Vater, Mutter und sieben Kinder

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 Alle Neune bei den Spielmanns zu versammeln ist schwierig: So ist eine Tochter gerade auf Austausch in Costa Rica. Der Baum wird bei den Spielmanns am Morgen des 24. Dezember geschmückt.

Babenhausen - Weihnachten ist das Fest der Familie und der Nächstenliebe. Dem kommen die Spielmanns in ganz besonderer Weise nach: Zu neunt versammeln sie sich dieses Jahr in einem Kreis unter ihrem Tannenbaum, der in dieser Größe und Konstellation selten in Deutschland ist. Von Michael Just

Es sind nicht nur die sieben Kinder im Alter von sieben Monaten bis 19 Jahren, die hervorzuheben sind, sondern auch die Einstellung ihrer Eltern: Fünf Sprösslinge haben Katja und Stephan Spielmann als Pflegekinder aufgenommen. Ein Kind ist adoptiert, eines leiblich. Der jüngste Zuwachs, noch nicht mal ein Jahr alt, stieß erst eine Woche vor Heiligabend hinzu. Bei so vielen Köpfen - inklusive Dalmatiner-Mischling Maxi - scheint das Fest auf den ersten Blick mit Stress verbunden zu sein. „In der Vorbereitung ist das manchmal so“, sagt der 46-Jährige, während seine Frau einwirft, dass man die Sache durchaus als „gemütlichen Stress“ betrachten kann. Dass sie bei den Geschenken in die Bredouille kommt, verneint sie. Zum Teil werde schon vorgekauft, wenn sie Wünsche bei den Kindern vernimmt und sich Gelegenheiten bieten. Das wandert dann in eine große Truhe im Keller. Und bei den Größeren müsse sie sich ohnehin keinen Kopf zerbrechen: Deren Wünsche seien mit Elektronik leicht zu erfüllen.

Den großen Baum stellt der Diplom-Ingenieur heute auf, geschmückt wird er von seinen Kindern. Viele Helfer bedeuten auch immer viele Meinungen, was dessen Erscheinung und Farbe angeht. Da eine Tochter Floristin lernt, wird der Baum dieses Jahr türkis - passend zur Tapete im Wohnzimmer. Heute Mittag geht die Großfamilie in die Kirche. Mit den Eltern von Stephan und Katja Spielmann sowie einem Bruder, der Pate ist, findet danach das Abendessen in einer Runde statt, die noch größer als die gewohnte ist. Hier wird traditionell ein kaltes Buffet mit Fisch, Wurst, Käse und auch Weißwürsten aufgetischt. Die bayrische Spezialität rührt daher, da das Familienoberhaupt ursprünglich aus dem bayrischen Aschaffenburg kommt.

Spannend wird es nach dem Essen, wenn die Zeitschaltuhr ihr Werk verrichtet: Plötzlich leuchtet der Baum und Weihnachtsmusik ertönt. Die Glasscheibe zum Wohnzimmer wurde zuvor extra abgeklebt, damit das Christkind sich ungestört seiner Arbeit widmen kann. Das hat, rechnet man die Geschenke der Großeltern hinzu, in der Luisenstraße eine Menge Arbeit. „Die Kinder stürzen sich natürlich erstmal alle auf die großen Pakete. Der Name darauf hilft, zu erkennen, für wen was ist“, erzählt die 45-Jährige.

Am 25. steht traditionell das Weihnachtsessen an. Dann sind, wie am Heiligabend, erneut die Großeltern da und Katja Spielmann bereitet mit ihrer Schwiegermutter Gans und Reh gleichzeitig zu. „Das bedeutet stundenlanges Kochen“, weiß sie, denn auch die vielfältigen Beilagen - Rotkraut und Klöße zum Wild, Nudel, Rosenkohl und Pilze zum Geflügel - benötigen Zeit. „Wir wissen, dass wir in Deutschland nicht die Norm darstellen“, sagt das Paar. Ursprünglich sei es nicht geplant gewesen, so viele Kinder aufzunehmen. Das habe sich erst im Lauf der Zeit ergeben. „Von zwei auf drei zu vergrößern ist eine entscheidende Frage. Von fünf auf sechs dann nicht mehr“, macht die Babenhäuserin klar und ergänzt: „Es ist eine tolle Aufgabe. Man wächst daran stetig.“ Wichtig sei, dass auch die erweiterte Familie, wie Bruder oder Eltern, mitziehen und zu Onkel oder Großeltern werden: „Sie müssen die Kinder wie unsere leiblichen Kinder betrachten. Das tun sie“, sagen die Spielmanns.

Der Weg zu fünf Pflegekindern gründet nicht zuletzt auf einer funktionierenden Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Hier fühlt man sich sehr gut betreut. Auch zu den meisten Eltern der Pflegekinder besteht ein zum Teil sehr guter Kontakt. Ist der jüngste Zuwachs der letzte? „Vermutlich. So etwas muss immer eine Überlegung mit Bedacht sein“, sagt Stephan Spielmann. Der zweite Weihnachtsfeiertag gestaltet sich bei der Großfamilie etwas ruhiger - zumindest sind keine Gäste mehr da. „Besuch wollen wir an diesem Tag keinen mehr“, heißt es. Mehr oder weniger Tohuwabohu gibt es trotzdem, denn dann probieren die Kinder ihre Geschenke aus. „Das kann zur Strafe werden“, führt die Mutter lachend an, wenn die Ruhe wie so oft zum Luxus wird. Und trotzdem wollen Katja und Stephan Spielmann keines ihrer Kinder und das Gefühl, eine wahre Großfamilie zu sein, missen. „Die Kinder geben einfach zu viel zurück“, sagen die Eltern aus Leidenschaft.

Quelle: op-online.de

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