Premiere bei den Ferienspielen:

Stadtgeschichte zum Anfassen

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Hmmm, lecker! Auch in der Steinzeit wurden mit einfachen Zutaten schmackhafte Gerichte gekocht – das erfahren Lena, Johanna, Jannik und Annika (von links) am digitalen Suppentopf.

Babenhausen - Manches ist heute noch sichtbar, andere Details aus der Vergangenheit der Gersprenzstadt sind jedoch verschwunden. Auf den Spuren ihrer Vorfahren weilte erstmals eine Gruppe Ferienspiel-Kinder im Territorialmuseum. Von Corinna Hiss

Was früher einmal war, ist spannend und abenteuerlich – diese Aussage vermittelten Ute und Georg Wittenberger der 16-köpfigen Gruppe Ferienspiel-Kinder, die sich gestern ins Territorialmuseum in der Amtsgasse 32 aufmachten, um hautnah Stadtgeschichte zu erleben. Auch wenn das Ehepaar bereits Schulklassen durch die historischen Räume geführt hatte, so war die Teilnahme an der Sommerbetreuung der Kinder- und Jugenförderung ein absolutes Novum. „Wir sind gespannt, wie es aufgenommen wird“, sagte Ute Wittenberger gestern morgen und sollte nicht enttäuscht werden.

Wenn in anderen Museen Schilder mit „Bitte nicht berühren“ oder „Bitte ruhig verhalten“ stehen, so ist in der Amtsgasse 32 Anfassen und Mitmachen erlaubt und vor allem erwünscht. So auch gestern: Die Wittenbergers hielten nicht etwa einen Vortrag über die vielen Exponate in den drei Geschossen, sondern ließen die Neun- bis Zehnjährigen mit einer Rallye das Museum auf eigene Faust erkunden. Erstaunlich war dabei, wie viel die kleinen Babenhäuser bereits über ihre Heimatstadt wussten. Schloss, Stadtmauer, Hexen- und Breschturm waren den meisten ein Begriff. Neu war für viele aber, dass es früher nicht nur zwei, sondern sieben Türme gegeben hat. Und dass sogar drei Wassergräben die Schurken vom Schloss fernhalten sollten. „Unsere Stadt ist bereits 720 Jahre alt und damals war nichts wie heute“, erzählte Ute Wittenberger. Das alte Fachwerkhaus in der Amtsgasse 32 wurde indes 1555 gebaut und originalgetreu wiederhergestellt, sodass die roten Fensterrahmen heute strahlen wie einst vor 400 Jahren.

Auf drei Stockwerken konnten die Kinder dann selbst entdecken, welch lange Geschichte Babenhausen bereits hinter sich hat. Dabei faszinierten besonders die interaktiven und hochmodernen Stationen. Im Kellergeschoss, in dem die Vor- und Frühgeschichte mit archäologischen Ausgrabungen aus der Gersprenzstadt ausgestellt wird, sorgte der digitale Suppentopf für Begeisterung. Per Knopfdruck wählten die Jungs und Mädels aus einer Reihe von Zutaten diejenigen aus, die sie für einen Kuchen, einen Eintopf oder zum Brot backen brauchten. Dabei gab es natürlich nur das, was die Menschen in der Steinzeit zur Verfügung hatten. „Es ist toll, das alles selbst zu erkunden“, schwärmte Lena, nachdem sie aus Wildbeeren, Mohn und Getreide einen Kuchen wie vor mehreren tausend Jahren „gebacken“ hatte. Für die Neunjährige war das Territorialmuseum nicht neu. „Ich war hier bereits mit meinen Eltern, aber es ist viel besser, alles alleine auszuprobieren und sich Zeit zu lassen“, so ihr Fazit.

Neues Museum in Babenhausen eröffnet

Im Obergeschoss reisten die Kinder zurück ins Mittelalter. Dort wurde insbesondere die Geschichte der Grafen von Hanau-Lichtenberg, den Bewohnern des Schlosses, aufgegriffen. „Das ist mein erster Museumsbesuch“, erzählte Philipp, nachdem er sich Wissenswertes über den Kopfhörer angehört hatte. „Hier erfahre ich echt viel. Und überall steht mein Name“, sagte er lachend und deutete auf Hinweistafeln mit der Aufschrift „Graf Philipp II.“ Kleine Schlangen bildeten sich auch an der Station „Mittelalterschrift“, bei der jeder seinen Namen mit alten Buchstaben schreiben durfte.

Die neuere Geschichte Babenhausens des 19. und 20. Jahrhundert entdeckte die Ferienspiel-Gruppe im Dachgeschoss. Dort konnte sie mit einem naturgetreuen Modell von Georg Philipp Lang alias Hölzerlips posieren, einem bösen Räuber, dessen Bande bei Sickenhofen geschnappt wurde. Kleidung, so wie sie das einfache Volk früher getragen hat, standen zum Anprobieren zur Verfügung. Und wer wollte, konnte in Geheimschrift Botschaften verfassen, die nur unter UV-Licht zu entziffern sind. Was heute ein spezieller Stift aus dem Schreibwarenladen erledigte, tat früher Alaun, das meist nach der Rasur verwendet wurde und unsichtbar war – bis es unter einer Kerze leicht erhitzt wurde.

Quelle: op-online.de

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