raum aneinander vorbei zu laufen, ohne aufeinander loszugehen. Inhaber Frank Vath will mit seinem Training aus Hunden mit den unterschiedlichsten Problemen und Macken „alltagstaugliche Familienbegleithunde machen, die man stressfrei überall mit hin nehmen kann und ein Team aus Halter und Hund formen“.

Tieren ein neues Zuhause schenken: Adoptieren oder kaufen? 

Und in der Regel scheint ihm das auch zu gelingen, wie seine zweibeinigen Schüler berichteten. Da erklärte ein junger Mann, am anderen Ende der Leine ein Dobermann, dass sein Hund durch den Unterricht in der Hundeschule seinen Jagdtrieb, der sich vor allem gegen Kinder auf Rollern und Rädchen richtete, nicht mehr ungezügelt auslebe. Eine Frau, die einen „Angsthund“ hatte, der sich immer unter der Eckbank verkroch und das Haus gar nicht verlassen wollte, kann jetzt mit dem Tier ganz normal Gassi gehen. In Vaths Kursen tummeln sich Hunde aus allen Bereichen: ehemalige Tierheim-Bewohner, Hunde, die durch viele Hände gegangen sind oder Straßenhunde aus dem Ausland. „Alter und Rasse spielen bei der Erziehung keine Rolle. Das geht bis ins hohe Alter und oft muss auch nur der Halter was lernen“, sagte er.

Das Tierheim Babenhausen, Außerhalb 41, zwischen Babenhausen und Harreshausen gelegen, hat freitags und samstags von 14 bis 17 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung geöffnet. Mehr Informationen im Internet www.tierschutzverein- muenster-hessen.de oder 06073 64299.

Quelle: op-online.de

Kommentare