Spargelanbau

Königsgemüse unter der Haube

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Per Hand sind die fleißigen Helfer von Thomas Funk auf der Suche nach den weißen Stangen. -

Langstadt - Rund 22 Zentimeter lang soll er sein, mit einem Durchmesser von 18 bis 25 Millimeter – so haben Ursula und Thomas Funk ihren Spargel am liebsten. Von Corinna Hiss 

„Optimal ist, wenn die Stange gerade und der Kopf schneeweiß ist“, beschreibt die Bäuerin, die gemeinsam mit ihrem Mann seit vielen Jahren auf den Langstädter Feldern das königliche Gemüse anbaut.

Seit dieser Woche hat die Spargelsaison wieder begonnen: Fleißige Arbeiter durchstechen die Dämme aus dem sandigen Erdboden – optimal geeignet für den Anbau – und befördern Stange für Stange ans Tageslicht. Dabei müssen sie besonders vorsichtig sein, denn das edle Gemüse darf nicht brechen. Dieses Jahr blieben die schwarz-weißen Folien auf den insgesamt zehn Hektar großen Feldern länger unberührt als vergangenes Jahr.

„Damals konnten wir bereits am 24. März stechen, jetzt wurde es Mitte April“, erzählt Ursula Funk. Diese paar Tage machen aber den Unterschied: Die 54-Jährige weiß aus Erfahrung, dass die Kunden immer früher frischen Spargel erwarten – längst ist die Annahme überholt, die Saison gehe nur von Mai bis Ende Juni. „Sobald es draußen ein bisschen wärmer wird, haben die Leute Lust darauf“, sagt sie.

Der erste Spargel, der gestochen wird, ist noch recht teuer. Bei Funks kostet das Kilo der Königsklasse, also die beste Sorte, 15,90 Euro. Wie sehr aber viele monatelang auf diesen Genuss gewartet haben, wird im Hofladen deutlich. Schnell geht der tägliche Ertrag, der im Moment noch relativ gering ausfällt, über den Thresen, vom stattlichen Preis lassen sich die wenigsten abhalten. In ein paar Tagen und Wochen werden bis zu 24 Helfer – die meisten von ihnen sind bereits seit Jahren dabei – schon ab 6 Uhr morgens für eine gute Ernte sorgen.

Arbeiter müssen tiefer stechen

Jetzt gibt es noch nicht so viel zu stechen und die Arbeiter müssen länger in der Erde nach den weißen Stangen suchen. Damit es überhaupt schon Anfang April Spargel gibt, sind die Felder dreifach abgedeckt. „Erst kommt schwarze Folie, dann wird ein Tunnel aus Eisenstangen gebogen und darüber kommt eine Lochfolie“, erläutert Thomas Funk, der sich täglich über die Fortschritte auf den Feldern informiert.

Die schwarze Folie gibt dem Gemüse die nötige Wärme, die sie um diese Jahreszeit noch braucht. „Ohne die Isolierung geht’s nicht“, sagt der Landwirt, der den Traditionsbetrieb von seinem Vater übernommen, die Spargelproduktion in den letzten 20 Jahren aber noch weiter ausgebaut hat. Doch die Methode hat auch ihren Preis: Es kostet die Arbeiter Zeit und Mühe, jeden Morgen die Folie von den Dämmen zu entfernen, den Spargel zu stechen und die sandige Erde anschließend wieder abzudecken. Dabei hat sie Sturmtief Niklas, der vor Ostern gewütet hat, viel Arbeit gekostet. „Die ganze Folie ist uns weggeflogen“, erinnert sich Thomas Funk.

Bis zum Stichtag am 24. Juni wird es bei den Funks zehn verschiedene Sorten im Verkauf geben. Neu in diesem Jahr ist der eigens angebaute grüne Spargel, der sich durch seinen kräftigen, nussigen Geschmack bestens für Salate eignet. Die Arbeiter auf dem Feld wechseln sich in den drei Monaten ab, sie sind in der Regel keine Deutschen und können nur maximal 70 Tage im Land Geld verdienen.

Mindestlohn bereitet Sorgen

Auch der in diesem Jahr eingeführte Mindestlohn bereitet den Funks Sorgen. Zahlten sie früher ihren Helfern 6,50 die Stunde, müssen sie jetzt laut Tarif auf 7,40 Euro erhöhen. „Das, was wir an Mehrkosten haben, können wir nicht auf den Spargelpreis und damit auf die Kunden abwälzen“, weiß Ursula Funk. Die Leidtragenden sind in dem Falldann die Feldarbeiter: Sie bekommen ihre Pausen nicht mehr wie üblich auf ihr Stundenkonto angerechnet und auch sonst sind zusätzliche Vergünstigungen – wie etwa kostenlose Milch aus der Eigenproduktion – passé.

„Viele unserer Mitarbeiter kennen wir seit Jahren. Sie unter solchen Bedingungen schuften zu lassen tut uns weh, aber auch wir müssen daran denken, unseren Betrieb zu erhalten“, bedauert die Landwirtin. Die stetige Erhöhung auf 8,50 Euro pro Stunde sieht sie gerade bei Saisonkräften nicht angemessen. „Diese Menschen wohnen nicht in Deutschland, haben also einen ganz anderen Lebensstandard“, ist ihr Argument.

An die Stangen, fertig, los: Spargel hat wieder Saison

An die Stangen, fertig, los: Spargel hat wieder Saison

Wie sehr sich der eingeführte Mindestlohn aufs Geschäft niederschlägt, wird sich im Laufe des Jahres erst noch zeigen. Fest steht aber: Werden die Feldarbeiter auf Dauer zu teuer, liebäugeln die Funks mit der Anschaffung eines Spargelvollernters. Die Kosten dafür wären – im Bezug auf das eingesparte Personal – nach zwei Saisons wieder eingeholt, „und dann hat kein Helfer mehr was vom Mindestlohn.“

Quelle: op-online.de

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